DFB-Elf: Diese Baustellen muss Löw trotz EM-Quali noch beseitigen

Mönchengladbach - Es war nicht alles Gold, was glänzte! Die deutsche Nationalmannschaft hat durch einen 4:0-Sieg gegen Weißrussland die vorzeitige Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 geschafft. Dennoch gibt es für Bundestrainer Joachim Löw einige offene Baustellen.

Deutschland ist auf einem guten Weg, hat allerdings noch einige Probleme zu lösen.
Deutschland ist auf einem guten Weg, hat allerdings noch einige Probleme zu lösen.  © dpa/Marius Becker

Vor allem die fehlende Konstanz muss hier genannt werden. Bei der EM darf sich Deutschland nicht solche Schwächephasen und Aussetzer erlauben, wie in der ersten Halbzeit gegen Belarus kurz vor dem 1:0. Andere Mannschaften nutzen solche Fehler nämlich gnadenlos aus.

Doch gerade dieser wichtigste Aspekt wird auch der am schwersten umzusetzende sein, weil er von vielen Faktoren abhängig ist.

So muss Löw darauf hoffen, dass die Verletzungsmisere irgendwann ein Ende findet und er bald auf eine eingespielte Elf setzen kann, in der die Abläufe funktionieren.

Dafür müssen sich allerdings auch neue Führungsspieler herauskristallisieren, die schnellstmöglich in ihre tragenden Rollen hineinwachsen.

Matthias Ginter ist ein Beispiel. Doch auch Joshua Kimmich ist hier zu nennen. Ebenso ein Emre Can, der dafür aber dringend wieder regelmäßig spielen muss.

Dazu sind Manuel Neuer und Toni Kroos schon aufgrund ihrer Erfahrung und Klasse hier fest eingeplant. Wünschenswert wäre außerdem, dass Löw sich dazu durchringt, mit Mats Hummels wenigstens einen erfahrenen und noch immer überragenden Innenverteidiger wieder zu nominieren.

DFB-Comeback von Mats Hummels wird es wohl nur im absoluten Notfall geben

Joachim Löw wird wohl nur im absoluten Notfall auf Mats Hummels zurückgreifen. Leider, muss man angesichts von dessen Form, Erfahrung und Klasse sagen.
Joachim Löw wird wohl nur im absoluten Notfall auf Mats Hummels zurückgreifen. Leider, muss man angesichts von dessen Form, Erfahrung und Klasse sagen.  © dpa/Federico Gambarini

Löw selbst sagte dazu: "Die jetzt dabei waren und sind, werden dann schon in der engeren Auswahl stehen."

Doch er fügte auch hinzu: "Die Tür ist natürlich immer auf, absolut. Es gibt immer mal wieder Spieler, die eine absolute Leistungsexplosion haben."

Dennoch ist wohl zu vermuten, dass Löw wohl weiterhin auf ein Comeback von Hummels verzichten wird - gerade, wenn Niklas Süle oder Antonio Rüdiger rechtzeitig zum Turnier fit werden sollten, sind die Chancen für den BVB-Abwehrchef eher gering.

Deshalb müssen die anderen Spieler weitere Erfahrungen sammeln und schnellstmöglich reifen.

Gerade die junge Garde um Kai Havertz und Jonathan Tah, die in dieser Saison noch nicht an ihre Topform herankommen oder international unerfahrene Leute wie Robin Koch sind hier zu nennen.

Sie müssen sich an den erfahrenen Leuten orientieren können. Das Mannschaftsgefüge muss also ausgewogen und intakt sein. Denn nur ein echtes Team, in dem jeder für den anderen läuft, kämpft und Fehler ausbügelt, hat bei einer EM eine Chance, weit zu kommen.

Die deutsche Nationalmannschaft muss die Fans mit guten Leistungen zurückgewinnen

Momentan ist Manuel Neuer (r.) die Nummer eins von Joachim Löw. Doch Marc-André ter Stegen (l.) lauert auf seine Chance.
Momentan ist Manuel Neuer (r.) die Nummer eins von Joachim Löw. Doch Marc-André ter Stegen (l.) lauert auf seine Chance.  © dpa/Federico Gambarini

Es kommt daher auch auf Löws Fähigkeiten als Moderator einer solchen Gruppe an. Bei der WM 2014 hat er bereits bewiesen, dass es das kann.

Doch vier Jahre später schätzte er die Lage auf beinahe verheerende Art und Weise falsch ein und löste damit die Diskussionen aus, welche die Nationalelf noch immer begleiten.

Diese anhaltende Unruhe im Umfeld und bei den Fans ist der nächste Punkt, der spätestens mit Turnierbeginn in den Griff zu bekommen sein sollte. Das geht aber nur mit erfrischendem Offensivfußball gepaart mit guten Ergebnissen. Denn die Ansprüche sind auch in Zeiten des Umbruchs hoch.

Ansonsten wird sowohl die Diskussion um Löw, als auch die um die Nationalmannschaft anhalten und ein konzentriertes Arbeiten für alle schwer machen.

Zu guter Letzt sollten sich auch keine weiteren Brandherde - wie 2018 mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan der Fall - auftun. So sollte die verständliche Diskussion um die Nummer eins im Tor im Keim erstickt werden. Das wird aber nur klappen, wenn Löws Kapitän Neuer keine Fehler macht und sich so stark präsentiert, wie gegen Weißrussland.

Denn mit Marc-André ter Stegen scharrt ein Weltklasse-Mann mit den Hufen. Wenn dann auch noch Kevin Trapp wieder fit wird, hat Deutschland drei überragende Keeper, von denen jeder in fast allen anderen Nationalteams der Welt die unangefochtene Nummer eins zwischen den Pfosten wäre. Nur eine von vielen Aufgaben für den Bundestrainer.

Auf Jogi Löw werden in den kommenden Wochen und Monaten viele Aufgaben zukommen und Probleme, die er besser lösen muss, als es vor und während des WM-Turnieres 2018 der Fall war.
Auf Jogi Löw werden in den kommenden Wochen und Monaten viele Aufgaben zukommen und Probleme, die er besser lösen muss, als es vor und während des WM-Turnieres 2018 der Fall war.  © dpa/Federico Gambarini

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