Peinliche Mexiko-Pleite: Was ist bloß mit der Nationalelf los?

Moskau – Bei der historischen Niederlage der deutschen Nationalelf gegen Mexiko (TAG24 berichtete) erinnerte so gut wie nichts an die Auftritte der Weltmeisterelf vor vier Jahren in Brasilien, obwohl immerhin acht Spieler, die auch 2014 dabei waren, auf dem Platz standen.

Julian Draxler (l-r), Mario Gomez und Julian Brandt aus Deutschland gehen nach dem Abpfiff enttäuscht vom Platz.
Julian Draxler (l-r), Mario Gomez und Julian Brandt aus Deutschland gehen nach dem Abpfiff enttäuscht vom Platz.  © DPA

Seit 1982 hat Deutschland kein Auftaktspiel bei einer Weltmeisterschaft verloren. Zwar waren traditionell die Vorbereitungsspiele eher durchwachsen und ließen die Nation das Schlimmste für das jeweilige Turnier befürchten, doch stets war das DFB-Team auf den Punkt da und gewannen ihr erstes Spiel.

Davon waren Jogis Jungs aber am Sonntag meilenweit entfernt. Sie knüpften nahtlos an die schwachen und blutleeren Auftritte aus den Vorbereitungsspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien an.

Vorne ohne Ideen und hinten wackelig, keiner der hochveranlagten Spieler rief auch nur im Ansatz sein Potential ab.

Doch woran lags? TAG24 erklärt die Ursachen für die schwache Leistung:

Der Bayern-Block in der Krise

Mit Müller, Kimmich, Boateng, Hummels, Neuer standen fünf Bayernspieler in der Startelf. Der einzige mit Normalform war Manuel Neuer. Die übrigen sind neben der Spur. Müller fand überhaupt nicht ins Spiel, seine berühmten Überraschungsmomente blieben aus, er wirkte nahezu unbeteiligt.

Die Innenverteidigung mit Hummels und Boateng, sonst ein Garant für felsenfeste Stabilität, offenbarte, wie auch schon in den Testspielen, erschreckende Wackler. Hummels stand vor dem 0:1 falsch und agierte dann unglücklich. Boateng rettet zwar einige Male in höchster Not, machte aber zu wenig für die Spieleröffnung. Kimmich agierte taktisch unreif. Durch seinen ungezügelten Offensivdrang öffnete er den Mexikanern riesige Räume. Seine Flanken blieben ungefährlich.

Es wirkt, als bekommen die Bayernspieler das vermasselte Saisonfinale nicht aus den Köpfen. Nach dem Aus im Halbfinale der Champions League und der Niederlage im DFB-Pokal gegen Frankfurt sitzt der Frust scheinbar noch tief.

In der Nationalmannschaft läuft Thomas Müller derzeit seiner Form hinterher. Überraschungsmomente? Fehlanzeige!
In der Nationalmannschaft läuft Thomas Müller derzeit seiner Form hinterher. Überraschungsmomente? Fehlanzeige!  © DPA

Lücken zwischen Defensive und Offensive

Zwischen Defensive und Offensive gab es keine Bindung. Die Mexikaner nahmen Toni Kroos mit Manndeckung aus dem Spiel und es gab keinen, der statt ihm das Spiel ordnete. Khedira kam weder in die Zweikämpfe, noch schloss er die Lücken oder spielte überlegte Pässe.

Auffällig war auch, dass bei deutschen Angriffen meist ein Spieler an der Strafraumgrenze fehlte. Vier Offensive standen bei Flanken auf einer Linie, wurden die von den Mexikanern raus geköpft, fehlte schlicht einer, der den zweiten Ball hätte noch mal gefährlich machen können.

Kroos wurde von den Mexikanern in Manndeckung genommen, dadurch fehlte den deutschen Spiel jede Struktur und Ordnung.
Kroos wurde von den Mexikanern in Manndeckung genommen, dadurch fehlte den deutschen Spiel jede Struktur und Ordnung.  © DPA

Keine Antwort auf Mexikos überraschende Taktik

Mit der mexikanischen Taktik, Kroos in Manndeckung zu nehmen und mit den schnellen Flügelspielern auf Konter zu setzen, hatte keiner im DFB-Team gerechnet. "Sie haben uns auf eine andere Art gelockt, als wir es erwartet hatten", erklärte Team-Manager Oliver Bierhoff. Die Mexikaner machten Kimmichs Seite auf, um ihn in die Offensive zu locken und die daraus entstehende Räume zu nutzen. "Das sind wir immer wieder in die Falle gelaufen", gab Bierhoff zu.

Joshua Kimmich tat den Mexikanern den Gefallen, das zu tun, was sie von ihm erwarteten und öffneten ihnen damit viele Räume.
Joshua Kimmich tat den Mexikanern den Gefallen, das zu tun, was sie von ihm erwarteten und öffneten ihnen damit viele Räume.  © DPA

Zweikampfschwäche

Fast wirkt es, als würden die Weltmeister überzeugt sein, Spiele nur wegen ihrer technischen Überlegenheit gewinnen zu können. Vor allem in der ersten Halbzeit spielten sie fast körperlos und ohne Biss. Bis zur 45. Minute gewannen allein Khedira, Özil und Kroos gerade mal zwei (!) von 16 Zweikämpfen. Laut dem Datenlieferant Opta entschied die Mannschaft im ganzen Spiel lediglich 44,2 Prozent ihrer Zweikämpfe für sich. Bei Mexiko waren es 55,8.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0