"Eine Sauerei!" Nicht nur Sahra Wagenknecht ist wütend auf DHL

Bonn/Berlin - Wer bei der Post unbefristet arbeiten möchte, muss gesund sein (TAG24 berichtete) - das ist auf einen Nenner gebracht, was derzeit vielen aufstößt. In diese Debatte mischen jetzt sich immer mehr Politiker ein.

Sahra Wagenknecht (48, Die Linke): "Was für eine Sauerei! Wer bei der Deutschen Post einen festen Vertrag will, muss vor allem eine bärenstarke Gesundheit mitbringen."
Sahra Wagenknecht (48, Die Linke): "Was für eine Sauerei! Wer bei der Deutschen Post einen festen Vertrag will, muss vor allem eine bärenstarke Gesundheit mitbringen."  © ARD

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen auch von Krankheitstagen eines Mitarbeiters abhängig. Arbeitsrechtlich ist dieses Prozedere nicht angreifbar, wie auch Gewerkschaftsvertreter erklären. DGB und Politik sind aber dennoch empört. Immer mehr Kritik mischt sich in die Diskussion um dieses Thema.

So macht auch Sahra Wagenknecht (48, Die Linke) keinen Hehl daraus, was sie von der "Post-Gesundheit" hält. Sie schreibt auf Facebook: "Was für eine Sauerei! Wer bei der Deutschen Post einen festen Vertrag will, muss vor allem eine bärenstarke Gesundheit mitbringen."

Sie bezieht ihre Kritik auf die maximal "20 krankheitsbedingten Fehltage innerhalb von zwei Jahren", die ein DHL-Beschäftigter auf seinem Konto haben dürfe. "Nur wer in den zwei Jahren zuvor nicht mehr als 20 Tage krank gewesen ist, hat eine Chance, dass der befristete Vertrag in einen dauerhaften umgewandelt wird." Weiter klagt die Linke an: "Und er darf natürlich auch nicht länger als von der Post kalkuliert für die Auslieferung von Briefen und Paketen benötigen."

Sie macht ihre Position deutlich und stellt klar: "Niemand sollte sich krank zur Arbeit schleppen oder kaputt schuften müssen. Wer einen befristeten Arbeitsvertrag hat und endlich eine Festanstellung will, dem bleibt aber oft keine andere Wahl – leider nicht nur bei der Deutschen Post."

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (59, SPD) will die DHL-"Einstellungspraxis" nicht hinnehmen. Er möchte den Einfluss des Bundes für eine Änderung der Kriterien nutzen.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (59, SPD) will die DHL-"Einstellungspraxis" nicht hinnehmen. Er möchte den Einfluss des Bundes für eine Änderung der Kriterien nutzen.  © ARD

Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (59, SPD) will jene umstrittene "Einstellungspraxis" bei der Deutschen Post nicht hinnehmen. Er möchte den Einfluss des Bundes für eine Änderung der Kriterien nutzen.

Bei dem Dax-Unternehmen, an dem auch der Bund beteiligt ist, sollen Mitarbeiter erst dann einen unbefristeten Vertrag bekommen, wenn sie (wie eingangs beschrieben) nicht zu oft krank sind und darüber hinaus nicht zu häufig in Unfälle mit Postfahrzeugen verwickelt sind.

"Aber es ist moralisch höchst verwerflich", so der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, am Montag in Berlin. "Es ist an der Zeit, dass mit diesem Unfug aufgeräumt wird."

"Diese Kriterien sind völlig menschenverachtend und sittenwidrig", sagt Beate Müller-Gemmeke, Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte. Und Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe von CDU/CSU, kritisiert: "So ein Kriterienkatalog, wie er vorliegt, ist ein Quatsch und der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig."

Nur die Post steht zu ihrem "Kriterienkatalog". Laut einem Sprecher in Bonn erschließe sich "die Aufregung darüber nicht". Und weiter: "Die gleichen Medien, die das Konzept nun kritisierten, wären die ersten, die aufschreien würden, wenn es Mängel bei der Zustellung gebe."

Abschließend betont er: "Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden."


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