Dicke Luft bei Anne Will: So schlug sich Sachsen-MP Kretschmer im CO2-Streit

Dresden - Das Thema bot Zündstoff: "Streit um CO2-Steuer - wer zahlt für den Klimaschutz?" Bei der sonntäglichen ARD-Talkshow "Anne Will" ging es unter den geladen Gästen heiß her. Mitten drin der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (43, CDU), der sich mit mehreren Diskutanten zoffte.

Gerieten bei Anne Will (53) aneinander: Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, 43, r.) und Juso-Chef Kevin Kühnert (29, SPD, 3.v.l.) sowie Grüne-Parteichefin Annalena Baerbock (38, 2.v.r.).
Gerieten bei Anne Will (53) aneinander: Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, 43, r.) und Juso-Chef Kevin Kühnert (29, SPD, 3.v.l.) sowie Grüne-Parteichefin Annalena Baerbock (38, 2.v.r.).  © ARD

Was das Verfehlen der selbst gesteckten Klimaziele angeht, mahnte Kretschmer zu Beginn der Sendung noch vor "Populisten, die die Stimmung anheizen". Er forderte mit ruhiger Stimme ein, sachlicher zu diskutieren. Aber dann wurde er selbst emotional, lieferte sich ein hitziges Wortgefecht mit Kevin Kühnert (29, SPD): "Weiß ja nicht, welches furchtbare Land sie vor sich haben. Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland, eines der großartigsten Länder, die es gibt", belehrte er den Jusos-Chef.

Dessen Sozialismus-Ausführungen verärgerten Kretschmer sichtlich: "Sie bringen die Menschen in diesem Land sowas von auf", warf er Kühnert aufgeregt vor. Der wiederum bezeichnete dann Kretschmers DDR-Vergleiche als "infam".

Als die grüne Parteichefin Annalena Baerbock (38) ihre Gedanken zu einem "radikalem Klimaschutz und radikalem Umbau unseres Wirtschaftssystems" ausführen wollte, fiel ihr Kretschmer mehrfach ins Wort:

"Warum muss man so eine Sprache verwenden?" Sachsens Ministerpräsident verwies nach dem beschlossenem Kohleaufstieg lieber auf China, Indien, Afrika, die ihre Emissionen reduzieren müssten. "Für eine CO2-Steuer gibt es in der deutschen Bevölkerung keine Mehrheit", so Kretschmer. TAG24 hörte sich in Dresden nach Meinungen um...

Und das sagen die Bürger zur möglichen CO2-Abgabe/Steuer:

Grit Werner (51), EU-Rentnerin aus Dresden

"Ich befürworte das schon, aber es kommt auf das richtige Maß bzw. Umfang an. Also wie teuer das wird. Der kleine Rentner kann nicht viel mehr zahlen. Ich befürchte, dass betroffene Betriebe die Mehrkosten auf die Produkte umlegen und es am Ende der Kunde zahlen muss."

© Norbert Neumann

Birgit Mrozik (54), Textilingenieurin aus Kamenz

"Ich bin da noch unentschlossen, habe mir noch nicht abschließend meine Meinung gebildet. Wichtig wäre es, mit der Abgabe nicht die kleinen Leute zu belasten, sondern die Betriebe. Wenn dann Produkte teurer werden, würde das sicher auch zum Umdenken führen. Tun müssen wir aber dringend was, die Umweltbelastung ist zu hoch."

© Norbert Neumann

Otto Lukat (69), Rentner, gebürtiger Hamburger

"Schwer zu sagen. Ich denke, die Menschen sollten selbst aufpassen, was sie machen. Beim Heizen im Zimmer die Türe schließen und so nur den Raum und nicht gleich die ganze Wohnung heizen. Oder bewusst versuchen, das Auto stehen zu lassen, mehr zu Fuß zu gehen oder Rad oder Bahn zu nutzen. Wobei ich in Kanada lebe und in der Dresdner Innenstadt jetzt nicht so viele Autos sehe."

© Norbert Neumann

Sebastian Burkhardt (32), Verlagsmitarbeiter aus Dresden

"Ich halte die Abgabe prinzipiell für eine gute Idee, wenn es richtig gemacht wird. Vor allem der einfache Bürger sollte keinen Nachteil haben. Also wenn jetzt nur Produkte im Supermarkt teurer würden, bringt das nichts. Vielleicht könnte jeder Einzelne selbst C02-Tickets bekommen, die er nutzen oder damit handeln könnte."

© Norbert Neumann

Philipp Keller (27), Werbetexter aus Worms

"Ja, die Abgabe brauchen wir. Und zwar weltweit. Einfach um den Klimawandel zu stoppen. Manche Sachen werden wohl teurer, langfristig kommt uns das aber günstiger. Der Staat könnte mit Subventionen helfen. Und die eingenommenen Gelder könnte man in erneuerbare Energien und Forschung investieren."

© Norbert Neumann

Titelfoto: ARD

Mehr zum Thema Katja Krasavice:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0