Es stinkt! Dicke Luft im Weihnachtsland

Verhindert die „Böhmische Luft“ das Weihnachtsgeschäft? Seiffen kämpft um seinen guten Ruf.
Verhindert die „Böhmische Luft“ das Weihnachtsgeschäft? Seiffen kämpft um seinen guten Ruf.

Seiffen - Nachdem wochenlang der ekelhafte und krankmachende „Katzendreckgestank“ über den Erzgebirgskamm kroch, fürchtet Seiffen um seinen Ruf. Dennoch wollen Bürgerinitiativen mit spektakulären Aktionen gegen den Gestank kämpfen.

Glücklicherweise hat sich in dieser Woche der Wind gedreht, die Luft ist wieder rein. In den sechs Wochen vorher trug Südwind die Chemie-Dämpfe aus dem Böhmischen Industriebecken ins Erzgebirge.

Hans-Peter Haustein, inzwischen Sprecher der Bürgerinitiativen vor Ort: „Wir müssen alle Kräfte bündeln und mit der Politik endlich eine Lösung mit Tschechien suchen. Es kann nicht sein, dass von 35 Kindern nur neun da sind - der Rest ist krank!“

Seiffens Pfarrer hat den Mief satt. Er schrieb einen öffentlichen Protestbrief an die große Politik.
Seiffens Pfarrer hat den Mief satt. Er schrieb einen öffentlichen Protestbrief an die große Politik.

Auch Seiffens Pfarrer Michael Harzer legt die Zurückhaltung ab, schrieb an Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) einen offenen Brief: „Ich sehe die Lebensqualität dauerhaft gefährdet, wenn nichts unternommen wird.“

So viel Engagement ist dem Seiffener Bürgermeister Martin Wittig (CDU) nicht recht. Er will nichts beschönigen, kämpft aber um den guten Ruf.

Wittig: „Wir müssen den Touristen klar machen, dass Seiffen nicht krank macht. Wir müssen sowohl an unsere Gesundheit denken, aber auch an unsere Arbeitsplätze.“ Den Tourismus eben.

„Wenn ein Tourist in den Gestank kommt, verschwindet er und kommt nie wieder“, hält Haustein dagegen.

Am Dienstag bringt er eine Resolution der Erzgebirgler ins Kanzleramt. Und er plant spektakuläre Aktionen, darunter die Blockade des Grenzübergangs.

Haustein: „Aber erst im neuen Jahr - aus Rücksicht vor dem Seiffener Weihnachtsmarkt.“

Auch aus dem tschechischen Industriegebiet in Litvinov kriechen bei Südwind Chemiegerüche über den Erzgebirgskamm.
Auch aus dem tschechischen Industriegebiet in Litvinov kriechen bei Südwind Chemiegerüche über den Erzgebirgskamm.

Fotos: Egbert Kamprath, dpa


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