Dicke Luft in Nossen: "Schaumaplast" lässt Nachbarn schäumen

Nossen - Jobs oder saubere Luft? Anwohner fühlen sich durch Fabrikausdünstungen von Styropor-Former "Schaumaplast" belästigt, ja gesundheitlich bedroht. Firma und Landkreis halten die Situation für zumutbar. Weil das Werk auch noch 80 Leute beschäftigt, geht ein Riss durch die Gemeinde.

Ihnen stinkt der "Schaumpalast": die Nossener Gerhard (71, v.l.n.r.) und Erika Hesse (70), Sarah Müller (26), Ines Thiele (52) und Enkel Lucas (10 Monate).
Ihnen stinkt der "Schaumpalast": die Nossener Gerhard (71, v.l.n.r.) und Erika Hesse (70), Sarah Müller (26), Ines Thiele (52) und Enkel Lucas (10 Monate).  © Petra Hornig

"Schaumaplast" formt Styropor. Der Muttersitz befindet sich in Reilingen, Baden-Württemberg. Der DDR-Vorgänger des Standortes Nossen war die Firma "Steckenpferd" in Radebeul.

"Wir sind überhaupt nicht gegen die Firma Schaumaplast. Ich habe dort selbst gearbeitet. Wir wollen nur saubere Luft atmen!" Gerhard Hesse (71) gerät schnell in eine Verteidigungshaltung, wenn es um den Betrieb in seiner Nachbarschaft geht.

Er und seine Familie wohnen nicht einmal einhundert Meter entfernt. "Aber bei ungünstigem Wind ist es ein stechender, beißender Geruch. Das ist widerlich", sagt Hesse, der auch für Nachbarn spricht und jüngst eine Großveranstaltung zum Problem organisierte.

Schaumaplast entgegnet: "Wir kennen die Problematik und haben die Vorwürfe der betreffenden Anwohner von Anfang an sehr ernst genommen." 

Das Werk befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern.
Das Werk befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern.  © Petra Hornig

Nossens Bürgermeister ist ratlos

Bürgermeister Uwe Anke (50, parteilos) weiß nicht recht, wie das "Schaumpalast"-Problem zu lösen ist.
Bürgermeister Uwe Anke (50, parteilos) weiß nicht recht, wie das "Schaumpalast"-Problem zu lösen ist.  © Petra Hornig

Langzeitmessungen, die frisch ausgewertet vorliegen, hätten das "deutliche" Unterschreiten gesetzlicher Vorgaben gezeigt. Das bestätigt auch das Landratsamt (LRA). 

Gemeinsam mit seiner Umweltbehörde erarbeitete es eigens eine Methode zur Messung von Geruch. Anschließend wurden 16 Geruchsproben an mehreren Quellen auf dem Firmen-Dach gezogen.

Das Fazit der Messungen: "Mangels geeigneter rechtlicher Bewertungsgrundlagen gestaltet sich eine Beurteilung der vorgebrachten starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen sehr schwierig."

Das macht Bürgermeister Uwe Anke (50, parteilos) ratlos: "Die Stadt sieht, dass es zeitweise erhebliche Geruchsbelästigungen gibt und hat daher mit der Firma verhandelt, dass diese einen deutlich höheren Schornstein baut, was die Firma zugesagt hat. Die Messungen und Ausbreitungsberechnungen des LRA kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass dieser Schornstein keine Veränderung bringt."

In Kürze sollen weitere Messergebnisse vorliegen.

Titelfoto: Petra Hornig

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