Neuer Bischof gewählt! Das sind seine 5 größten Baustellen

Asylsuchende in der Kirche - aber bitte nicht flächendeckend. Manche Gemeinden gewähren zwar Kirchenasyl, Ländereien und halbleere Pfarrhäuser werden aber kaum geöffnet.
Asylsuchende in der Kirche - aber bitte nicht flächendeckend. Manche Gemeinden gewähren zwar Kirchenasyl, Ländereien und halbleere Pfarrhäuser werden aber kaum geöffnet.

Von Torsten Hilscher

Dresden - Nach der Wahl ist vor dem Umzug. Für den neuen Bischof der sächsischen Protestanten, Carsten Rentzing (47), ändert sich aber bald nicht nur die Wohnadresse. Den Pfarrer aus Markneukirchen (Vogtland) erwarten vor allem innerkirchliche Baustellen.

„Der Familienrat hat den Umzug nach Dresden beschlossen“, sagt Rentzing der MOPO. Der Rat, das sind seine vier schulpflichtigen Töchter (10-18). Ehefrau Maria wird ihre Pfarrstelle ebenfalls aufgeben und sich in Dresden und Umgebung nach einem gleichwertigen Job umschauen.

Wie es sich für einen Pfarrhaushalt gehört: Auch ein Klavier reist mit. Die Frauen seien sehr musikalisch, sagt der künftige Bischof, wenngleich er es eher mit dem Singen habe.

Trotz des Sanierungsmarathons seit 1990 sind in Sachsen noch Kirchen baufällig. Oder es kommt ein Unglück dazwischen, wie hier in Tellschütz- Zwenkau.
Trotz des Sanierungsmarathons seit 1990 sind in Sachsen noch Kirchen baufällig. Oder es kommt ein Unglück dazwischen, wie hier in Tellschütz- Zwenkau.

Dienstlich wird er in den kommenden Wochen dem scheidenden Bischof Jochen Bohl (65) im Landeskirchenamt in Dresden über die Schulter schauen. Amtseinführung ist am 29. August.

Eine Baustelle, die der Neue vorfinden wird, ist die Debatte um Flüchtlinge und Kirchenasyl:
Paradox: Zwar gewähren Geistliche Kirchenasyl und stellen sich damit gegen den Staat. Die flächendeckende Öffnung von Heimen, Pfarrhäusern oder Kirchen für normale Asylsuchende fehlt jedoch.

Baustelle zwei betrifft den Nachwuchs:
Inzwischen werden in Gemeinden sogar gezielt Jugendliche angesprochen, sich doch vielleicht für den Pfarrberuf zu entscheiden.

Für viele Protestanten in Sachsen ein rotes Tuch: Homosexuelle. Der neue Bischof will die Debatte dazu „offen“ führen.
Für viele Protestanten in Sachsen ein rotes Tuch: Homosexuelle. Der neue Bischof will die Debatte dazu „offen“ führen.

Baustelle drei heißt Austritte:
Weil die Kirche die neuen Steuerregeln für Kapitalerträge kaum erklärte, meldeten sich viele Gläubige ab (Vorjahr 11.800 Personen).

Baustelle vier betrifft die Segnung Homosexueller:
„Nein in Kirche und Gottesdienst“, sagt Rentzing. Ansonsten halte er die Segnung von Menschen immer für möglich.

Bliebe Baustelle fünf:
Gotteshäuser selbst. Da wurde Großes geleistet seit 1990. Bei 15 Prozent der insgesamt 1600 Kirchen und Kapellen besteht zurzeit jedoch Sanierungsbedarf. Die Evangelische Landeskirche Sachsen hat 743.500 Mitglieder in insgesamt 18 Kirchenbezirken. Bischofskirche ist die Dresdner Kreuzkirche, eigentlich aber aus historischer Sicht der Meißner Dom.

Zieht mit fünf Frauen nach Dresden: der künftige evangelische Landesbischof Carsten Rentzing (47).
Zieht mit fünf Frauen nach Dresden: der künftige evangelische Landesbischof Carsten Rentzing (47).

Macht Liebe

Kommentar von Torsten Hilscher

Willkommen im Gestern! Auch der künftige evangelische Landesbischof kann sich nicht für die Segnung Homosexueller in der Kirche erwärmen. Das liegt vielleicht weniger an Carsten Rentzing, der Ende August sein Amt antritt. Das liegt auch nicht am scheidenden Bischof Jochen Bohl. Es liegt an der vielerorts in Sachsen noch gepflegten fundamentalistischen Bibelauslegung.

Denn Rentzing bezeichnet sich zwar als Konservativen und ist „skeptisch“ beim Thema, will es aber durchaus offen debattieren.

„Die Kirche hat doch gewiss andere Sorgen“, mag der eine oder andere einwerfen. Praktisch gesehen, ja. Schauen wir uns aber an, was die Kirche ausmacht, als was sie begann, nein! Denn es geht um den Menschen. Um die Gemeinschaft. Einzelne da auszustoßen oder ihnen gar für sie elementar wichtige rituelle Handlungen vorzuenthalten - das ist nicht christlich.

Jesus hat Liebe gepredigt. Annahme Andersdenkender, Fremder, Aussätziger. Im Englischen wird der Gottesdienst mit Service übersetzt. Daran anknüpfend sollten Geistliche einer jeden Religionsgemeinschaft sich auch als Dienstleister für jene verstehen, die in ihre Religionsgemeinschaft hineingeboren sind oder sie sich ausgesucht haben. Gar nicht zu reden von Nächstenliebe.

Fotos: imago/Independent Photo, fsw-Foto, Frank Schmidt, imago/epd/Matthias Rietschel, epd/Norbert Neetz


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