Die Doppelleben von Annelis Kidnappern

Dresden - Die Kidnapper von Anneli († 17) führten bereits vor ihrer grausigen Tat ein Doppelleben. Nach außen der treue Familienvater oder erfolgreiche Unternehmer, doch hinter dieser biederen Fassade steckten andere Menschen.

Ich bereue es, ihn zu kennen.

Marco Witt (44) war der beste Kumpel des Kidnappers Norbert K. (61).
Marco Witt (44) war der beste Kumpel des Kidnappers Norbert K. (61).

Entführung und Mord an Unternehmertochter Annelie (†17) sind an Kaltblütigkeit kaum zu übertreffen. Geradezu grotesk, dass sich Norbert K. (61) Sorgen um den Labrador-Mix seines Komplizen Markus B. (39) machte.

Andere Seiten zeigen jedoch ein weniger angenehmes Bild des Kidnappers. Keiner kann es besser wissen als Marco Witt (44), bis zur Schreckenstat bester Freund des Inhaftierten.

„Heute bereue ich es zutiefst, ihn überhaupt zu kennen“, sagt der Chef eines kleinen Angelvereins. „Aber so etwas hätte man ja nicht ahnen können. Dabei saßen wir so oft zusammen!“

Trotzdem hatte er Norbert sofort im Verdacht als er von der Festnahme in Dresden hörte. „Er hat beim Angeln mal ein paar zwölfjährige Mädchen als geile Schnecken bezeichnet. Ich habe ihm nur gesagt, er soll den Scheiß lassen! Trotzdem erzählten mir auch andere Fischer von solchen Dingen.“

Ansonsten galt für den Kidnapper die Devise „Schein statt sein“: Gab er sich zuletzt als Goldhändler aus, lebte er in Wirklichkeit von Hartz IV, trug gefälschte Markenklamotten vom Asia-Markt, um Eindruck zu schinden!

Zum Arbeitslosengeld dazu verdiente er sich etwas mit Gelegenheitsjobs. Bis zum Scheitern seiner Ehe versuchte er sich zusammen mit einem Klipphausener, der auch seinen späteren Kumpel Markus B. kennt, mit dem Autoverkauf über eBay. Doch die beiden zerstritten sich.

Mit Markus B. blieb er aber befreundet: Als der nach Bayern zog und Labrador Toni einfach in Lampersdorf zurückließ, kümmerte er sich um den großen Hund, fuhr fast jeden Tag hin.

„Er hat mich gefragt, ob ich ihn nicht bei eBay für ihn verkaufen könnte“, sagt Witt. Doch dazu kam es dann nicht mehr ...

Die beiden Entführer gaben sich nach außen als biedere Männer.
Die beiden Entführer gaben sich nach außen als biedere Männer.

Er suchte Sex mit fremden Frauen

So beschrieb sich Markus B. in dem Flirtportal.
So beschrieb sich Markus B. in dem Flirtportal.

Nach außen hin treusorgender Familienvater ... Doch der mutmaßliche Mörder Markus B. (39) hatte auch Vorlieben, die andere eher im Verborgenen ausleben - im Netz zeigte er sie jedoch recht offen.

„Induzierte Laktation“ - nur die wenigsten Männer können mit diesem Begriff etwas anfangen. Nicht verwunderlich, denn das ist ein Fachbegriff dafür, dass auch Frauen, die nicht schwanger sind, Muttermilch geben können.

Manche Frauen und Männer erregt es, sich auch im erwachsenen Alter stillen zu lassen. Offenbar auch den mutmaßlichen Mädchen-Mörder.

Bei Facebook trieb er sich in einer entsprechenden Gruppe herum. Auch seinem Komplizen Norbert K. (61) gefiel eine „Brelfie“-Gruppe. Belfies sind Selfies stillender Frauen ...

Darüberhinaus war Markus B. im Raum Dresden aber auch ganz offen an Sex interessiert, bezeichnete in einem Flirtportal seine Ehe als „offene Beziehung“, gab an, im vogtländischen Auerbach allein zu leben.

Nach MOPO24-Information war er auch bei mehreren Prostituierten im Raum Dresden zu Gast. Per WhatsApp versuchte er außerdem mehrere Frauen zu einem Treffen zu bringen, schrieb dabei gern auch äußerst anzügliche Nachrichten.

An dem Hof, wo Annelis Leiche gefunden wurde, stehen Zeichen der Trauer.
An dem Hof, wo Annelis Leiche gefunden wurde, stehen Zeichen der Trauer.

Fotos: Ove Landgraf, Privat


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