Diese Dresdner Villen haben ein Geheimnis

Von Steffi Suhr

Dresdeb – Trotz Schmuddelwetters pilgerten gestern tausende Dresdner durch die Stadt zu architektonischen Schmuckstücken.

Zum Tag des offenen Denkmals öffneten 45 Häuser ihre Pforten. Denkmalpfleger, Hausbesitzer, Restauratoren, Stiftungsmitglieder und Pfarrer hatten jede Menge zu erzählen von der wechselhaften Geschichte mancher Orte.

Von der Freude, unerwartet unterm Putz Historisches zu finden. Von den Mühen, derlei Gebäude denkmalgerecht wieder herzurichten. Neben Kirchen, Gärten, Werften oder Festungen durften die Besucher ihre neugierigen Blicke auch in liebevoll sanierte Wohnhäuser werfen.

Aber seht selbst die Geheimnisse Dresdner Villen:

Kohlen-Villa zwischen Hochhäusern

In dem Prunkbau Villa Haniel (F. r.) an der Leubnitzer Straße (Südvorstadt) lebte Charles Haniel (1859-1896), Enkel einer Kohlen-Dynastie, samt Gattin. Heute steht der Prunkbau eingeklemmt zwischen Hochhäusern und Konsum. Aber innen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ab 2001 wurde liebevoll und aufwändig saniert. Dabei halfen Rechnungen damaliger Handwerker, die Marmor, Stahltreppen oder Farben beschrieben. So entstand auch das Gästezimmer wieder. Heute beherbergt die Villa drei Wohnungen und vier Ferienwohnungen.

Russenmalerei im Trinkerzimmer

Die Russen auf dem Weißen Hirsch! Architekt Markus Woschni (48, Foto) saniert seit Jahren den Sitz des Holzhändlers, Granitsteinbruchbesitzers und „Hirsch“-Visionärs Bruno Hietzig, der das Landhaus Schöneichen (F. r.) 1868 bezog. Auf dem gut 3900 Quadratmeter großen Grundstück an der Sonnenleite „logierte“ 1948 auch die Rote Armee. Die Soldaten ließen sich im Vestibül diese „Trinkerecke“ einrichten. Samt Wandbild (F. u.) eines mittelmäßigen Künstlers.

Unvollständige Wandgemälde

Noch vor zwei Jahren war der Dachstuhl defekt, überall Wasserschäden, altes Inventar geklaut. Dann wurde das äußerlich schlichte Briesnitzer Gebäude (F. r.) aus dem Jahr 1900 saniert. Dabei kamen wunderschöne Bemalungen im Treppenhaus zum Vorschein. Besucherin Ursula M. (79, F. u.) begeistert: „In dem Haus lebte meine Großmutter! Als Kind war ich hier so oft. Es ist schön, es wieder zu sehen.“ Und die Enkelin wusste auch, was an den Bildern fehlt: „Die Haken, an denen Mäntel aufgehangen und ausgebürstet wurden.“

Italien am Elbhang

Edda Eckhold (52, F. r.)) und ihre Familie hatte Glück, als sie das Kleinod am Hang 2004 erwarb. „Die letzte Dame, die in diesem Haus wohnte, lebte ihr Leben lang darin. Nichts fehlte. Aber es war auch seit Jahren nichts mehr gemacht worden.“ Der Zahn der Zeit hatte an dem Gemäuer am Bodemerweg (Pillnitz) und der Fassade genagt. Heute erstrahlt die Villa wieder im typisch italienischen Stil und ist umgeben von einem schier verwunschenen Garten.

Fotos: Petra Hornig