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"Die Nacht, als das Feuer kam": Interview mit dem britischen Autor Sinclair McKay

"Die Alliierten wollten die Stadt durch einen Bombenangriff ins Chaos stürzen"

Der Bombenangriff auf Dresden jährt sich zum 75. Mal. In mehreren Angriffswellen am 13. und 14. Februar 1945 zerstörten zunächst Bombengeschwader der britischen Royal Air Force (RAF) unter dem Befehl des Oberkommandierenden Arthur Harris und folgend der United States Army Air Forces (USAAF) weite Teile der Stadt.

Von Guido Glaner

DRESDEN/LONDON - Der Bombenangriff auf Dresden jährt sich zum 75. Mal. In mehreren Angriffswellen am 13. und 14. Februar 1945 zerstörten zunächst Bombengeschwader der britischen Royal Air Force (RAF) unter dem Befehl des Oberkommandierenden Arthur Harris und folgend der United States Army Air Forces (USAAF) weite Teile der Stadt. Das Bombardement löste in Dresden einen Feuersturm aus. Die Forschungsliteratur spricht von bis zu 25 000 Todesopfern.

Der Autor: Sinclair McKay (53) lebt in London.
Der Autor: Sinclair McKay (53) lebt in London.

Der britische Literaturkritiker ("Telegraph", "Spectator") und Sachbuchautor Sinclair McKay (53) hat über den Angriff auf Dresden ein ungewöhnliches Buch geschrieben: "Die Nacht, als das Feuer kam" (Goldmann, 22 Euro). Als Berichterstatter und Reporter begibt er sich darin direkt ins Kampfgeschehen, ist er sozusagen mit dabei in den Bombern, die ihre tödliche Fracht über der Stadt abwerfen; mischt er sich unter die notleidende Bevölkerung, die verzweifelt versucht, dem Bombenhagel zu entgehen; ist er nah bei den Kriegsflüchtigen aus dem Osten auf der Flucht vor der Roten Armee oder bei den Kriegsgefangenen im Schlachthof. Dabei büßt er den distanzierenden Blick nie ein. McKay geht auf die Kriegspolitik der Alliierten und ihre Strategien ein, Hitler-Deutschland niederzuringen, und schildert den selbstzerstörerischen deutschen Abwehrkampf in der Schlussphase des Krieges. Er thematisiert auch die Bombardements auf Dresden vor und nach den Februar-Angriffen.

Tote wurden auf den Straßen gesammelt, anschließend verbrannt.
Tote wurden auf den Straßen gesammelt, anschließend verbrannt.

TAG24: Mr. McKay, seit dem Bombenangriff auf Dresden sind 75 Jahre vergangen. Was hat Sie bewogen, ein Buch darüber zu schreiben?

Sinclair McKay: Ein Grund war, dass ein Jahrestag wie der 75. eine wichtige Gelegenheit bietet, das Geschehene erneut zu reflektieren. Ein anderer, dass der Angriff auf Dresden die englische Fantasie von jeher beschäftigt. Das hat nie aufgehört. Dresden steht wie ein Sinnbild für die Schrecklichkeit des totalen Krieges. Bis heute gibt es in Großbritannien einen erbitterten Streit darüber, ob die Zerstörung der Stadt moralisch gerechtfertigt war. In dem Buch versuche ich, mich hineinzuversetzen in das Leben der Menschen in Dresden. Nicht nur, um das Grauen der Bombennacht aus ihren Augen zu sehen, sondern um zu verstehen, was sie ertrugen und wie sie es ertrugen.

TAG24: Welche Vorstellung hatten Sie zuvor von Dresden?

Mir war klar, dass Dresden eine Stadt von großer Schönheit war und immer noch ist, voller architektonischer Kostbarkeiten. So sehr ich mich für die Tragödie der Zerstörung interessierte, war ich begierig, mehr herauszufinden über die besonderen Werke aus Kunst und Musik, die Menschen durch viele Jahrhunderte inspiriert hat. Ich wollte mehr wissen über Berühmtheiten wie Caspar David Friedrich, Otto Dix oder Richard Strauss und über die großen Erfinder der Stadt und ihre Erfindungen, vom Porzellan bis zum Mundwasser. Es ist nicht möglich, Dresden zu verstehen, ohne sich Zeit zu nehmen, den wissensdurstigen, innovativen und schöpferischen Geist der Stadt zu erkunden.

TAG24: Wann waren Sie zum ersten Mal in der Stadt?

Das war 2018. Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt. Ich weiß noch, wie ich vom Flughafen mit dem Taxi in die Stadt fuhr, über die Marienbrücke, und wie mir die Moschee in den Blick kam. Die größte Moschee, die ich bis dahin gesehen hatte. Etwas später erfuhr ich, dass dieser verführerische Bau in Wirklichkeit eine Zigarettenfabrik war. Der erste richtige Eindruck, den ich gewann, war die Altstadt. Da empfand ich Ehrfurcht. Ich hatte eine eher düstere Stadt erwartet, doch was ich vorfand, war ein pulsierendes Gemeinwesen voller Lebensfreude, die Straßen erfüllt von Musik. Ab diesem Moment habe ich meine Familie und Freunde bedrängt, nach Dresden zu reisen. Meine Mutter liebt die Stadt.

TAG24: Wie oft kamen Sie während Ihrer Nachforschungen nach Dresden?

Sehr oft, aus dem einfachen Grund, dass Dresdens Geschichte so unerschöpflich ist und es viel zu lernen gibt, zum Beispiel im Stadtarchiv. Es ist fantastisch dort. Ich war auch in den Galerien und Museen. Und natürlich in den Straßen: Ich habe viel Zeit darauf verwendet, herumzuspazieren. Dabei habe ich manche reizvolle Entdeckung gemacht, zum Beispiel die Russisch-Orthodoxe Kirche. Die ist wunderschön. Trotzdem habe ich sie nie in irgendeinem Buch erwähnt gefunden.

TAG24: Welche Quellen haben Sie für Ihr Buch hauptsächlich studiert?

Es sind eine Vielzahl von Quellen, primäre wie sekundäre. Dabei war das Dresdner Stadtarchiv für mich am aufschlussreichsten. Es enthält viele Hundert Augenzeugenberichte von der Apokalypse - erschütternd, erschreckend, tief bewegend und quälend. Inmitten dieser Schilderungen fand ich versteckte kleine Details. Die geben eine Vorstellung davon, wie es bei den Leuten zu Hause ausgesehen hat, wie in den Straßen und wie es auf der Arbeit war. All das vermittelt einen Eindruck vom Leben der Menschen. Man bekommt auch ein Gefühl für die Atmosphäre in einer Stadt, in der es von Flüchtlingen und Soldaten nur so wimmelte. Dazu habe ich viele Memoiren und Biografien gelesen, außerdem Tagebücher von Kampffliegern der Royal Air Force sowie private Dokumente und Korrespondenz von hochrangigen britischen Persönlichkeiten, wie Lord Portal (*) und Arthur Harris.

Dresdens Altstadt ein Meer aus Schutt: Diese Aufnahme von Räumungsarbeiten entstand nach Ende des Krieges. Deutlich zu erkennen die Stümpfe der Frauenkirche.
Dresdens Altstadt ein Meer aus Schutt: Diese Aufnahme von Räumungsarbeiten entstand nach Ende des Krieges. Deutlich zu erkennen die Stümpfe der Frauenkirche.

TAG24: Ihr Buch ist nicht Geschichtswissenschaft, es ist auch kein Roman. Der deutsche Historiker Jörg Friedrich ist in seinem umstrittenen Buch „Der Brand“ nach einer ähnlichen Methode verfahren. War das Ihr Vorbild?

Ich habe „Der Brand“ gelesen. Es ist ein faszinierendes Buch, war aber kein Vorbild für mich. Ich bin einem Ansatz gefolgt, den ich schon in einem meiner vorherigen Bücher angewendet habe, das davon handelt, wie die Experten von Bletchey Park (**) den Enigma-Code der Nazis geknackt haben. Mit dem Buch wollte ich den Leser komplett in die Welt des Geheimdienstes eintauchen lassen, bis zur Musik, die dort gehört wurde. So habe ich auch das Dresden-Buch angelegt.

TAG24: Sie erzählen von der Bombardierung aus verschiedenen Perspektiven. Sie nehmen die Warte der Bomberpiloten ein, der Offiziere beider Seiten und ganz besonders der Dresdner, wie sie um ihr Leben bangen, rennen und kämpfen. Sie verfolgen den Weg vieler namentlich genannter Bürger durch die Nacht, darunter Persönlichkeiten wie der in der Stadt verbliebene jüdische Philologe Victor Klemperer und der Maler Otto Griebel. Dabei äußern Sie Empfindungen und Gedanken der Protagonisten, die nur aus deren Ich-Perspektive stammen können. Wie viel Fiktion steckt in dem Buch?

Ich habe nichts erfunden. Ich berichte ausnahmslos von Tatsachen. Die Details in Nahaufnahme aus dem Leben der Menschen stammen aus ihren eigenen Aufzeichnungen. Ich denke da an Professor Klemperer, dessen Tagebücher zu den großartigsten literarischen Zeugnissen gehören, die während des Krieges entstanden. Er hat seine schrecklichen Erlebnisse in aller Offenheit niedergeschrieben. Viele andere Dresdner haben das aus verschiedenen Blickwinkeln genauso getan. Was die Besatzung der Bomber angeht, haben viele Crewmitglieder erst nach dem Krieg aufgeschrieben, was sie bewegt. Sicher ist es so, dass Augenzeugenberichte und persönliche Erinnerungen zutiefst subjektiv sind. Nicht zwei Personen erinnern ein Geschehnis exakt in der gleichen Weise. Nichtsdestoweniger ist es wichtig, so viele dieser verschiedenen Stimmen zu hören wie möglich.

TAG24: Die Nazis und später die Kommunisten haben den Bombenangriff propagandistisch missbraucht. Die Opferzahl war übertrieben; es hieß, mit Dresden sei eine unschuldige Stadt und Kulturperle zerstört worden, die für das Kriegsgeschehen ohne Bedeutung gewesen sei. Wir wissen heute, dass das nicht stimmt. War Dresden ein legitimes Angriffsziel?

Das ist bis heute der bittere Kern der Debatte in Großbritannien: Die den Angriff verurteilen, machen geltend, dass Dresden keinerlei militärische Bedeutung hatte oder zumindest nicht genug, um zu rechtfertigen, die Stadt mit fast 1000 RAF-Bombern anzugreifen. Es waren mehrere Faktoren, die dazu beitrugen, dass die Stadt als Ziel ausgewählt wurde. Da waren die Truppenbewegungen und Materiallieferungen, die von Dresden aus an die Ostfront gingen; die Sowjets forderten, die Stadt zu bombardieren, um diese Aktivitäten zu behindern und die Versorgungskette für die Wehrmacht zu unterbrechen. Es kommt hinzu, dass viele der einst stolzen und innovativen Fabriken in Dresden mittlerweile kriegswichtige Güter produzierten. Solche Anlagen waren - wie viele andere in Deutschland - vorher schon als Angriffsziele ausgemacht worden. Dann gab es noch ein anderes Ziel, und das war nicht militärisch: die Tausenden von Flüchtlingen, die auf der Flucht vor der Roten Armee aus dem Osten nach Dresden drängten. Die Idee war, die Stadt durch einen Bombenangriff ins Chaos zu stürzen, um die Kriegswirtschaft zu beeinträchtigen. Dass auch Dresdner Einwohner bei einem solchen Angriff getroffen würden, wurde in Kauf genommen. Das sagt etwas aus über die Eiseskälte der britischen Befehlshaber in diesem Stadium des Krieges. Da war kein Gedanke an Rücksicht auf schutzlose Menschen.

Dresden im Bombenhagel: Fast 1000 britische Lancaster-Bomber werfen Spreng- und Brandbomben auf Dresden.
Dresden im Bombenhagel: Fast 1000 britische Lancaster-Bomber werfen Spreng- und Brandbomben auf Dresden.

TAG24: Mr. McKay, Sie erläutern in Ihrem Buch die unterschiedlichen Auffassungen in Großbritannien über die moralische Rechtfertigung des Bombenangriffs auf Dresden. Arthur Harris verteidigte ihn sein Leben lang als notwendig, den Krieg zu beenden. Kritiker klagen an, dass er ein nutzloses Massaker angerichtet hat zu einem Zeitpunkt, als Deutschland den Krieg schon verloren hatte. Selbst Premierminister Winston Churchill soll nicht wohl gewesen sein dabei. Welche Meinung gibt in Großbritannien aktuell den Ausschlag?

Sinclair McKay: Viele Menschen in meinem Land werten den Bombenangriff als Kriegsverbrechen. Das ist nicht neu. Noch vor dem Angriff auf Dresden hatten einflussreiche Briten gegen die Bombardierung deutscher Städte opponiert. Nach dem Angriff kam bei den Amerikanern Unruhe auf. Der US-Reporter Howard Cowan sprach von „Terror Bombing“. Die US-Behörden waren besorgt über die Wirkung dieser Worte, weil sie immer betont hatten, dass US-Verbände nur gezielte Luftschläge ausführen würden, um das Leben von Zivilisten zu schonen. Auf Seiten der Briten wurde der Angriff von den Zeitungen zunächst behandelt wie jeder andere: als Erfolg für die RAF. Später kamen Zweifel auf. Die erfassten selbst Winston Churchill. Er erwachte wie aus einem moralischen Fiebertraum. Er sandte ein Memo an Arthur Harris und das Luftfahrt-Ministerium, in dem er den Angriff einen „Terrorakt“ nannte. Er hat das Memo später widerrufen, aber von da an vermieden, Dresden nochmals zu erwähnen. Seine Mitarbeiter fragten Churchill, ob er und sie alle durch den Krieg zu Bestien geworden wären. Diese Frage ist nach wie vor offen.

TAG24: Was ist Ihre Meinung?

Der alliierte Bombenangriff war grauenvoll, das ist nicht zu bezweifeln. Eine barbarische Abscheulichkeit, die vielleicht auch einer Erschöpfung nach sechs Jahren des totalen Krieges zu schulden war. Die Dimension der Attacke auf Dresden hat etwas Irrationales. Es kann sein, dass sie ihrerseits eine Reaktion war auf die Irrationalität der Nazis und ihre absolute Entschlossenheit, nicht aufzugeben, ganz gleich was passierte – ein brutaler Ausdruck des Wunsches, den Krieg schnell und siegreich zu beenden. In der Folge hatte man keine Skrupel mehr. Im März 1945 überzogen die Amerikaner Tokio mit einem verheerenden Feuersturm. Die Zerstörung war so heftig, dass die Besatzungen der Bomber noch in großer Höhe gezwungen waren ihre Gesichter zu bedecken, um den Gestank verbrannten Menschenfleisches abzuhalten. Im August 1945 warf die US-Air Force Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Eine weit verbreitete Annahme heute besagt, dass auch die Bombardierung Dresdens in ihrer Hemmungslosigkeit dafür den Weg bereitet hat.

TAG24: War der Angriff auf Dresden ein Kriegsverbrechen?

Jeder Angriff solcher Art ist katastrophal. Das gilt auch für die Bombardements auf andere deutsche Städte zuvor. Wie wären die zu bewerten? Was ist mit Hamburg, Lübeck, Köln, Mannheim? Was ist mit Pforzheim, das im Verhältnis der Opfer zur Gesamtbevölkerung mehr gelitten hat als Dresden? Waren das alles Kriegsverbrechen? Ich habe folgende Bedenken: Sprechen wir von einem Kriegsverbrechen, müssen wir berücksichtigen, dass es sich dabei um einen rechtlich definierten Begriff handelt. Bringen wir ihn zur Anwendung im Fall der alliierten Bombenangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg, setzen wir diese mit den Verbrechen der Nazis gleich. Goebbels wollte es genauso verstanden wissen: dass die Alliierten in ihrem Blutdurst nicht besser waren als die Nazis. Wir kommen da in eine Grauzone, die gerne von der extremen Rechten vereinnahmt wird. Im Grundsätzlichen, meine ich, hilft uns das nicht, die Zeitgeschichte besser zu verstehen.

Die Stadt an ungezählten Stellen erleuchtet von Feuer und Explosionen: Diese Aufnahme wurde von einer an einem Bomber montierten Kamera "geschossen".
Die Stadt an ungezählten Stellen erleuchtet von Feuer und Explosionen: Diese Aufnahme wurde von einer an einem Bomber montierten Kamera "geschossen".

TAG24: Gibt es etwas, das Sie aus Ihrer Arbeit am Buch gelernt haben?

Vieles, beide Kriegsparteien betreffend. Ich fand es erstaunlich, wie groß die Widerständigkeit vieler Dresdner während und nach der Bombardierung war. Beim Lesen der oftmals sehr beklemmenden Augenzeugenberichte war ich verblüfft, welche Stärke der menschliche Geist in außergewöhnlichen Situationen entwickelt, wenn es darum geht, das eigene Leben zu retten. Das geht weit über den einfachen Überlebensinstinkt hinaus. Tief berührt hat mich, wie sehr die Dresdner während des Bombenangriffs nicht nur um sich selbst, sondern auch um ihre Mitmenschen besorgt waren. Bewegend fand ich aber auch die tiefe Nachdenklichkeit vieler RAF-Soldaten, die noch viel später im Leben immer wieder eingeholt wurden von dem, was sie gezwungen waren zu tun. Dabei ging es immer auch um die eigenen Ängste. Die Besatzungsmitglieder setzten bei jedem Einsatz ihr Leben aufs Spiel.

TAG24: Haben Sie eine Erkenntnis gewonnen, die Sie überrascht hat?

Überrascht wäre zu viel gesagt. Doch war ich beim Studium der Augenzeugenberichte bewegt von der stillen, entschlossenen Würde vieler Dresdner in der Zeit nach dem furchtbaren Angriff. Die Nazi-Größen Hans Nieland (***) und Martin Mutschmann (****) waren geflohen. Aber die ganz normalen Menschen, deren Familien oftmals auseinandergerissen worden waren, machten einfach weiter zwischen all den Ruinen in einer Stadt, die ein Leichenhaus war. Und Dresdens Künstler gingen unbeirrt wieder an die Arbeit. Irgendwie haben sie alle es geschafft, wieder ein ziviles Leben aufzubauen. Diese Menschen waren unbezwingbar.

TAG24: Ein Resümee: Was hat Sie am Ende der Recherche am meisten beeindruckt?

Wenn man in eine Geschichte eintaucht, die so düster ist wie diese, sind es die unerwarteten Momente des Lichts, die einen aufatmen lassen. Aus den Augenzeugenberichten und anderen Darstellungen geht hervor, wie selbstlos viele Menschen waren. Ich denke an die Dresdner Teenager, die Flüchtlinge zu ihren Unterkünften begleitet haben; an die junge Frau, die nach dem ersten Angriff ins Stadtzentrum eilen wollte, um zu helfen. Ich denke an die Ärzte und das medizinische Fachpersonal, die bei ihren Patienten blieben, obwohl Bomben fielen, und an die Feuerwehrleute, die tapfer gegen das Inferno ankämpften. Am meisten beeindruckt haben mich aber wohl jene unzähligen Dresdner, die nach der ersten Bombenattacke verschreckte Flüchtlinge und kleine Kinder aufnahmen. Auch am Beispiel Victor Klemperers zeigte sich Gutes. Er erlebte Schlimmes in der Nazizeit – von den vielen sorgfältig kalkulierten Grausamkeiten an ihm bis zur ständigen Drohung, deportiert zu werden -, doch hat auch er Großherzigkeit erfahren. Da steckte man ihm zum Beispiel bei der Essensausgabe eine Extraration zu. Inmitten all des Naziterrors gab es immer auch die Menschen, denen es schier das Herz zerriss, dass es so weit hatte kommen können, die sich bemühten, Leid zu lindern.

TAG24: Zum Ende geht Ihr Buch auf die heutige Situation in Dresden ein – den Wiederaufbau der Stadt, die Erinnerung an die Zerstörung, die Gefahr, die von den Rechtsextremen ausgeht. Was sehen Sie, wenn Sie auf das heutige Dresden schauen?

Ich bin sehr optimistisch. Dresden ist eine sehr herzliche, wunderbare Stadt, mit vorbildlicher Erinnerungskultur. Vergangenes Jahr war ich in Dresden und am 13. Februar dabei, als sich die Menschenkette bildete. Ich habe das Mauersberger-Requiem mit dem Kreuzchor erlebt, später am Abend den durchdringenden Klang der Kirchenglocken, dazu das Licht der brennenden Kerzen. Ich habe das als sehr ergreifend empfunden. Da war nirgendwo Raum für Rechtsradikale oder andere Extremisten. Und wird es auch nie sein. So weit ich es beurteilen kann, blickt Dresden auf seine Vergangenheit als ein organisches Ganzes. Das umfasst auch die Bauten der sozialistischen Architektur und die Frauenkirche, die ich sehr bewundere. Ich habe mir Zeit genommen, sie zu erkunden, und war fasziniert von ihrem Detailreichtum. Sie ist für mich ein Symbol des Sich-Erinnerns. Ein überwältigender Ort, offen für alle, ein Platz zu beten und zu singen. Die Frauenkirche ist von großer Würde. Sie verkörpert das große Selbstbewusstsein der Kunststadt, Dresdens Gütesiegel seit Jahrhunderten. Ich kann es kaum abwarten, wiederzukommen.

* Lord Charles Frederick Algernon Portal (1893 -1971) war Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte des Vereinigten Königreichs während des Zweiten Weltkriegs.

** Englischer Landsitz und nachrichtendienstliches Büro zur Dechiffrierung deutscher Militärkommunikation im Zweiten Weltkrieg.

*** Hans Nieland (1900-1976, NSDAP) war von 1940 bis 1945 Dresdner Oberbürgermeister.

**** Martin Mutschmann (1879-1947, NSDAP) war von 1925 bis 1945 Gauleiter von Sachsen.

Fotos: Liam Bergin, Archiv

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