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DIE PSYCHOLOGIE DER WEIHNACHTSTAGE

Ein kleiner Ratgeber über die schönsten, aber auch anstrengendsten Tag des Jahres. Wie Ihr Weihnachten doch noch entspannt geniessen könnt, erfahrt Ihr hier! Mehr im ARTIKEL

Deutschland - Weihnachten, das Fest der Liebe, der Harmonie, der friedvollen Familienzusammenkünfte. Ja, wir haben die TV-Werbespots alle gesehen, die ein Idealbild von Weihnachten vermitteln wollen, das in der dargereichten Form wohl nur schwer zu erreichen ist.

Was ja die Bezeichnung als „Ideal“ schon implizit klar macht. Im besten Fall ist ein Näherungswert möglich, aber selbst der kann unter den richtigen falschen Bedingungen noch recht weit weg sein von den Weihnachtswunderwelten des Emotional Storytelling. Andererseits, wer will schon ein Feiertags-Happy End mit einem Chaos Griswold’schen Ausmaßes erkaufen? Also besser schon im Vorfeld noch einmal die Geister vergangener Weihnachtsfeste konsultieren und damit die möglichen emotionalen und persönlichen Stolper- und Sprengfallen antizipieren. Weihnachten ist schließlich kein Spaß.

Die liebe Not mit der lieben Verwandtschaft I: Oh, kommet doch all!


















Weihnachten mit der
Familie könnte so schön sein… wenn da nicht immer die Familie wäre…
Weihnachten mit der Familie könnte so schön sein… wenn da nicht immer die Familie wäre…

Es ist nicht so, als würde die Aussicht darauf, Zeit mit der Familie zu verbringen, grundsätzlich und bei jedem Abscheu erwecken. Im Gegenteil ist es wohl für die meisten eine Selbstverständlichkeit, dass wenigstens an den besinnlichen Feiertagen möglichst alle Familienmitglieder beisammen sind – zumindest für alle diejenigen, die nicht schon Fluchtpläne geschmiedet haben, weil der Gedanke an die doch irgendwie auch verpflichtende Familienzeit doch eher ungute Gefühle weckt. Was ja ganz verschiedene Gründe haben kann, von denen eine (gefühlt) grässliche Verwandtschaft nur einer ist.

Allein mit der Familie

Singles beispielsweise bekommen durch die Feiertage womöglich nur einmal mehr mit aller lamettabehangenen Deutlichkeit vor Augen geführt, dass sie zwar Teil der Familie sind, aber eben auch so gar keine eigene haben – was im Prinzip in erster Linie ein Wahrnehmungsproblem ist, denn Weihnachten ohne Partner ist nicht gleichbedeutend mit Weihnachten allein. Wer allerdings empfindlich auf die meist ja gar nicht böse gemeinten (aber doch irgendwie schmerzhaften) Nachfragen reagiert, wann man denn auch mal jemanden mit zu den Weihnachtsfeierlichkeiten mitbringt, sollte vielleicht wirklich von einem Fest im Kreis der Familie verzichten.

In kleinen erträglichen Dosen

Was unter Umständen tatsächlich eine gute Lösung sein kann. Wie bei eigentlich allen Dingen im Leben (es mag allerdings Ausnahmen geben, das sei den persönlichen Vorlieben und Belastungsgrenzen jedes Einzelnen vorbehalten), sollte auch bei der Familienzeit ein gewisses Maß eingehalten werden. Um gesundheitliche Schädigungen gleich welcher Art möglichst zu vermeiden. Muss ja nicht gleich handgreiflich werden, aber das heißt eben auch nicht, dass psychische Gewalt weniger schmerzhaft ist

Und das Potenzial hierzu ist da, vergrößert durch eine Situation mit zu vielen Menschen auf zu wenig Raum, die sonst eigenständige Leben führen und sich nun doch miteinander arrangieren müssen. Das Ganze garniert mit gleichermaßen unterschiedlichen wie überzogenen Erwartungen an das Familienweihnachtsfest. Womit sich der Kreis wieder schließt und die besondere Tücke von Idealvorstellungen in ihrem ganzen Ausmaß deutlich wird.

Übrigens nicht nur ein Problem der gemeinsamen Zeit an sich, sondern schon der generalstabsmäßigen Organisation der Feiertage. Abhängig davon, wie verstreut die Verwandtschaft wohnt und wie viele Termine es deshalb einzuhalten gibt, wird aus Weihnachten unter dem Tannenbaum schnell ein Weihnachten unter dem Duftbaum. Im Auto. Kann auch entspannend sein, ist aber irgendwie auch nur bedingt weihnachtlich.

Die liebe Not mit der lieben Verwandtschaft II: Nur das traute, hochheilige Paar


















An den Feiertagen kann das
„Zu mir oder zu dir?“ ganz andere Dimensionen annehmen.
An den Feiertagen kann das „Zu mir oder zu dir?“ ganz andere Dimensionen annehmen.

Action-Film-Freunde und Fans von Samuel L. Jackson erinnern sich möglicherweise noch „Verhandlungssache“, einen nahezu klassischen Thriller der späten Neunziger. Okay, das ist jetzt eine möglicherweise irreführende Heranführung an das Thema, denn es geht nicht (jedenfalls nicht in erster Linie) um einen letztlich doch mit Waffengewalt ausgeführten Konflikt. Es geht auch nicht um Lug und Trug und verzweifelte Versuche, die eigene Reputation wiederherzustellen. Aber es geht immerhin um die fraglos nicht von der Hand zu weisende Schwierigkeit, die bereits angesprochene Organisation des Weihnachtsfestes innerhalb einer Partnerschaft zu verhandeln.

Zeit, erwachsen zu werden

Dass sich an dem mehr oder weniger vorhandenen Verhandlungsgeschick ablesen lässt, wie weit der Reifeprozess in Richtung Erwachsenen-Dasein vorangeschritten ist, macht die Thematik nur noch belastender. Dabei kann sich schon die Klärung eigentlich simpler Fragen wie „Wie feiern wir denn eigentlich Weihnachten?“ und/oder „Wo feiern wir denn eigentlich Weihnachten?“ eine ungemein große Herausforderung darstellen.

Gut, entscheidend bei den damit verbundenen Verhandlungen besteht jetzt nicht darin, ob man über den Punkt hinaus ist, an dem es noch eine anerkannte diplomatische Methode ist, sich schreienderweise auf den Boden zu werfen (obwohl es vermutlich trotzdem auf eine gewisse Reife hindeutet, dieses Mittel nur in allerhöchster Not zur Anwendung zu bringen).

Wie und Wo und die Frage der Diplomatie

Nein, tatsächlich spiegelt sich im Umgang mit den jeweiligen Wünschen der Partner zur Gestaltung der Feiertage vor allem der individuelle Abnabelungsprozess eine Rolle, was sich wiederum auf zwei Punkte ganz besonders auswirkt:

  • Das „Wie“, also Tannenbaum oder nicht, echter Baum oder künstlich, viel oder wenig Deko, kurz gesagt die üblichen Dinge, die im Grunde genommen das Weihnachtsfest nicht ausmachen, es aber am Ende doch tun, weil man so trefflich über sie streiten kann.
  • Das „Wo“, was in Anbetracht von drei Feiertagen eigentlich keine große Sache sein sollte, es aber aus verschiedenen Gründen doch wird. Etwa wenn das sorgsam aufgebaute System von Wechselbesuchen einmal nicht eingehalten und ein „Letztes Jahr waren wir aber nur bei deiner Familie“ zum KO-Argument werden kann.

Hierin ist in ausreichender Weise Konfliktpotenzial vorhanden, wenn dazu noch ein unvollständiger Loslösungsprozess von den Eltern dazu kommt... Es wäre übertrieben, in einem solchen Fall von einem Festtags-Super-GAU zu sprechen, aber es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass einer Beziehung – wenn auch vielleicht erst perspektivisch nach den Feiertagen – zu viel Rücksichtnahme auf die möglichen Befindlichkeiten oder Meinungen der Eltern durchaus schaden können. Schwierige Sache womöglich, aber nicht unlösbar.

Die Zeichen richtig deuten I: Geschenke aussuchen


















Was soll ich schenken?
Eine weitere Gelegenheit, bei der Nachdenken vor dem Handeln kein Nachteil ist.
Was soll ich schenken? Eine weitere Gelegenheit, bei der Nachdenken vor dem Handeln kein Nachteil ist.

Nehmen wir einmal wohlwollend an, die Zeit mit der Familie ist während der Weihnachtstage nicht furchtbar und es konnte eine Lösung für die Frage nach dem „Wo“ gefunden werden, die für keinen nach faulem Kompromiss stinkt und die den Reise- und Terminstress auf ein notwendiges Minimum reduziert. Beim Essen gibt es keine Pannen (oder wenigstens keine, die das geplante Festmahl vollständig ungenießbar machen), der Weihnachtsbaum steht gerade und es entzündet sich weder ein Streit noch die Dekoration. Dann wären zumindest annehmbare Grundvoraussetzungen geschaffen. Jetzt läuft so ein Weihnachtsfest für gewöhnlich aber nicht ohne Bescherung ab – das Öffnen der Geschenke kann zum dramatischen Wendepunkt einer bis dahin wirklich beschaulichen und gemütlichen Feier werden.

Nachdenken, nachdenken, nachdenken

Und ja, niemand wird jemals behaupten, ein passendes Geschenk zu finden sei eine einfache Aufgabe. Nein, das ist gelogen. Es gibt genug Leute, die genau das behaupten. Das macht es aber nicht wahrer. Tatsächlich ist die Geschenkesuche – ganz ohne Übertreibung übrigens – eine höchst komplexe Angelegenheit: Erwartungen müssen berücksichtigt werden und zwar nicht nur die der zu beschenkenden Person, sondern auch die eigenen. Wer nicht gedankenlos irgendwas schenken und damit die Enttäuschung schon im Vorfeld von einer Wahrscheinlichkeit in die fast sichere Nähe der Gewissheit verschieben möchte, wird sich doch fragen, was das eigene Geschenk aussagen soll.

Das erfordert ein wenig mehr Einsatz, bewahrt aber vor ganz klassischen Fehlgriffen und rettet damit nicht nur das Fest, sondern vielleicht sogar gleich noch die Beziehung. Um der Wahrheit die Ehre zu geben – der Druck erhöht sich dabei ganz enorm. Denn die üblichen Fragen, die beim Aussuchen eines wirklich passenden Geschenks, relevant sind, betreffen eher weniger euren eigenen Geschmack.

Empathie geht auch für Männer

Was viele Männer jetzt vielleicht erschreckt – hier müsst ihr euch von eurer empathischsten Seite zeigen. Was übersetzt bedeutet, sich in die Partnerin hineinzuversetzen und ihre Persönlichkeit, ihre Vorlieben und ihre Abneigungen zu berücksichtigen. Das Stichwort lautet Feinfühligkeit und auch wenn viele angesichts dieser Offenbarung spontan die Gesichtsfarbe verlieren – entweder weil der Gedanke an die eigenen Feinfühligkeit so erschreckend oder weil die Geschenke der letzten Jahre plötzlich in einem gänzlich anderen Licht erscheinen –, ist es eine Notwendigkeit.

Das ist immer noch keine Sicherheitsgarantie, liefert aber im Zweifelsfall einen überzeugenden argumentativen Unterbau für die Rechtfertigung eures Geschenks. Nebenbei schadet es auch nicht, euer Präsent ausnahmsweise einmal ordentlich zu verpacken und zwar höchstpersönlich. Es sind eben die kleinen Dinge, mit denen Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden kann. Dennoch ein kurzer Warnhinweis: Ganz egal wie liebevoll ihr geschmacklose Geschenke einpackt – in solchen Fällen wird euch auch kunstvollstes Eindrapieren nicht vor der zu erwartenden unerfreulichen Reaktion retten.

Die Zeichen richtig deuten II: Reaktionen auf Geschenke


















Auch ohne
Psychologie-Studium dürfte diese Reaktion als nicht sonderlich erfreut
eingeschätzt werden.
Auch ohne Psychologie-Studium dürfte diese Reaktion als nicht sonderlich erfreut eingeschätzt werden.

Apropos Reaktion. Der eine oder andere kennt möglicherweise noch die Werbespots, in denen die Vorgabe bei der Geschenkauswahl die gewünschte Reaktion der Partnerin ist. Da geht es um bebende Lippen, feuchtglänzende Augen und ungläubiges Wimpernklimpern (vor Freude wohlgemerkt!). Wäre natürlich praktisch, sollte das wirklich funktionieren.

Zwischen Vortäuschung und Erkenntnis

In der Realität sieht die Sache meistens anders aus und die Reaktion ist deutlich schwerer in der gewollten Weise zu steuern – oder überhaupt richtig zu erkennen. Jedenfalls aus Perspektive des Schenkenden. Umgekehrt sieht das schon wieder ganz anders aus, da ist eine gewisse Steuerung der Gefühle beim Auspacken der Geschenke manchmal sogar im Bereich des Unumgänglichen liegt. Schließlich gehört wenigstens Dank zu den Erwartungen auf Seiten des Geschenkeüberbringers, also wird eine gewisse Enttäuschung sicherheitshalber auch mal weggelächelt.

Das ist für beide Seiten keine richtig befriedigende Lösung, was dann automatisch zum vorherigen Kapitel zurückführt. Wollt ihr echte Freude über die von euch sorgsam ausgesuchten Geschenke sehen – strengt

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