Die Wahrheit über den Dresdner Drogen-Anstieg

Hält nichts von Schock-Bildern gegen Crystal-Konsum, aber viel von klarer Warnung: Kristin Ferse, Suchtbeauftragter der Stadt Dresden.
Hält nichts von Schock-Bildern gegen Crystal-Konsum, aber viel von klarer Warnung: Kristin Ferse, Suchtbeauftragter der Stadt Dresden.

Von Dominik Brüggemann

Dresden - Häufigere Frühgeburten, kleinere Köpfe und Untergewicht: Der steigende Crystal-Konsum in Dresden wirkt sich sogar auf die Kleinsten aus. Das berichtet Jürgen Dinger von der Uniklinik. Der Mediziner behandelt täglich die Konsequenzen der schlimmen Droge.

Seit 2007 bis heute habe sich die Anzahl von schwangeren Abhängigen versechsfacht, sagt er. Auch das Rathaus ist alarmiert. Denn abhängige Eltern im Haushalt befördern langfristig einen Teufelskreislauf:

„60 Prozent der Kinder haben später psychische Probleme oder eine Suchterkrankung“, weiß Anja Maaz, Mitarbeiterin der Suchtbeauftragten der Stadt Dresden, Kristin Ferse.

Das Einstiegsalter bei Jugendlichen für illegale Drogen sei ohnehin niedrig. „Das geht ab der achten Schulklasse los, und die möglichen Hirnschäden in diesem Lebensabschnitt sind noch gravierender“, so Ferse selbst.

Grafik von MOPO24.
Grafik von MOPO24.

Daher verteidigt sie auch die jüngst in die Kritik geratene Plakatkampagne gegen Crystal-Konsum. „Wir wollen bewusst das Klischee der glücklichen Familie bedienen. Ansonsten würden sich Betroffene nicht angesprochen fühlen“, so ihr Argument.

Schockbilder würden niemandem helfen, stattdessen eher die Scham, über die eigene Sucht zu sprechen weiter erhöhen. Dinger pflichtet ihr bei: "Zähne fallen nur wenigen Betroffenen aus. Und zu den Abhängigen gehören Menschen aus jeder Berufsschicht."

Traurige Bilanz des bislang unveröffentlichten neuen Suchtberichts: Die Anzahl der Klienten, die in den sechs Dresdner Suchtberatungs- und Behandlungsstellen Hilfe suchen, ist im Vergleich zum Vorjahr erneut um sieben Prozent angestiegen.

"Wir können von Tausenden Crystal-Dosen pro Woche ausgehen, die in der Stadt konsumiert werden", schätzt Dinger ein. "Der Dreck ist billiger und leichter zu beschaffen", ordnet er den Konsumwandel in der Szene ein.

Für Ferse steht bei der Suchtprävention auch ein weiteres Thema im Fokus: "Crystal ist schlimm, aber der selbstverständliche Alkoholkonsum ist in der gesellschaftlichen Breite noch schlimmer".

Foto: Steffen Füssel


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