Deutsche Doku belegt: Darum müssen wir unsere Wiesen dringend retten!

Deutschland - So müssen Naturdokumentationen gemacht sein! "Die Wiese - Ein Paradies nebenan" vom versierten Regisseur Jan Haft (Das grüne Wunder - Unser Wald, Wildes Deutschland - Der Chiemsee, Das Kornfeld - Dschungel für einen Sommer) ist ein extrem wichtiger Beitrag zum Erhalt deutscher Wiesen.

Wiesen beherbergen ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten Deutschlands.
Wiesen beherbergen ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten Deutschlands.  © PR/nautilusfilm-polyband

Denn die Artenvielfalt auf einer Wiese ist riesig. Tausende verschiedene Pflanzen- und Tierarten leben hier eng verzahnt miteinander und sorgen dank eines komplexen Ökosystems für den ständigen Erhalt dieses Paradieses nebenan.

Doch immer mehr Blumenwiesen verschwinden. Seit 1990 wurden mehr als 600.000 Hektar Grünland in Ackerland umgewandelt!

Das hat für die Natur und die Umwelt verheerende Folgen. Denn eine Wiese wirft zwar finanziell keinen Gewinn ab, ist aber als großer Kohlendioxidspeicher enorm wichtig für das Klima, sieht dazu wunderschön aus und hat dank der Sangesvielfalt der Vögel eine beruhigende Wirkung auf viele Menschen. Dazu kommt gerade im Frühling und Sommer eine unglaubliche Farbenpracht.

Dennoch entscheiden sich Bauern und Landwirte immer öfter für Ackerland, wo sie dann staatlich subventionierte Energiepflanzen wie Mais anbauen können.

Das wiederum hat schwerwiegende Folgen, die sich durch den übermäßigen Einsatz von Kunstdünger und Gülle noch verstärken. Viele Pflanzen- und Tierarten, die keine hohe Widerstandsfähigkeit haben, sterben oder werden vertrieben. Dazu gelangt all der Abfall irgendwann ins Grundwasser...

Auch viele verschiedene Grashüpfer-Arten leben auf den Wiesen des Landes.
Auch viele verschiedene Grashüpfer-Arten leben auf den Wiesen des Landes.  © PR/nautilusfilm-polyband

Diese bedenklich stimmende Geschichte hat der mit mehr als 220 Preisen ausgezeichnete Haft herausragend gut umgesetzt.

Denn ihm gelingt das Kunststück, auf der einen Seite zwar klar Stellung zu beziehen, die Dinge und Argumente auf der anderen Seite aber auch objektiv zu betrachten und mit gesundem Menschenverstand einzuordnen.

Das ist eine schwer zu meisternde Gratwanderung, die dem erfahrenen Regisseur, der bereits mehr als 70 Naturfilme realisierte, auf großartige Weise gelingt.

So hält er mit "Die Wiese" ein flammendes Plädoyer für den Erhalt des heimischen Biotops und gegen die Agrarpolitik der Europäischen Union, die sich dringend ändern muss.

Schließlich ist kein anderer heimischer Lebensraum dem Verschwinden so nahe wie die Blumenwiese.

Dennoch macht Haft auch den einzelnen Landwirten, die oft am Existenzminimum leben, keinen Vorwurf, sondern beleuchtet deren durchaus nachvollziehbare Motive.

Rehkitze werden von ihrer Mutter oft im tiefen Gras einer Wiese versteckt, wo es für Feinde nahezu nicht auszumachen ist. (Bildmontage)
Rehkitze werden von ihrer Mutter oft im tiefen Gras einer Wiese versteckt, wo es für Feinde nahezu nicht auszumachen ist. (Bildmontage)  © PR/nautilusfilm-polyband

Doch vor allem fängt er mit neuster Kameratechnik und wunderschönen, verschiedenartigen Aufnahmen die Magie einer Wiese ein und macht klar, was für ein spannender, ganz eigener Kosmos das ist.

Aufgrund dieser vielen Stärken sieht man auch gerne über die an einigen Stellen etwas zu suggestiv einsetzende Musikuntermalung und den teilweise ein wenig zu vermenschlichenden Kommentar hinweg.

Haft gelingt es auch, keinen großspurigen Film zu machen, sondern über die gut in die Dramaturgie eingearbeiteten Fakten zu alarmieren: So belegen amtliche Zahlen einen Rückgang der Blumenwiesen um 98 Prozent!

Dafür ist neben den bereits erwähnten Ursachen auch das häufige Mähen verantwortlich, das den meisten Tieren und Pflanzen keine Chance lässt.

"Ein Paradies nebenan" ist jedoch keineswegs ein negatives oder hoffnungsloses Werk. Stattdessen gibt es viele lebensbejahende Momente, etwa, wenn die Zwillingsgeburt von Rehkitzen gefilmt wird.

Dazu werden viele der mehr oder weniger gut bekannten Wiesenbewohner vorgestellt. Der Aufwand, der hinter alldem steckt, ist schon im Kinosaal zu erkennen, die Zahlen belegen zusätzlich, wie intensiv am perfekten Ergebnis gearbeitet wurde: Über drei Jahre hinweg wurde an 300 Tagen gedreht und 250 Stunden Filmmaterial aufgezeichnet.

So ist "Die Wiese - Ein Paradies" eine großartige Naturdokumentation von Jan Haft, die sich aufgrund ihrer Ausgewogenheit, Geschichte und Technik auch vor den BBC-Earth-Größen nicht verstecken muss. Unbedingt sehenswert!

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