"Die Wütenden - Les Miserables" ist ein brachialer Ghettofilm! Polizei in arger Bedrängnis

Deutschland - Was für ein intensives Filmerlebnis! Der französische "Oscar"-Kandidat "Die Wütenden - Les Miserables" startet am 23. Januar in den deutschen Kinos und reißt mit seiner heftigen Geschichte mit.

Ghetto-Artwork: Polizist Gwada (Djebril Zonga) kennt sich in Clichy-Montfermeil bestens aus: Denn er ist in diesem brodelnden sozialen Pulverfass aufgewachsen.
Ghetto-Artwork: Polizist Gwada (Djebril Zonga) kennt sich in Clichy-Montfermeil bestens aus: Denn er ist in diesem brodelnden sozialen Pulverfass aufgewachsen.  © PR/WILD BUNCH GERMANY

Nach dem Sieg der französischen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2018 war noch alles gut. Das Land schwappte vor Begeisterung über, die Alltagsprobleme waren kurzzeitig vergessen.

Monate später sind sie allerdings wieder da. Das muss auch Stephane Ruiz (Damien Bonnard) erfahren. Der Polizeimeister kam aus dem verschlafenen Cherbourg-Octeville ins Brennpunktviertel Clichy-Montfermeil, das 20 Kilometer östlich von Paris liegt.

Dort, rund um die berüchtigten Plattenbauten von Les Bosquets, wird er der BAC-Sondereinheit ("Brigade Anti-Commando") von Chris (Alexis Manetti) und Gwada (Djebril Zonga) zugeteilt, die nun zu dritt das allgegenwärtige Verbrechen bekämpfen- oder zumindest kontrollieren sollen.

Die zwei haben gemeinsam schon viel erlebt und durchlitten, während das Ghetto für Stephane Neuland ist. Doch er merkt schnell, was für ein Pulverfass es ist.

Denn als der kleine Junge Issa (Issa Perica) den "Zigeunern" um Oberhaupt Zorro (Raymond Lopez) ein Löwenjunges klaut, tauchen die finsteren Gang-Gestalten wütend beim "Bürgermeister" (Steve Tientcheu) und dessen Leuten auf.

Die Cops können vermitteln, haben aber nur 24 Stunden Zeit, bis es zur Eskalation kommt. Denn bis dahin will der Clan-Chef sein Tier wiederhaben. Geschieht das nicht, wird er mit seinen Leuten einen Krieg unter den Crime Lords starten ...

"Die Wütenden - Les Miserables" ist eine bedeutungsvolle Milieustudie, die den Zeitgeist trifft

Dem Clan der "Zigeuner" wurde ein Löwenbaby gestohlen. Wird es ihnen nicht innerhalb von 24 Stunden zurückgebracht, wollen sie einen Krieg anzetteln.
Dem Clan der "Zigeuner" wurde ein Löwenbaby gestohlen. Wird es ihnen nicht innerhalb von 24 Stunden zurückgebracht, wollen sie einen Krieg anzetteln.  © PR/WILD BUNCH GERMANY

Diese hochgradig spannende Geschichte hat Regisseur Ladi Ly (Dokumentarfilme "365 Tage in Clichy-Montfermeil" und "365 Tage in Mali") bei seinem Spielfilmdebüt genial umgesetzt.

Dem selbst in Montfermeil aufgewachsenen Malier ist anhand eines expliziten Beispiels eine tiefschürfende Milieustudie über den komplexen Zustand der französischen Vorstädte gelungen.

Er beschönigt dabei nichts und sorgt so für eine authentische Inszenierung, was auch daran liegt, dass er einen neutralen Standpunkt einnimmt.

Dabei zeigt er die Probleme in einem solch vielfältigen Banlieue deutlich auf. Natürlich spielt hier auch der Kreislauf der allgegenwärtigen Gewalt und Kriminalität eine entscheidende Rolle.

So schikaniert Chris beispielsweise bei einer Routine-Kontrolle drei jugendliche Mädchen und belästigt sie dabei auch sexuell.

Anhand dieser Szene wird früh deutlich: Er und auch Gwada haben sich über die Jahre an die ganz eigenen, brutalen Regeln im Ghetto angepasst und gehen entsprechend rabiat vor, um sich Respekt oder besser Angst zu verschaffen.

Das entsetzt zu Beginn nicht nur Stephane, sondern auch die Zuschauer. Denn mit welcher Härte die Cops vorgehen, teilweise auch gezwungenermaßen, ist heftig. Und dennoch nachvollziehbar.

"Die Wütenden - Les Miserables" ist eines der intensivsten Kino-Erlebnisse der letzten Jahre!

Der selbsternannte "Bürgermeister" (Steve Tientcheu) von Clichy-Montfermeil sorgt mithilfe der Cops und anderer Gangs dafür, dass es im Viertel halbwegs geregelt abläuft. Doch die Lage droht zu eskalieren...
Der selbsternannte "Bürgermeister" (Steve Tientcheu) von Clichy-Montfermeil sorgt mithilfe der Cops und anderer Gangs dafür, dass es im Viertel halbwegs geregelt abläuft. Doch die Lage droht zu eskalieren...  © PR/WILD BUNCH GERMANY

Denn wenn ein kleiner Junge das Polizeiauto bewirft und die "Kopf ab"-Geste in Richtung der Gesetzeshüter macht, wird deutlich: Sie sind das Feindbild vieler Menschen in Montfermeil.

Um sich zu behaupten, müssen sie Stärke zeigen. Doch genau diese Schikane verstärkt den Hass nur noch. Zeigen sie nur die kleinste Schwäche, sind sie geliefert, das ist die Erfahrung von Chris und Gwada.

Stephane setzt mehr auf Vermittlung und Polizeiarbeit, die sich an den Vorschriften orientiert. All diese vielschichtigen Facetten seiner Heimat und noch viele mehr hat Ly faszinierend herausgearbeitet.

So stellt er auch seine Charaktere wertungsfrei dar. Alle haben ihre Vorzüge und Nachteile. Er erliegt also nicht der Versuchung, einen Film für oder gegen Polizisten zu drehen, sondern erschafft ein umfassendes Meisterwerk.

In 102 Minuten liefert er eines der spannendsten Sozialdramen der letzten Jahre ab, eine hochintensive Tour de Ghetto, die hinsichtlich ihrer schockierenden Machart an den US-Thriller "End of Watch" (2012) mit Jake Gyllenhaal und Michael Pena erinnert und auch Parallelen zu "Hass - La Haine" (1995) aufweist.

Qualitativ ist der Film also über jeden Zweifel erhaben. Atemlos betrachtet man das Geschehen und die fatalen Auswirkungen kleiner Fehler, durch die sich die Lage für alle Beteiligten immer mehr zuspitzt.

Regisseur Ladi Ly erschafft mit "Die Wütenden - Les Miserables" ein Meisterwerk

...weil Issa (Zweiter von rechts, Issa Perica) das Löwenjunge von Zorro (Raymond Lopez) gestohlen hat.
...weil Issa (Zweiter von rechts, Issa Perica) das Löwenjunge von Zorro (Raymond Lopez) gestohlen hat.

Daran hat auch das hohe Erzähltempo seinen Anteil. Ly gelingt der schwierige Balanceakt, einerseits einen rasanten Trip zu erschaffen und andererseits viele kluge Sequenzen einzubauen, die die Story vorantreiben und die sozialen Missstände verdeutlichen.

Denn das ist auch der Kern der Geschichte. Wie wütend die Jugend ist, in Armut zu leben, außerhalb von Kriminalität nur wenig Chancen auf ein besseres Leben zu haben, abgestempelt und von Vorurteilen geprägt behandelt zu werden.

Allgemein spricht Ly viele offensichtliche Sozialprobleme wie Alltagsrassismus und schwer zu kontrollierende Parallelgesellschaften an.

Mit Leben gefüllt wird "Die Wütenden" erst von dem brillanten Cast. Einige der Schauspieler sind Laien, die tatsächlich "auf der Straße gefunden" wurden, wie Ly im Presseheft zitiert wird.

Sie sorgen in Verbindung mit der dynamischen Kameraführung, die die pulsierende Stimmung des Films noch verstärkt, den authentischen Locations, den ausgefeilten Dialogen und der brachialen Action-Choreografie für Gänsehaut-Atmosphäre, weshalb diese preisgekrönte Filmperle ein absoluter Pflichttermin im Kino ist!

Einer der berühmt-berüchtigten Plattenbauten von Clichy-Montfermeil. Hier begannen 2005 die heftigen Unruhen, die Paris erschütterten und in der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgten.
Einer der berühmt-berüchtigten Plattenbauten von Clichy-Montfermeil. Hier begannen 2005 die heftigen Unruhen, die Paris erschütterten und in der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgten.  © PR/WILD BUNCH GERMANY
Die BAC-Spezialeinheit der französischen Polizei um Stephane Ruiz (l., Damien Bonnard), Chris (M., Alexis Manetti) und Gwada (Djebril Zonga) hat alle Hände voll damit zu tun, sich in Clichy-Montfermeil zu behaupten.
Die BAC-Spezialeinheit der französischen Polizei um Stephane Ruiz (l., Damien Bonnard), Chris (M., Alexis Manetti) und Gwada (Djebril Zonga) hat alle Hände voll damit zu tun, sich in Clichy-Montfermeil zu behaupten.
Auch die Muslimbruderschaft hat im Viertel viel Einfluss.
Auch die Muslimbruderschaft hat im Viertel viel Einfluss.  © PR/WILD BUNCH GERMANY

Mehr zum Thema Kino & Film News:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0