Das Chemnitzer Viadukt wird abgerissen!

Das Chemnitzer Viadukt soll abgerissen werden.
Das Chemnitzer Viadukt soll abgerissen werden.

Chemnitz - Die Tage des Chemnitztal-Viadukts sind gezählt. Die DB Netz AG will die Brücke abreißen. „Nach Abwägen aller Faktoren haben wir so entschieden“, so Ingo Buhlke (48), Leiter Großprojekte.

Noch in diesem Jahr will die Bahn Baurecht beantragen. Ob sie es erhält, ist offen.

Nach Kritik an den Abrissplänen aus Stadtrat und Bürgerschaft hatte die Bahn zwei neue Gutachten in Auftrag gegeben.

„Die Kosten für eine Sanierung würden sich auf rund 20 Millionen Euro belaufen“, sagte Ralf Jung vom Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner, das eine Sanierung zu bewerten hatte. Jung bestätigte damit bisherige Kostenschätzungen, schloss aber nicht aus, dass eine Sanierung bis zu 20 Prozent günstiger ausfallen könnte.

Der Neubau würde rund 12,8 Millionen Euro zu Buche schlagen, ergab das zweite neue Gutachten der SSF Ingenieure AG. Das sind 500.000 Euro mehr als bislang angenommen. „Wir haben den Preis für den Beton nach oben korrigiert“, sagte Holger Knippschild (42).

So soll die neue Brücke aussehen.
So soll die neue Brücke aussehen.

Die Deutsche Bahn rechnet für das Viadukt 2018 mit dem Baurecht, Baustart soll 2019 sein. „Aber der Prozess der öffentlichen Beteiligung ist nicht beendet“, so Ingo Buhlke von der Bahn.

Im Planrechtsverfahrens kann die Öffentlichkeit Einwände geltend machen. Was sie wohl auch wird. „Wir hatten uns im Planungsausschuss für den Erhalt des Viadukts ausgesprochen“, so Stadtrat Dieter Füsslein (75, FDP).

Auch viele Zuhörer kritisierten gestern Abend auf einer Informationsveranstaltung in der TU die Entscheidung.

Zwischen Chemnitzer Hauptbahnhof und Kappel sollen fünf Brücken, darunter auch das Viadukt, erneuert werden. Außerdem werden die Haltepunkte Süd und Mitte neu errichtet.

Die 2,8 Kilometer lange Chemnitzer Bogen ist Teil der Modernisierung der 554 Kilometer langen Sachsen-Franken-Magistrale. Auf der befinden sich rund 300 Eisenbahnbrücken. Zwei Drittel davon seien erneuert worden, ein Drittel, darunter die unter Denkmalschutz stehende Göltzschtalbrücke, wurden laut DB Netz AG saniert.

Die Reisezeit auf der Sachsen-Franken-Magistrale soll zwischen Dresden und Hof von dreieinhalb auf zweieinhalb Stunden. Bis dahin werden zwei Milliarden Euro verbaut. Die Bahn rechnet mit dem Abschluss der Arbeiten im Jahr 2025.

Eine Anbindung der Messe, wie von FDP und CDU seit Jahren gefordert, ist nicht Teil des Bahn-Projekts. Die Verlegung des Haltepunktes Schönau muss die Stadt aus eigener Tasche finanzieren, ergab eine Anfrage von Stadträtin Solveig Kempe (34, CDU): „Der VMS lehnt den Bau ab. Durch Investitionen ins Chemnitzer Modell bestünden weder personelle noch finanzielle Kapazitäten.“

Fotos: Sven Gleisberg, Sven Simon/dpa, Maik Börner


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