Nach 19 Jahren: Kunstdieb gibt Dresden-Statue zurück

Witwe Barbara Landgraf (83) und Christian Gebhardt (68) blicken auf den liegenden Jüngling.
Witwe Barbara Landgraf (83) und Christian Gebhardt (68) blicken auf den liegenden Jüngling.

Von Jörg Schneider

Dresden - Manch einer braucht Zeit, um zur Besinnung zu kommen, mancher kommt nie dahin: Der Dieb einer Bronzeplastik in Dresden brauchte 20 Jahre!

Jetzt gab er unter dem Mantel der Verschwiegenheit die 1996 aus der Gartenanlage hinterm Hotel Königstein an der Prager Straße gestohlene Figur „Stehender Jüngling“ von Wilhelm Landgraf (1913-1998) an die Stadt zurück - die MOPO24 machte es möglich.

Im Frühjahr hatte der Täter einen ersten Kontakt zur Kulturredaktion der Zeitung aufgenommen. Er bereue seine Tat und wolle den Schaden, so weit es geht, wieder gutmachen.

Seine Vorstellung: Übergabe der Plastik an einen Redakteur unter Wahrung der eigenen Anonymität. Letztlich machte sich dafür jedoch anwaltliche Begleitung notwendig. Der entsprechende Termin kam am Montag zustande.

MOPO24-Redakteur Jörg Schneider im Gespräch mit Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38) und Künstlerwitwe Barbara Landgraf (83).
MOPO24-Redakteur Jörg Schneider im Gespräch mit Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (38) und Künstlerwitwe Barbara Landgraf (83).

„Handtuchhalter“ im Bad des Diebes

Im Beisein seiner Anwältin brachte der sympathisch wirkende Mittvierziger aus Dresden die zwei Zentner schwere, 170 Zentimeter große, in Blasenfolie und Decken eingewickelte Bronzefigur an einen vereinbarten Ort. Ein Blick unter die Decke am Kopfende schuf Gewissheit: Der stehende Jüngling - er ist es.

Drei Personen waren nötig, um den Koloss von einem Auto ins andere zu hieven. "Wie wir das vor zwanzig Jahren zu zweit in einem Anflug von jugendlichem Größenwahn bewerkstelligt haben, ist mir heute selbst ein Rätsel", sagt der Anonymus.

Anfangs hatte er das gute Stück als "Handtuchhalter" im Bad stehen, später im Dunkel des Kellers dem Vergessen anheimgestellt. Doch das schlechte Gewissen - es nagte.

"Wir finden einen würdigen Platz"

Annekatrin Klepsch (38) freut sich über den Jüngling.
Annekatrin Klepsch (38) freut sich über den Jüngling.

Mit einem Kontakt zum Dresdner Kulturamt wurde schließlich auch die Übernahme in den Fundus städtischer Kunst im öffentlichen Raum kurzfristig ermöglicht.

Im sogenannten Lapidarium an der Nürnberger Straße war neben der neuen Kulturbürgemeisterin Annekatrin Klepsch (38) auch die Witwe des Künstlers, Barbara Landgraf (83), anwesend.

"Es ist ein kleines Wunder", freute sich die alte Dame über die unversehrt zurückgekehrte Arbeit ihres Mannes. Dass so etwas passiert, ist äußerst selten. "Ich kann mich nicht an Vergleichbares erinnern", sagt Lapidariums-Sachbearbeiter Gerd Pfitzner (58).

An der Stadt ist es nun, in geeigneter Weise mit der Rückgabe umzugehen. "Zunächst werden sich wohl die Fachleute mit dem Kunstwerk befassen, aber zum 20. Todestag von Wilhelm Landgraf sollten wir dafür einen würdigen Platz in der Stadt gefunden haben", sagt Annekatrin Klepsch.

Der "stehende Jüngling" in den 60er Jahren an der Prager Straße.
Der "stehende Jüngling" in den 60er Jahren an der Prager Straße.

Fotos: Petra Hornig Video: Markus Weinberg


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