Fußballdoku belegt: So hart war die Zeit in Neapel für "Diego Maradona"!

Dresden - Für Fußballfans ein Muss! Der Dokumentarfilm "Diego Maradona" vom "Oscar"-prämierten Regisseur Asif Kapadia ("Amy - The Girl Behind the Name", "Senna") ist ein intimes Portrait der Hand Gottes, das ab dem 5. September in den deutschen Kinos läuft.

Diego Armando Maradona kämpfte sich von ganz unten an die Spitze des Weltfußballs. Umso tiefer war sein Fall.
Diego Armando Maradona kämpfte sich von ganz unten an die Spitze des Weltfußballs. Umso tiefer war sein Fall.  © PR/Meazza Sambucetti/​AP/​Shutterstock/DCM

Mit Diego Armando Maradona steht einer der besten, für viele sogar DER beste Fußballspieler aller Zeiten im Fokus.

Er erklomm die Spitze dieser Sportart, wie nur wenige andere es vor und nach ihm getan hatten und haben.

Diesen beeindruckenden Weg zeichnet Kapadia großartig nach. Die Archivbilder seiner Vorstellung in Neapel beim SSC sorgen ebenso für Gänsehaut-Atmosphäre, wie die berühmten Fußballspiele und Tore Maradonas, die hier ebenfalls gezeigt werden und sich fließend in den Film einfügen.

Zudem gelingt es der Doku, die krassen Kontraste im Leben der Legende aufzuzeigen. Denn Diego Armando war der erste Sohn des schwer schuftenden Fabrikarbeiters Diego Maradona Senior († 2015) und seiner Frau Dalma Salvadore Franco († 2011).

Er wurde am 30. Oktober 1960 in Lanús geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Villa Fiorito, einem Elendsviertel am südlichen Stadtrand der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires auf.

Dank seines herausragenden Talents wurde er bei den Argentinos Juniors bereits mit 15 Jahren mit einem Profivertrag ausgestattet - und erfüllte sich schon früh einen Lebenstraum: Seinen Eltern eine Wohnung zu schenken, die der Verein für ihn nahe des Stadions gemietet hatte.

Diego Maradonas beeindruckende Quoten und eine Massenschlägerei brachten ihn zum SSC Neapel

Regisseur Asif Kapadia stellte seinen Dokumentarfilm bei der Weltpremiere im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2019 vor.
Regisseur Asif Kapadia stellte seinen Dokumentarfilm bei der Weltpremiere im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2019 vor.  © Vianney Le Caer/Invision/dpa

Maradona zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen mehr als zurück. In 168 Spielen traf er beeindruckende 136 Mal und wurde deshalb 1981 für die damals stolze Ablösesumme von umgerechnet 1,25 Millionen Euro von den Boca Juniors geholt.

Dort blieb er aufgrund seiner Klasse allerdings nur ein Jahr (40 Spiele, 28 Tore) und sich dann für die damalige Rekordablse von acht Millionen Euro dem großen FC Barcelona anschloss.

In Katalonien lief es allerdings überhaupt nicht rund für "El Pibe de Oro", den "goldenen Jungen". Er plagte sich mit Verletzungen herum, erkrankte an Hepatitis und wurde am 24. September 1983 von Athletic Bilbaos Andoni Goikoetxea so brutal umgegrätscht, dass er einen Beinbruch erlitt.

Er kämpfte sich zurück - und zettelte aus Rache eine Massenschlägerei im Pokalfinale gegen Goikoetxea und Bilbao an - vor den Augen des spanischen Königs Juan Carlos.

So verkaufte "Barca" ihn für die damalige Rekord-Ablösesumme von umgerechnet 24 Millionen D-Mark an den SSC Neapel. Bis heute ist nicht klar, wie der Klub aus Sizilien so viel Geld auftreiben konnte. Vermutungen rund um die italienische Mafia halten sich hartnäckig.

Diego Maradona stellte Asif Kapadia 500 Stunden Filmmaterial aus seinem Privatarchiv zur Verfügung

Sein größter Triumph: Diego Armando Maradona wurde 1986 Weltmeister mit Argentinien. Im Finale wurde die Bundesrepublik Deutschland mit 3:2 besiegt.
Sein größter Triumph: Diego Armando Maradona wurde 1986 Weltmeister mit Argentinien. Im Finale wurde die Bundesrepublik Deutschland mit 3:2 besiegt.  © PR/Bob Thomas/Getty Images/DCM

Bis hierhin werden die Stationen zügig abgehandelt, was sich als kluge Entscheidung erweist. Denn die Zeit in Neapel sollte Maradona für sein restliches Leben in besonderem Maße prägen - und machte den Menschen aus ihm, den die Weltöffentlichkeit heute kennt.

Während es sportlich bestens lief, kam er abseits des Platzes in Kontakt mit der Camorra - und Drogen, die sein Leben nach und nach zerstören sollten.

Viele Menschen ließen ihn, der sich aufgrund seiner vollmundigen Aussagen einige Feinde gemacht hatte, im Stich. So musste er Neapel 1991 durch die Hintertür verlassen.

Um ihm als Person nahezukommen, stellte Maradona dem Regisseur sein privates Filmarchiv zur Verfügung, das mehr als 500 Stunden ungesehenes Material enthält.

Daraus hat Kapadia ein zutiefst menschliches, nachvollziehbares 130 Minuten langes Portrait zusammengeschnitten, das bewegt, mitreißt, berührt, fesselt und begeistert.

Es gelingt dem erfahrenen Filmemacher aufzuzeigen, wie sehr der Ruhm, der Rummel um seine Person und falsche Freunde Maradona zusetzten.

Hintergründig: "Diego Maradona" sorgt für Gänsehaut-Atmosphäre

Regisseur Asif Kapadia (l.) mit Diego Armando Maradona.
Regisseur Asif Kapadia (l.) mit Diego Armando Maradona.  © PR/DCM

Er, ein Kind aus ärmlichen Verhältnissen, konnte damit verständlicherweise nicht wirklich umgehen und brauchte ein Ventil.

So erschuf er sich zwei verschiedene Persönlichkeiten. Privat war er Diego, öffentlich Maradona. Auch deshalb gelang es ihm, über viele Jahre Weltklasse zu verkörpern.

All dies und viele weitere Details sorgen dafür, dass auch Nicht-Fußballer eine großartige Doku zu sehen bekommen, die eine hochinteressante Geschichte zu erzählen hat und dem bekannten Bild Maradonas viele neue Facetten hinzufügt.

Dabei werden auch seine Schwächen ausführlich dargestellt, was "die Hand Gottes" umso menschlicher wirken lässt.

Das wiederum lässt die Zuschauer eine emotionale Achterbahnfahrt erleben und mitfühlen, wie es Maradona in den einzelnen Momenten ergangen ist.

Deshalb ist "Diego Maradona" einer der besten Fußballdokumentarfilme aller Zeiten. Er zeigt dem Publikum neue Facetten einer weltbekannten Person auf und porträtiert Maradona damit einfühlsam und zutiefst menschlich. Nach diesen atmosphärischen 130 Minuten haben die Zuschauer ein deutlich besseres Verständnis für die streitbare Persönlichkeit von Maradona, die ihn noch heute oft in den (negativen) Fokus der Presse rückt.

Diego Maradona 2018 bei einem Ausraster während der WM 2018 (l.) und 1984 bei seiner Vorstellung in Neapel. (Bildmontage)
Diego Maradona 2018 bei einem Ausraster während der WM 2018 (l.) und 1984 bei seiner Vorstellung in Neapel. (Bildmontage)  © PR/Alfredo Capozzi/DCM/Peter Kovalev/TASS/dpa

Titelfoto: PR/Alfredo Capozzi/DCM/Peter Kovalev/TASS/dpa

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