Dienstwagen-Vergleich: Berlins Bürgermeister hat die größte Drecksschleuder

Berlin - Die Deutsche Umwelthilfe will es wissen: Wie sehr belasten die Dienstwagen von Deutschland Spitzenpolitiker die Umwelt? Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller (53, SPD) stößt besonders hervor - allerdings im negativen Sinne.

Michael Müller führt die Statistik an (Bildmontage).
Michael Müller führt die Statistik an (Bildmontage).  © DPA

Sein Dienstwagen ist der umweltschädlichste aller Länderchefs. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hervor.

Demnach stößt Müllers gepanzerter S-Klasse-Mercedes im Realbetrieb 408 Gramm Kohlendioxid (CO2) je Kilometer aus. Zudem frisst der 530 PS starke Benziner mit einem Normverbrauch von 11,6 Litern je 100 Kilometern den meisten Sprit.

Zum Vergleich: Der am umweltfreundlichsten motorisierte Länderchef, Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (59, SPD), erzeugt mit seinem Dienstwagen real 171 Gramm CO2 je Kilometer. Er ist in einem Hybrid-Mercedes E-Klasse unterwegs.

Mit seiner gesamten Fahrzeugflotte liegt der rot-rot-grüne Senat im DUH-Ländervergleich mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 202 g/km auf Platz 4 von 16. Am besten steht Bremen da (177 g/km), am schlechtesten Nordrhein-Westfalen (246 g/km).

Seit geraumer Zeit legen die Senatoren mehr Wert auf die Beschaffung möglichst emissionsarmer Dienstwagen. Vier der elf Senatoren lassen sich inzwischen in Hybrid-Fahrzeugen chauffieren, die über Elektro- und Benzinantrieb verfügen. Nur noch Innensenator Andreas Geisel (52, SPD) setzt auf einen Diesel.

Nur noch Innensenator Andreas Geisel setzt auf einen Diesel.
Nur noch Innensenator Andreas Geisel setzt auf einen Diesel.  © DPA

Diesel-Fahrzeuge können zwar - so die Angaben der Hersteller stimmen - auf ähnliche CO2-Werte wie Benziner kommen, sind aber maßgeblich mitverantwortlich für die vielerorts in Deutschland erhöhte Feinstaub-Belastung mit gefährlichen Stickoxiden.

Die "reale" DUH-Definition des CO2-Ausstoßes ist nicht identisch mit den Angaben zum offiziellen Normausstoß der Autohersteller, die deutlich tiefer liegen. Bei ihrer eigenen Erhebung berechnet die Umwelthilfe die durchschnittliche Abweichung der Herstellerdaten von Messwerten im tatsächlichen Fahrbetrieb. Sie stützt sich dabei auf Methoden des Umweltforschungsverbunds ICCT, der den VW-Abgasskandal mit aufdeckte.

Wie Abgas-Messungen genau ausgelegt sein sollten, bleibt umstritten. Ab September gilt in Europa für neu zugelassene Autotypen auf dem Prüfstand der realitätsnähere Standard WLTP.

Später werden gesetzlich verbindliche Tests eingeführt, bei denen auch auf der Straße gemessen wird (Real Driving Emissions/RDE). In der EU sollen 2021 im Schnitt alle neu zugelassenen Pkw einen CO2-Grenzwert von 95 g/km einhalten. Das Ausstoß des Klimagases ist direkt an den Verbrauch gekoppelt.


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