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1. Fuckup Night! Diese Jungs haben Mut zur Pleite

Dresden - Sächsische Unternehmer am Donnerstag bei der ersten "Fuckup Night" über Pannen, Pleiten und Versagen. In den Technischen Sammlungen teilten drei Männer ihre Erfahrungen mit rund 100 Gästen.
Veranstalter Sören Frost (42) will gescheiterten Unternehmern eine Plattform bieten.
Veranstalter Sören Frost (42) will gescheiterten Unternehmern eine Plattform bieten.

Von Juliane Bauermeister

Dresden - So sehen Versager aus! Denkt man nicht, aber diese drei sächsischen Unternehmer sind gescheitert und hatten am Donnerstag den Mut, bei der 1. Dresdner „Fuckup Night“ in den Technischen Sammlungen vor gut 100 Gästen davon zu erzählen.

„Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist es, die Gründe zu analysieren und solche Erfahrungen an andere Unternehmer weiter zu geben. Damit diese daraus lernen können“, erklärt Veranstalter Sören Frost (42). Und da die erste „Fuckup Night“ super gut ankam, soll im Juni schon die nächste Folgen.

Wer auch gescheitert ist und bei der Veranstaltung als Redner dabei sein möchte, kann sich bewerben unter: soeren.frost@gruendernest.com!

Als ein Autoverlag in sein Unternehmen investieren wollte, stieg Kuwatsch (40) aus.
Als ein Autoverlag in sein Unternehmen investieren wollte, stieg Kuwatsch (40) aus.

Eine falsche Entscheidung

Thomas Kuwatsch (40) aus Leipzig: „Nach meinem BWL Studium in England, den Niederlanden und USA gründete ich 2006 mit zwei Investoren eine Community für Autofans namens „Autoki“. Über die App konnten sich Autofans vernetzen, Fotos austauschen, Tipps holen oder Autoquartett gegeneinander spielen.

Es lief alles sehr gut und eines Tages kam ein gutes Angebot von einem Autoverlag, welcher in „Autoki“ investieren wollte. Ich wollte das annehmen, meine beiden Geschäftspartner aber nicht. Ich warf das Handtuch, hab bei auto.de angefangen und das Unternehmen innerhalb von 5 Jahren, dann als Chefredakteur, zum Erfolg geführt.

Die Autoki-App gibt es leider nicht mehr, das Team hatte nicht genügend Affinität für Autos, um das Produkt weiter zu tragen. Heute denke ich mir, ich habe viel zu früh aufgegeben, es hätte etwas ganz großes werden können.“

Kilian Springer (30, re.) hat mittlerweile zusammen mit einem Freund eine Anwaltskanzlei gegründet.
Kilian Springer (30, re.) hat mittlerweile zusammen mit einem Freund eine Anwaltskanzlei gegründet.

Ich hab mich übernommen!

Kilian Springer (30) aus Leipzig: „Nach dem Abi hab ich mit ein paar Freunden den Verein „MOTTT e.V.“ gegründet. Ich war gerade erst 18 geworden. Nun wollten wir Konzerte und Events veranstalten. Nicht um damit Geld zu verdienen, das war nicht das Ziel, wir haben so unsere Freizeit gestaltet.

2006 dachte ich dann, jetzt kann ich auch selbst Konzerte veranstalten und machte mich selbstständig. Die ersten vier Monate ging es schnell bergauf, doch dann hab ich mich übernommen, hatte die Finanzen nicht mehr unter Kontrolle. Ich wollte zu schnell große Sprünge machen und immer größere Bands einkaufen.

So richtig gescheitert bin ich dann mit einer holländischen Hardcore Band, die ich für ein Konzert nach Leipzig ins ehemalige Kulturbundhaus holte. Es kamen nur 20 Leute. Das war dann zu viel finanzieller Verlust und ich machte mein Unternehmen dicht.

2008 studierte ich dann Jura. Heute bin ich Anwalt und habe mit einem Freund zusammen eine eigene Anwaltskanzlei in Leipzig.“

Marcel Pölzl (32) aus Dresden hat die Wende gepackt. Heute läuft sein Unternehmen wieder.
Marcel Pölzl (32) aus Dresden hat die Wende gepackt. Heute läuft sein Unternehmen wieder.

Eine Insolvenz ist kein Ende

Marcel Pölzl (32) aus Dresden: „Ich habe 2008 mit meiner damaligen Freundin die Firma „Frühstückszwerge“ gegründet. 2011 hatte die Firma dann 27 Franchise-Nehmer mit 162 Mitarbeitern und Standorte in Berlin, Düsseldorf, München, Leipzig und Köln - es lief echt gut. Doch dann kam die Privatinsolvenz.

Ich habe den Fehler gemacht, dass ich mit meiner damaligen Liebe eine GbR mit jeweils 50 Prozent Beteiligung gegründet habe. Mit der privaten Trennung Ende 2012 zerbrach auch die Firma. Für einen hohen fünfstelligen Betrag habe ich meine Geschäftspartnerin und Ex-Freundin ausgezahlt.

Doch für die Steuerschulden beim Finanzamt hat das Geld nicht mehr gereicht und ich musste Privatinsolvenz anmelden.

Doch ich habe es geschafft mich da Stück für Stück wieder raus zu arbeiten und die Frühstückszwerge weiter zu führen. Heute läuft es besser denn je.“

Auf der Fuckup Night sprachen Kilian Springer (30, l.), Marcel Pölzl (32, Mitte) und Thomas Kuwatsch (40) über ihr Scheitern.
Auf der Fuckup Night sprachen Kilian Springer (30, l.), Marcel Pölzl (32, Mitte) und Thomas Kuwatsch (40) über ihr Scheitern.

Fotos: Ove Landgraf, PR, Thomas Turpe

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