Facharzt gegen Fahrverbote: Diesel-Abgas-Debatte ist reine Panik-Mache

Berlin – Die Diskussion über Feinstaubbelastung und Stickoxide hält seit Monaten die Republik und vor allem die Diesel-Fahrer in Atem. Fahrverbote in Stuttgart, Berlin, Hamburg oder Köln sollen die Luft sauberer und damit gesünder machen.

Beim Thema Feinstaub geht es wenige rum die Gesundheit der Bevölkerung, mehr um Forschungsgelder und Ideologie, so Prof. Dieter Köhler.
Beim Thema Feinstaub geht es wenige rum die Gesundheit der Bevölkerung, mehr um Forschungsgelder und Ideologie, so Prof. Dieter Köhler.

Denn das was (ältere) Dieselfahrzeuge hinten raus blasen, ist für die Menschen mindestens lebensverkürzend, so die Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Laut deren Argumentation verursachen die Abgase von Autos, LKW, Bussen oder Baumaschinen Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen. "Allein in Deutschland sterben jährlich rund 10.600 Menschen vorzeitig an den Folgen der hohen Stickstoffdioxid-Konzentration in der Luft – doppelt so viele wie an den Folgen von Verkehrsunfällen", heißt es auf der Webseite der DUH.

Also klagt der Verein in immer mehr Städten auf Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Vor allem, wenn in Ballungszentren die Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden. Diese richten sich derzeit nach Richtlinien der EU, welche wiederum auf einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beruhen.

Dementsprechend dürfen 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid im Freien nicht überschritten werden, sonst droht Fahrverbot. Das absurde daran: Zum Beispiel in Büros darf die Feinstaubbelastung bei 60 Mikrogramm liegen.

Mediziner widersprechen Feinstaub-Hysterie

Saubere Luft in unseren Städten verlängert unser Leben, sind sich die Umweltschützer sicher.
Saubere Luft in unseren Städten verlängert unser Leben, sind sich die Umweltschützer sicher.  © DPA

Der anerkannte Lungenfacharzt und Ex-Präsident des deutschen Pneumologen-Verbandes Prof. Dr. Dieter Köhler ist erklärter Kritiker dieser Feinstaub-Angst. Gegenüber dem Stern erklärte er, dass es keinerlei gesicherte Hinweise darauf geben, wonach Dieselabgase tatsächlich so schädlich sind wie behauptet. Die von der WHO, der EU und der Deutschen Umwelthilfe ins Feld geführten Feinstaub-Studien zweifelt der Mediziner an.

Er erklärt, dass die geltenden Grenzwerte nicht gefährlich seien und behauptet sogar: In Deutschland sei noch kein Mensch an Stickoxidbelastung gestorben. Seine Kritik richtet sich vor allem an die Interpretation der Studien. Darin würden Zusammenhänge zwischen Todesursache und Stickoxidbelastung hergestellt, die wissenschaftlich so nicht haltbar seien.

So wird beispielsweise davon ausgegangen, dass die niedrigere Lebenserwartung von Menschen, die an Hauptverkehrsadern wohnen, an der Abgas-Belastung liegt. Schließlich würden Landbewohner, die sich überwiegend in sauberer Luft aufhalten, länger leben.

Mit solchen Messstationen wird die Feinstaubbelastung an viel befahrenen Straßen gemessen.
Mit solchen Messstationen wird die Feinstaubbelastung an viel befahrenen Straßen gemessen.  © DPA

Dr. Köhler erklärt dazu, dass verschiedene andere Faktoren, die sich ebenfalls auf die Lebenserwartung auswirken, wie Stress, Beruf, soziale Kontakte oder Bewegung dabei unberücksichtigt blieben.

Es wird sich mit Feinstaub ausschließlich auf einen Fakt von vielen bezogen. Wie darüberhinaus gegenüber dem Stern erklärt, gebe es auch Gegenbeispiele. So würden etwa in Sevilla Anwohner einer stark befahrenen Straße durchschnittlich älter, als Menschen, die auf dem Land leben.

Ein Kollege pflichtet Dr. Köhler bei. Prof. Martin Hetzel, Chefarzt einer Lungenfachklinik in Stuttgart, erklärt im Stern, er halte die Diesel-Abgas-Debatte für reine Panikmache.

In seiner Klinik habe es noch keinen verstorbenen Patienten gegeben, "bei dem man zu der Erkenntnis kommen würde, dass die hohe Stickstoffkonzentration mit hoher Wahrscheinlichkeit die Todesursache war."


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