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Dieser Typ macht Dresdens coolsten Sonntag

Dresden - Dieser Mann steht hinter Dresdens größter Sonntags-Party. Markus Rätz (38) alias DJ Gunjah veranstaltet das „Click Clack“. MOPO24 sprach vorab mit DJ Gunjah über den „schönsten Sonntag des Jahres“, wie er ihn nennt.
Am Sonntag wird der Citybeach zum DJ-Festival.
Am Sonntag wird der Citybeach zum DJ-Festival.

Dresden - Dieser Mann steht hinter Dresdens größter Sonntags-Party, die übermorgen wieder steigt. Markus Rätz (38) alias DJ Gunjah veranstaltet das „Click Clack“, zu dem am Sonntag wieder zahlreiche Künstler der elektronischen Musik nach Dresden kommen.

Tickets dafür gibt’s bis Freitagabend im VVK und Sonntag an der Tageskasse (ab 10 Uhr).

MOPO24 sprach vorab mit DJ Gunjah über den „schönsten Sonntag des Jahres“, wie er ihn nennt.

MOPO24: Diesen Sonntag steigt das „Click Clack“. Wie kamst Du vor sechs Jahren dazu, den Sonntag als Partytag einzuweihen?

Gunjah: Vielerorts in Deutschland gab es das schon. Wir waren dann die Ersten, die so was in Dresden versucht haben. Seitdem kommen Jahr für Jahr mehr dieser Konzepte dazu und langsam wird es meiner Meinung nach auch zu viel.

Ein Gunjah-Selfie.
Ein Gunjah-Selfie.

MOPO24: Ist Sonntag der bessere Partytag oder nur eine Ergänzung?

Gunjah: Im Sommer ist es der bessere Partytag. Wenn die Sonne scheint, wirkt alles so freundlich und gelöst. Man sieht die lachenden Gesichter und spürt die gute Laune. Im Vergleich zu langen Nächten wirkt so eine Party bei Tageslicht auch viel gesünder.

MOPO24: Deutschlandweit wird die Zusammenstellung Deines Line-ups beim Click Clack gelobt. Wie kommt man an so gute Acts. Ruft man die einfach an?

Gunjah: Nun ja, ich habe zu vielen ein freundschaftliches Verhältnis. Man trifft sich auf Veranstaltungen und viele habe ich auch bereits zuvor mal gebucht. Wenn sie schon mal da waren und es ihnen gefallen hat, kommen sie gern wieder.

MOPO24: So ein großes und teures Event zu planen, braucht es viel Mut. Findest Du in den Nächten davor Schlaf?

Gunjah: Zugegeben, ich bin schon aufgeregt. Am meisten wegen des Wetters. Ich habe inzwischen alle Wetterapps, die es gibt, auf meinem Handy. Der Blick auf Wetterkarten ist das Erste und Letzte, was ich tue am Tag. Zwischendurch auch unzählige Male. Die aktuelle Prognose für Sonntag ist aber jede Aufregung wert: 28 Grad!

Seit 1993 legt Gunjah auf.
Seit 1993 legt Gunjah auf.

MOPO24: Wie viele Leute arbeiten an so einem „Click Clack“?

Gunjah: Das dürften etwa 150 sein.

MOPO24: Du bist gebürtiger Dresdner. Was genau ist Dein Revier?

Gunjah: Geboren bin ich in Pieschen, dann Schule in Löbtau und Gorbitz und danach Neustadt, der ich bis heute treu geblieben bin. Und hier bleib ich auch.

MOPO24: Vor vielen Jahren hattest Du Dich in der Neustadt mit einem Plattenladen selbstständig gemacht ...

Gunjah: Das waren Zeiten! 1996 mit meinem Kumpel Lexy. Wir hatten keine Ahnung vom wirtschaftlichen Kram und sind schon nach einem Jahr gescheitert. Musik war unser Ding, nur eben die Zahlen nicht so ...

MOPO24: Lexy ist dann nach Berlin gezogen. Hat er Dich nie überredet, zu folgen?

Gunjah: Nö. Hätte er auch keinen Erfolg gehabt. Mein Platz war immer Dresden. Ich habe schnell angefangen, hier Partys selber zu machen. Berlin war nie ein Thema für mich, und wenn ich mal hin wollte, war und ist es ja nie weit weg.

Feiern beim Click Clack Festival.
Feiern beim Click Clack Festival.

MOPO24: Bis heut seid Ihr gute Freunde. Vor Kurzem wart Ihr gemeinsam auf Tour...

Gunjah: Das war wirklich toll. Wir waren in Mexiko, Panama, Brasilien, Costa Rica, Ecuador und Kolumbien. Insgesamt haben wir 15 Shows gespielt.

MOPO24: Wo und wann hattest Du in Dresden Deinen ersten Auftritt als DJ?

Gunjah: Das weiß ich noch genau: 1993 im damaligen „Base“, dem späteren „Object“ am Bischofsplatz gegenüber der Schauburg. 50 Mark hatte ich bekommen. Davon kaufte ich mir drei Schallplatten, womit das Geld direkt wieder weg war.

MOPO24: Du bist als DJ unterwegs, machst Partys, Festivals, betreibst die Showboxx und hast Dich mit Paul Kalkbrenner und Northern Lite als Konzertveranstalter gut geschlagen. Welcher Job ist es, der Dich am meisten bewegt?

Gunjah: Da muss ich nicht lange überlegen. Mein Ding ist es, DJ zu sein. Da spüre ich die meiste Energie. Als Veranstalter und Organisator geht es viel um Risiko, Marketing und Organisation. Musik machen dagegen ist Kunst. Und man spürt im direkten Austausch die Euphorie beim Publikum. Das ist für mich unbezahlbar.

Gunjah (r.) gemeinsam mit seinem Freund Lexy.
Gunjah (r.) gemeinsam mit seinem Freund Lexy.

MOPO24: Ist man als DJ auch ein besserer Veranstalter?

Gunjah: Nicht unbedingt. Man weiß zwar, worauf es den gebuchten Künstlern ankommt, und kann denen es so angenehm wie möglich gestalten. Aber wenn man selbst künstlerisch tätig ist, hat man nicht so den freien Geist wie der Gast. Der ist unvoreingenommen und offener. Veranstalter, die nicht selbst Künstler sind, haben mehr den Gast im Auge, gehen unkomplizierter an die Sache ran und lassen die Künstler dann einfach machen.

MOPO24: Deine neu veröffentlichte Single „Rave“ hat gerade Ambitionen, der Sommerhit in der Szene zu werden. Seit wann hast Du das Ding in der Schublade?

Gunjah: Seit mehr als einem Jahr. Befreundete DJs und ich haben es immer mal bei Auftritten ausprobiert und super Feedback vom Publikum bekommen. Daher jetzt die offizielle Veröffentlichung.

MOPO24: Der Track erinnert an 90er-Trance-Melodien. Waren die 90er Deine Zeit? Warst Du ein Raver?

Gunjah: Und wie! Mitte der 90er war ich auch oft auf der Loveparade. Zwar ohne Verkleidung, aber ich hab es geliebt! Überall diese positive Grundstimmung! Alle waren friedlich zusammen, egal welche Herkunft, welches Outfit. Es war so grundweg positiv und vereint durch einen Musikgeschmack. Das gibt’s heut kaum noch und hat mich sehr geprägt.

Markus Rätz (38) alias DJ Gunjah.
Markus Rätz (38) alias DJ Gunjah.

MOPO24: Damals hast Du, wenn auch nur kurz, Schallplatten selbst verkauft. Wie beschaffst Du heute Musik?

Gunjah: Ich bin auf digital umgestiegen. Mir wird viel zugeschickt und es gibt für DJs auch ein paar MP3-Stores im Netz. Alle meine Schallplatten habe ich aber noch. Ab und zu greife ich auch ins Regal.

MOPO24: Was muss passieren, dass Dich der ganze Partyzirkus nervt?

Gunjah: Mir ist schwer meine gute Laune zu nehmen. Aber wenn bei einem Gig die Technik spinnt, könnte ich ausflippen. Das Publikum bekommt das ab und reflektiert die schlechte Qualität auf den DJ. Das ist echt ärgerlich und liegt meist an schlampigen Technikern und Veranstaltern, die sparen wollen.

MOPO24: Du achtest sehr auf Ernährung und Bewegung. Warum ist das Dir so wichtig?

Gunjah: Ich beschäftige mich mit dem, was ich esse. Es geht schließlich um den eigenen Körper. Niemandem sollte es egal sein, was er in sich reinstopft. Die Leute laden sich doch auch keinen Müll in ihre Häuser. Ich find es sehr gut, dass der Bio-Trend anhält, und koche oft selbst. Es ist wie mit Musik. Keiner hört sich absichtlich Mist an. So halte ich es auch mit dem Essen.

Voll wird es auch in diesem Jahr beim Click Clack.
Voll wird es auch in diesem Jahr beim Click Clack.

MOPO24: Leben Deine Eltern noch in Dresden? Kommen die zum „Click Clack“?

Gunjah: Ja, die leben hier. Und sie waren sogar schon einmal bei einem „Click Clack“. War aber nicht ganz ihre Musik ... Sie verfolgen trotzdem, was ich mache. Und immer wenn was in einer Zeitung steht, rufen sie an oder zeigen es mir, wenn ich sie besuche.

MOPO24: Was passiert dieses Jahr noch?

Gunjah: Erstmals machen wir kein zweites „Click Clack“ im Spätsommer, dafür ein 10 Jahre Boys-Noize-Records Open-Air Ende August mit Modeselektor, Boys Noize jund vielen mehr. Das wird ’ne coole Nummer!

MOPO24: Angst vor dem Alter?

Gunjah: Kein bisschen. Meine Leidenschaft für Techno altert mit mir und wird kein bisschen weniger. Im Gegenteil. Ich bin voller Energie. Irgendwann will ich mal auf jedem Kontinent gespielt haben. Australien und Afrika fehlen mir noch. Seit meinem ersten Gig, damals 1993 im Base, ist so viel passiert und ich bin so viel gereist. Ich bin gespannt, was noch kommt, und ich freue mich sehr drauf. Erst mal sehen wir uns aber am Sonntag!

Fotos: Privat

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