Dieser Zonen-Vogel wird 50!

„Sie werden platziert!“ hieß es meist in der Gockelbar-Gaststätte auf der Prager Straße in Dresden.
„Sie werden platziert!“ hieß es meist in der Gockelbar-Gaststätte auf der Prager Straße in Dresden.

Von Katrin Richter

Dresden - Mitte der Sechzigerjahre wurde er zum kulinarischen Liebling der DDR-Bürger: der Goldbroiler. Über Jahrzehnte war er in aller Munde. Die Wortschöpfung avancierte sogar zum Kultbegriff und ist aus dem Sprachgebrauch vieler Ostdeutscher nicht mehr wegzudenken.


Das DDR-Hähnchen ist Legende und Tradition - mit Pommes, Brötchen oder Kartoffelsalat, zart gegrillt und immer ein Genuss. Der versorgungsschwachen DDR gelang mit dem Geflügelmastprodukt ein kulinarischer Coup, der die Versorgung der Bevölkerung etwas verbessern konnte.

Mit der Bildung einer „Zentralen Arbeitsgruppe“ (ZAG) begann im Jahr 1965 die zielstrebige Entwicklung von Einrichtungen industrieller Geflügelmast. In den USA waren schon 1875 Hühner-Rassen gezüchtet worden, die in sechs Wochen schlachtreif und fertig zum Grillen („ready to broil“) waren.

Gegrillter Kultgenuss aus dem Osten - seinen Anfang nahm alles Anfang der Sechzigerjahre.
Gegrillter Kultgenuss aus dem Osten - seinen Anfang nahm alles Anfang der Sechzigerjahre.

Anfang der 60er-Jahre gelang in der bulgarischen Stadt Tolbuchin erstmals die industrielle Zucht von Masthähnchen mit einem Gewicht von 1,5 Kilo. In Kürze baute man in Königs Wusterhausen bei Berlin 1967 den ersten Betrieb des Kombinats Industrielle Mast, kurz: KIM.

Die Abkürzung funktionierte man gleich auch zum Werbeslogan um, nämlich zu „Köstlich - Immer Marktfrisch“. Insgesamt wurden schließlich 22 hochmoderne Mastbetriebe errichtet. Hühner und Eier gab es nun in Hülle und Fülle.

Wie sollte man das Huhn nun aber nennen? Üblicherweise legte die Staatsführung großen Wert auf Abgrenzung vom westlichen Lager durch eigenständige Bezeichnungen für ähnliche Produkte.

Beim Begriff „Broiler“ allerdings drückten die Genossen, denen ansonsten Anglizismen gar nicht schmeckten, ein Auge zu. Man hielt sich einfach an das amerikanische Vorbild, wo das neue Masthuhn schließlich herkam.

Das gegrillte Federvieh bekam von Kap Arkona bis Zinnwald sogar seine eigene Gaststätte, analog zur im Westen populären „Wienerwald-Hendl“-Kette.

Im November 1967 starteten die ersten Gaststätten „Zum Goldbroiler“. Der Zusatz Gold sollte auf das knusprige Aussehen nach dem Grillen hinweisen.

Das Modell der speziellen Broiler-Restaurants ist in Dresden zuerst im Café Prag und am Schillerplatz umgesetzt wurden.

Manfred Wille (77), Autor mehrerer Bücher über die Geschichte des Gastronomiegewerbes in Dresden: „Die Eröffnung der Lokale war für die weitgehend vernachlässigte Gastronomie ein durchschlagender Erfolg.“

"Broil" ihn Dir selbst

Broiler - kennt Ihr nicht? Wagt Euch ruhig ran an den komischen Vogel...
Broiler - kennt Ihr nicht? Wagt Euch ruhig ran an den komischen Vogel...

Zutaten: 1 Hähnchen (ca. 1,5 kg), 3 Esslöffel (EL) Öl, 3 EL Paprika scharf, 1 EL Salz, 1 EL Pfeffer

Zubereitung:

1. Ofen auf 180 Grad Celsius vorheizen.

2. Hähnchen zuerst gründlich waschen und anschließend mit Küchenpapier trocken tupfen.

3. Dann das Hähnchen von innen mit Salz einreiben.

4. Das restliche Salz mit Paprika und Pfeffer in das Öl geben, gut verrühren und mit der Mischung das Hähnchen einpinseln.

5. Im Ofen 60 bis 90 min goldbraun braten lassen. Garprobe: Wenn beim Einstechen nur noch farblose Flüssigkeit ausläuft. Während des Bratens immer wieder mit der restlichen Ölmischung bestreichen und einmal wenden.

Foto: Wikipedia, imago, Picasa, Colourbox, Petra Hornig, imago


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