Milliardär, Wohltäter und Ultras-Hassfigur: Jetzt spricht Dietmar Hopp nach Bayern-Eklat

Sinsheim/München - Normalerweise ist Dietmar Hopp (79) im Stadion nur auf der Ehrentribüne oder in der VIP-Loge zu sehen. Beim Duell zwischen dem FC Bayern München der TSG 1899 Hoffenheim war dies aus traurigem Grund aber anders.

Dietmar Hopp erhält nach dem Eklat durch die Bayern-Fans große Unterstützung.
Dietmar Hopp erhält nach dem Eklat durch die Bayern-Fans große Unterstützung.  © Tom Weller/dpa

Hopp saß nicht mehr auf der Ehrentribüne, er stand neben Karl-Heinz Rummenigge (64) an der Seitenlinie - im Regen. Alleine gelassen brauchte sich der 79-Jährige in seiner schwersten und bittersten Stunde als Mäzen der Hoffenheimer nicht zu fühlen, was an vielen Fans, aber auch den Verantwortlichen des eigentlichen Gegners lag.

"Dietmar Hopp! Dietmar Hopp!"-Rufe hallten durch das Stadion in Sinsheim. Und nach dem Fan-Eklat im Spiel gegen den FC Bayern mit den Hass-Plakaten gegen Hopp erhielt der Milliardär Zuspruch von vielen Seiten. Von einer Hassfigur der Ultra-Szene ist er spätestens am Samstag zum Symbol eines Machtkampfs im Fußball geworden.

Die große Frage lautet: Warum nur?

"Herr Hopp hat viel Vermögen verdient, ja, durch harte Arbeit. Aber er gibt das ganze Vermögen für Sport, für soziale Projekte, für Medizin aus, und dafür wird man an den Pranger gestellt in diesem Land?", klagte DFB-Präsident Fritz Keller (62) am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Der 62 Jahre alte Keller wurde in der Folge noch deutlicher, wählte Worte, die zum Denken anregen sollen und dies auch können.

"Wo sind wir hingekommen in diesem Land? Was soll das? Das geht nicht mehr, wir müssen ein Zeichen setzen gegen Hass und gegen Neid in dieser Gesellschaft", sagte er.

Hopp selbst äußerte sich nicht an diesem denkwürdigen Bundesliga-Samstag, als die Partie nach einer 6:0-Führung der Bayern mit zwei Spielunterbrechungen und einem demonstrativen Ballgeschiebe der Teams endete, was einmalig war. "Extrem aufgewühlt" sei der Mehrheitseigner gewesen, berichtete TSG-Geschäftsführer Peter Görlich (52) später. Das sei ja auch verständlich: "Dietmar Hopp wird seit Jahren beleidigt."

Das erste Plakat mit Hopp im Fadenkreuz tauchte bereits 2008 auf und war der Beginn einer Dauerfehde zwischen den Fans von Borussia Dortmund und Hopp. Daraus wurde ein erbittert geführter Lagerkampf, der den Fußball mehr denn je spaltet.

Unabhängig von Finanzgeflechten bei den eigenen Vereinen sagt ein harter Kern der Fans: Hopp hat den Erfolg gekauft.

Mit seinem Geld hat der einstige SAP-Mitbegründer - dem bekannten US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" zufolge derzeit mit einem Vermögen von 10,2 Milliarden Dollar (etwa 9,2 Milliarden Euro) auf Platz 15 der reichsten Deutschen - den Dorfverein Hoffenheim zu einem stolzen Bundesligisten gemacht.

Dietmar Hopp unterscheidet sich von dem klassischen Investor-Typ

Blinde Abneigung: Dietmar Hopp ist für einige Fußballfans ein Hassobjekt.
Blinde Abneigung: Dietmar Hopp ist für einige Fußballfans ein Hassobjekt.  © Uwe Anspach/dpa

Von einem klassischen Investor unterscheidet sich Hopp aber deutlich: Der gebürtige Heidelberger kickte einst selbst bei der TSG, der Klub ist ihm eine echte Herzensangelegenheit. Außerdem wurde ein überaus zentrales Ziel des Machers inzwischen verwirklicht: Dank Transfereinnahmen ist Hoffenheim seit einigen Jahren von Hopp finanziell längst gänzlich unabhängig.

Lange Zeit drängten die Proteste gegen die Emporkömmlinge von RB Leipzig die Causa Hopp/Hoffenheim in den Hintergrund.

Nach dem DFB-Urteil mit einer zweijährigen Stadionsperre gegen die Wiederholungstäter aus dem Fanlager der Borussia aus Dortmund vor zehn Tagen ist die Auseinandersetzung wieder neu entflammt. Hopp geht schon länger auch zivilrechtlich gegen Fans vor, die ihn beleidigen.

Bayern-Trainer Hansi Flick (55), der wütend in Richtung Gäste-Fanblock marschiert und sich sichtlich über das Verhalten aufgeregt hatte, kennt Hopp wie kaum jemand in der Liga: Der frühere Co-Trainer von Joachim Löw (60) trainierte die Hoffenheimer vor dem furiosen Durchmarsch ins Oberhaus. Er wohnte immer im benachbarten Bammental und war darüber hinaus vor zwei Jahren für kurze Zeit gar einer der Geschäftsführer bei der TSG.

"Jeder von diesen Chaoten hat wahrscheinlich jemanden in der Familie, der von Dietmar Hopp schon einmal profitiert hat", sagte der wütende Flick an die Adresse der Übeltäter im Block des FC Bayern.

In der Rhein-Neckar-Region gilt Hopp als der große Wohltäter: Mit seiner Stiftung hat "Vadder Hopp", wie er oft genannt wird, nach eigenen Angaben bisher rund 800 Millionen Euro ausgegeben - beispielsweise für Kindergärten, Altenheime, Krebsforschung, Bildung, Jugendsport und vieles mehr.

Deshalb begleiten Hopp schon lange Solidaritätsbekundungen, auch aus dem Bayern-Lager: Mit der Münchner Führungsriege pflegt der Golffreund von Franz Beckenbauer (74) ein überaus freundschaftliches Verhältnis. Bayern-Vorstandschef Rummenigge nahm den Mäzen am Samstagnachmittag schon auf der Tribüne mehrfach tröstend in den Arm.

Und ließ ihn dann in der vollen PreZero-Arena nicht alleine im Regen stehen.

Hass gegen Dietmar Hopp: Milliardär spricht über Eklat gegen FC Bayern

Dietmar Hopp (l.) ist unter anderem mit Franz Beckenbauer (r.) gut befreundet.
Dietmar Hopp (l.) ist unter anderem mit Franz Beckenbauer (r.) gut befreundet.  © Uwe Anspach/dpa

Der 79-Jährige selbst will derweil auch nach dem denkwürdigen und auf gewisse Weise auch traurigen Spiel von Sinsheim keinesfalls vor den Hass-Plakaten und -Tiraden gegnerischer Anhänger oder zumindest einiger dieser "Fans" kapitulieren.

"Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen dann halt weg bleiben. Ich warte jetzt gespannt ab, wie das jetzt alles ins Rollen kommt", sagte der Mäzen der Hoffenheimer am Sonntag bei "Sport1".

Warum er immer wieder als Zielscheibe in der Bundesliga auserkoren wird, ist ihm indes selbst auch weiterhin ein großes Rätsel. "Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen", sagte Hopp und schob nach: "Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten."

Ihm gehe es "den Umständen" entsprechend. "Es ist leider eine neue Dimension erreicht", führte der 79-Jährige aus der Region aus. "Ich habe diese Solidarität gesehen und gespürt und es ist natürlich eine große Hilfe, dass da jetzt durchgegriffen wird."

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ermittelt und auch Bayern Münchens Präsident Herbert Hainer (65) hat Konsequenzen angekündigt. "Wir werden in den nächsten Tagen mit den Gremien des FC Bayern München zusammenkommen und gemeinsam beraten. Wir werden alle Optionen prüfen, mit denen wir verhindern können, dass sich so eine unwürdige Aktion wie gestern in Hoffenheim wiederholt", schrieb Hainer in einer entsprechenden Stellungnahme des Vereins am Sonntag, die an die Mitglieder und Fans gerichtet war.

"Wir werden außerdem alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um gegen diejenigen konsequent vorzugehen, die den FC Bayern und den gesamten deutschen Fußball in Misskredit gebracht und unsere Werte mit Füßen getreten haben", hieß es in der Mitteilung. "Wir wissen um unsere Verantwortung für den FC Bayern. Daher steht für uns schon heute fest: so darf es nicht weitergehen!"

Einige Fans des FC Bayern München benahmen sich beim Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim daneben.
Einige Fans des FC Bayern München benahmen sich beim Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim daneben.  © Tom Weller/dpa

Titelfoto: Fotos: Tom Weller/dpa, Uwe Anspach/dpa

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