Erst braun, dann ab: Killerpilz entnadelt Sachsens Kiefernwälder

Dr. Gebhard Baronius warnt vor dem gefährlichen Diplodia-Pilz in Sachsen.
Dr. Gebhard Baronius warnt vor dem gefährlichen Diplodia-Pilz in Sachsen.  © Torgauer Zeitung/Sachsenforst

Taura - In Sachsens Kiefernwäldern verlieren immer mehr Bäume ihre Nadeln. Schuld ist ein fieser Pilz, der die jungen Triebe vernichtet und letztlich zum Absterben der Bäume führt.

Der Feind ist stecknadelkopfgroß, schwarz und ungeheuer expansiv: der Diplodia-Pilz macht Sachsens Förstern heuer schwer zu schaffen. "Bei den Kiefern werden erst die Triebe rotbraun, dann verlieren die Bäume einen Großteil ihrer Nadeln", beschreibt Dr. Gebhard Baronius (53), Leiter des Staatsforstbetriebes im nordsächsischen Forstbezirk Taura, das Problem.

Betroffen sind vor allem die großen Nadelwälder Nordsachsens, insbesondere der Dübener Heide, und in der Oberlausitz. "In unserem Forstbezirk mussten wir bereits 4.000 Festmeter Kiefernwald einschlagen", erzählt Baronius. Kiefern, die nur noch 40 Prozent ihres Nadelbestandes haben, gelten als verloren. "Solche Bäume bieten dann auch eine Angriffsfläche für den Borkenkäfer", so Baronius.

Kam der Diplodia-Pilz im sächsischen Waldschadensbericht 2016 nur in einem Halbsatz vor, ist er in diesem Jahr plötzlich zum Riesenproblem geworden. Den Hauptgrund sieht Staatsforstleiter Baronius im extrem heißen und trockenen Sommer 2016: "Eigentlich hatten wir schon die Jahre davor überproportional warme Sommer, und das hat die Kiefern sehr geschwächt." Zudem habe es viele Hagelschlag-Ereignisse gegeben. Baronius: "Hageltreffer verletzen die Äste und bieten dem Pilz so Eintrittsmöglichkeiten."

Mit Fungiziden ist dem Kiefern-Killer übrigens nicht beizukommen. "Das ist nicht praktikabel, da hilft nur eine saubere Waldbewirtschaftung mit Mischbeständen", erklärt Forstexperte Baronius. Zudem verrichtet Diplodia im Ökosystem des Waldes eigentlich eine ganz nützliche Arbeit - wenn er am Boden bleibt. Denn dort zersetzt er die abgefallenen Nadeln.

Das Kieferntriebsterben ist übrigens nicht nur in Wäldern zu beobachten. Auch in vielen Vorgärten geben die dort sehr beliebten Schwarzkiefern derzeit ein Bild des Jammers ab.


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