Dirk Nockemann (AfD) im TAG24-Interview: Rote Flora soll zum Kindergarten werden

Hamburg - Die Bürgerschaftswahl in Hamburg rückt näher. Was wollen die Spitzenkandidaten der Parteien? TAG24 bat Dirk Nockemann (61) von der AfD um ein Interview.

Dirk Nockemann ist Spitzenkandidat der AfD für die Hamburger Bürgerschaftswahl. (Archivbild)
Dirk Nockemann ist Spitzenkandidat der AfD für die Hamburger Bürgerschaftswahl. (Archivbild)  © Christian Charisius/dpa

Die AfD zog 2015 erstmals in die Hamburgische Bürgerschaft ein, damit kehrte auch Dirk Nockemann zurück in das Parlament.

Als Mitglied der Partei Rechtsstaatlicher Offensive von Ronald Schill wurde der Jurist bereits 2001 als Abgeordneter gewählt, 2003 wurde er sogar Innensenator, verpasste aber 2004 den Wiedereinzug in die Bürgerschaft. Zur jetzigen Wahl tritt Nockemann als Spitzenkandidat für die AfD an.

Dieses Interview wurde aus Termingründen per E-Mail geführt.

TAG24: Warum sind Sie Politiker geworden?

Dirk Nockemann: Es hat sich so entwickelt. Ich war immer schon, von meiner Jugendzeit an, ein politisch interessierter und politisch denkender Mensch. Es war ein langjähriger Findungs- und Reifeprozess. In meiner Jugend engagierte ich mich ja zunächst bei den Jusos und der SPD.

Mit dem Alter folgt die Vernunft. Es folgten die Schill-Partei, die ja ein spezielles Hamburger Phänomen blieb. Nun bin ich froh und glücklich, dass sich viele freiheitliche und konservative Bürger für die Alternative für Deutschland einsetzen.

TAG24: Wieso sollte man Sie wählen?

Wählen zu gehen, bedeutet von seinem demokratischen Grundrecht Gebrauch zu machen. Je mehr Menschen wählen gehen, desto repräsentativer wird unsere Bürgerschaft. Unser Wahlkampf fokussiert sich nicht auf einzelne Personen, sondern auf die Inhalte. Als früherer Innensenator mit langjähriger politischer Erfahrung glaube ich sagen zu können, dass ich über das entsprechende Know-How verfüge, um unsere bürgerlich-konservativen Inhalte in der Bürgerschaft gut vertreten zu können.

TAG24: Was ist das Wichtigste, das Sie in der letzten Legislaturperiode für Hamburg erreicht haben?

Wir stellen derzeit 6 von insgesamt 121 Abgeordneten im Parlament. Dort steht uns - von einigen sehr löblichen Ausnahmen abgesehen - eine ablehnende Einheitsfront gegenüber. In der Anfangszeit mussten wir zunächst Infrastruktur und Personal aufbauen, damit wir überhaupt arbeiten konnten.

Kernaspekte unserer Arbeit waren unter anderem der katastrophale G20-Gipfel und dessen Aufarbeitung im Sonderausschuss, der fatale Staatsvertrag mit den Islamverbänden, die zunehmende Erosion der Inneren Sicherheit, die Folgen der verheerenden Migrationskrise für Hamburgs Bürger und natürlich unser Portal "Neutrale Schulen Hamburg", mit dem wir Pionierarbeit leisteten.

Und natürlich unsere Veranstaltung "Fraktion im Dialog" im Hamburger Rathaus. Angefangen mit 50 interessierten Bürgern, kommen jetzt regelmäßig bis zu 600 Gäste zu uns. Sogar das Hamburger Abendblatt schrieb Ende 2018: "Mit rund 600 Gästen war der Große Festsaal im Hamburger Rathaus so voll wie nur selten bei politischen Veranstaltungen."

Nockemann: Autofahrer sollen nicht verteufelt werden

Bei der Veranstaltung "Jugend debattiert" sprach Dirk Nockemann mit Schülern.
Bei der Veranstaltung "Jugend debattiert" sprach Dirk Nockemann mit Schülern.  © Christian Charisius/dpa

TAG24: Verkehr, Klimaschutz, Wohnen und Bildung - es sind viele Themen, die die Hamburger beschäftigen. Welches Problem würden Sie als Erstes anpacken und wie?

In nahezu jedem Bereich gibt es Probleme, die wir derzeit sehen. Im Verkehrsbereich sind wir der Meinung: Die Bürger sollen selbst entscheiden, welche Verkehrsmittel sie nutzen wollen. Verbote und Gängelung sind der falsche Weg. Die Verteufelungskampagne gegen Autofahrer muss aufhören.

Wir möchten unter anderem die hafenseitige Verbindung zwischen den Autobahnen A7 und A1 (Hafenquerspange), die Elbquerung bei Glückstadt und Geesthacht zügig umsetzen sowie "Park-and-Ride"-Häuser für HVV-Karteninhaber kostenlos nutzbar machen.

Für den ÖPNV gilt: Ein Umstieg von Auto auf Bus und Bahn kann nur durch attraktive Angebote im ÖPNV-Bereich gelingen.

TAG24: Wo steht Hamburg im Jahr 2030? Wie sieht die Stadt dann aus?

Hamburg hat sich in den letzten Jahren stark verändert; und das nicht immer positiv. Die anderen Parteien fordern eine wachsende Stadt um jeden Preis. Das hat zur Folge, dass immer mehr Flächen versiegelt werden, Grünflächen und Bäume verschwinden, der Verkehr und die Mieten steigen.

Derzeit wird dies alles kaschiert durch eine florierende Wirtschaft, aber es ziehen sehr dunkle Wolken auf. Ich werde mit meiner AfD alles dafür leisten, dass Hamburg wieder lebens- und liebenswert bleibt. Aber ich kann da keine günstige Prognose abgeben.

Wenn die linksgrüne Mehrheit so bleibt, dann landet der Karren immer tiefer im Schlamm. Von Linken in Beschlag genommene Gebäude wie die Rote Flora, würden wir gerne in bunte Kindergärten verwandeln.

TAG24: Den aktuellen Meinungsumfragen zufolge sieht es nach mehreren Koalitionsmöglichkeiten aus. Mit wem würden Sie nach der Wahl gerne regieren?

Es ist unrealistisch, dass die AfD an die Regierung in Hamburg kommt. Bei knapp 10 Prozent werden wir uns verbessern. Sicherlich wird auch die Wahlbeteiligung steigen, denn die AfD ist ein echter Demokratiemotor.

Unser Ziel ist es, weiterhin effektive Oppositionsarbeit zu leisten und die Altparteien unter Druck zu setzen. Wir werden den Finger weiter in die Wunde legen und Probleme - und insbesondere Ross und Reiter - beim Namen nennen.

TAG24: Herr Nockemann, wir danken Ihnen für das Interview!

Weitere Interviews zur Bürgerschaftswahl

TAG24 bat alle Spitzenkandidaten der in der Hamburgischen Bürgerschaft vertretenen Parteien um Interviews. Außerdem sind bisher erschienen:

Die Bürgerschaftswahl in Hamburg findet am Sonntag, 23. Februar, statt. Wenn Ihr noch unentschlossen seid, wem Ihr Eure Stimmen geben sollt, kann Euch der Wahl-O-Mat helfen.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa


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