Terrorverdacht! Ex-Zweitliga-Kicker droht in Türkei der Knast

Deniz Naki (27) spielte in der Saison 2012/13 beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn.
Deniz Naki (27) spielte in der Saison 2012/13 beim damaligen Zweitligisten SC Paderborn.

Diyarbakir - Der ehemalige Zweitliga-Profi Deniz Naki (27) hatte immer wieder die Kurdenpolitik der türkischen Regierung kritisiert. Nun steht er in Diyarbakir (Türkei) wegen "Terrorpropaganda" vor Gericht. Ein Facebook-Eintrag wurde ihm zum Verhängnis. Fünf Jahre Haft drohen.

Der Prozess wegen Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK beginnt am Dienstag in der Kurden-Metropole Diyarbakir im Südosten der Türkei. Deniz Naki erhält durch den Prozess viel internationale Aufmerksamkeit und Solidaritätsbekundungen, unter anderem von seinem ehemaligen Club FC St. Pauli.

Nakis Einsatz für die Minderheit der Kurden ist unübersehbar und hatte ihm schon in der Vergangenheit Ärger eingebracht. Wegen angeblicher Propaganda war er vom türkischen Fußballverband für zwölf Spiele gesperrt worden. Der Verband warf ihm "ideologische Propaganda" und "unsportliche Äußerungen" vor.

In dem Facebook-Eintrag (TAG24 berichtete), der nun für Ärger sorgt, schreibt Naki auf Türkisch: "Wir schulden all jenen Dank, die uns nicht alleine gelassen haben - den Politikern, Künstlern, Intellektuellen und unserem Volk - und wir widmen und schenken diesen Sieg jenen, die bei den seit mehr als 50 Jahren auf unserem Boden andauernden Grausamkeiten ihr Leben verloren haben und verletzt worden sind." Auf Kurdisch fügte er hinzu: "Es lebe die Freiheit." Das Wort "Azadi", kurdisch für "Freiheit", trägt Naki auch als Tätowierung auf dem linken Unterarm.

Der deutsch-türkische Fußballer spielte als Jugendlicher für Bayer Leverkusen, später für St. Pauli und den SC Paderborn. Vor drei Jahren wechselte er in die Türkei, 2015 dann nach Diyarbakir.

UPDATE, Dienstag (08. November), 10:45 Uhr: Deniz Naki ist in der Türkei vom Vorwurf der Terrorpropaganda freigesprochen worden. Das Gericht in der Kurdenmetropole Diyarbakir ist damit kurz nach Prozessbeginn einem überraschenden Antrag der Anklage gefolgt.