Hier gab es ein Naturschauspiel, doch dann kamen die Selfie-Jäger

Döbeln - Das war wahrlich ein Naturschauspiel: In einer Trauerweide in einem Döbelner Wohngebiet versammelte sich wochenlang eine Schar von Waldohreulen.

Siegfried Reimer (80) hat schon bis zu 14 Eulen gleichzeitig in der Trauerweide beobachten können.
Siegfried Reimer (80) hat schon bis zu 14 Eulen gleichzeitig in der Trauerweide beobachten können.  © Petra Hornig

Ein äußerst seltener Anblick. Doch Besucher, die scharf auf Selfies mit den Eulen waren, verjagten die Kolonie.

Bis zu 14 Tiere saßen in der Weide - so eine Ansammlung ist schon enorm. Nun sind die Vögel weg. Den ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten Siegfried Reimer (80) ärgert das:

"Eulen sind eine bedrohte Tierart und haben es sowieso schon schwer." Seit über 100 Jahren, weiß Reimer, kommen die nachtaktiven Jäger nach Döbeln. "In der Trauerweide finden sie Schutz vor Habichten, Sturm und Hauskatzen. Außerdem scheinen sie hier über den Winter genug Nahrung zu finden."

Die gefiederten Nachtjäger wurden zu einer kleiner lokalen Sensation, jeder wollte ein Foto der Nachtgreife. Doch den Tieren schmeckte das gar nicht und sie verließen ihr Winterquartier. Tagsüber seien die Leute unter den Bäumen stolziert, so Reimer. "Die Eulen haben sich vermutlich gestört gefühlt", mutmaßt Reimer. "Sie mögen es nicht, wenn man ihnen direkt in die Augen schaut, da fühlen sie sich bedroht.

Eigentlich, so Siegfried Reimer, bleiben die Vögel den gesamten Winter bis Februar.

Immer wieder kamen die lautlosen Nachtjäger zum Ausruhen in die Weide. Das ist jetzt offenbar vorbei.
Immer wieder kamen die lautlosen Nachtjäger zum Ausruhen in die Weide. Das ist jetzt offenbar vorbei.  © Jens Hoyer
Die Waldohreule hat die vielleicht imposantesten Lauschorgane aller Vögel.
Die Waldohreule hat die vielleicht imposantesten Lauschorgane aller Vögel.  © Dietmar Thomas

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