Unsozial! AWO macht die Tafeln dicht

Tafel-Chefin Elvira Illing (61) kann die Schließung nicht verstehen. Sie hatte sich stattdessen mehr Unterstützung erhofft.
Tafel-Chefin Elvira Illing (61) kann die Schließung nicht verstehen. Sie hatte sich stattdessen mehr Unterstützung erhofft.  © Thomas Türpe

Döbeln / Grimma - Heimlich, still und leise stellt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Mulde-Collm ab Juni die Tafeln ein. Wenn sich bis dahin kein neuer Betreiber findet, müssen sich 1.500 sozial schwache Haushalte noch mehr einschränken.

Besonders widerwärtig mutet das Verhalten des Sozialträgers den eigenen Mitarbeitern gegenüber an.

Seit 17 Jahren ist Elvira Illing (61) das Gesicht der Döbelner Tafel. Aufopferungsvoll kämpft sie dafür, dass derzeit 650 Haushalte - auch in Hartha, Leisnig und Rosswein - erschwinglich Lebensmittel des täglichen Bedarfs erhalten. Illing: "Weil ich ohne Vertretung bin, konnte ich nie wirklich in den Urlaub fahren. Wäre ich krank, hätte die Tafel zu." Sie nimmt das trotzdem auf sich, der Dankbarkeit der Armen wegen.

Mitte Dezember traf sie sich bei einer Scheckübergabe mit der AWO-Geschäftsleitung. Da plauderte man locker über die Zukunft der Tafeln, von einer Schließung war keine Rede. Eine Woche vor Weihnachten fand Elvira Illing dann die Kündigung in ihrem Briefkasten. Dabei war der Beschluss bereits am 1. Dezember im AWO-Vorstand gefallen.

Es klingt fast so, als hätte sie sich 17 Jahre lang den Hintern aufgerissen und wurde jetzt in denselben getreten. Elvira Illing: "Genau so fühle ich mich auch." Der langjährigen Kollegin von der Tafel in Grimma ging es ebenso.

Die AWO begründet den Schritt mit geänderten Rahmenbedingungen: Wegen mangelnder arbeitspolitischer Maßnahmen könnten die Leiterinnen nicht mehr ausreichend unterstützt werden. Geschäftsführer Daniel Schippan: "Hinzu kommt, dass sich die ordnungspolitischen Betriebsvorschriften geändert haben." Man könne die gebotene Qualität aus den personellen Gründen mittelfristig nicht mehr gewährleisten.

Der Tafel-Landesverband ist alarmiert, sucht derzeit händeringend einen Nachfolge-Träger.

Die AWO Mulde-Collm hat auf ihren Webseiten noch keine Erklärung für das Aus gegeben. Hier wird noch scheinheilig um Sponsoren und ehrenamtliche Mitarbeiter für die Tafel geworben.