Nach 78 Jahren! Letzter Traditions-Bäcker macht Ofen aus

"Von Herzen bedanken wir uns für Ihre Treue": Bernhard Schroth (59) und Frau Andrea (58) öffnen am Donnerstag das letzte Mal ihre Bäckerei.
"Von Herzen bedanken wir uns für Ihre Treue": Bernhard Schroth (59) und Frau Andrea (58) öffnen am Donnerstag das letzte Mal ihre Bäckerei.

Von Hermann Tydecks

Dölzschen - Der Dresdner Stadtteil Dölzschen verliert seinen letzten Bäcker: Nach 50 Jahren in der Backstube öffnet Meister Bernhard Schroth (59) mit seiner Frau Andrea (58) den Traditionsbetrieb Donnerstag das letzte Mal. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Gelbe Orchideen, ein Schlemmerpaket - und Kundentochter Emma (4) hat sogar ein buntes Bild gemalt: Wie viel der Familienbetrieb (mit vier Mitarbeitern) den Kunden bedeutet, lässt sich an den Abschiedsgeschenken erkennen.

"Die Schließung macht mich todtraurig. Ich habe hier schon als Vierjähriger Brötchen geholt", sagt Kunde Bernhard Rogosz (78).

Bäckermeister Bernhard Schroth führt den Familienbetrieb in dritter Generation, knetete schon mit neun Jahren die ersten Brötchen.

78 Jahre lang backte Familie Schroth hier Brot und Brötchen: 1937 eröffnete der Familienbetrieb an der Grenzallee in Dölzschen.
78 Jahre lang backte Familie Schroth hier Brot und Brötchen: 1937 eröffnete der Familienbetrieb an der Grenzallee in Dölzschen.

Sein Großvater eröffnete die Bäckerei an der Grenzallee in Dölzschen 1937. Seitdem wird echtes Handwerk betrieben.

18 Sorten Brötchen, 15 Brote, 20 Kuchen - bis auf Croissant-Rohlinge wird selbst geknetet und gebacken.

Donnerstag steht Bernhard Schroth ein letztes Mal um kurz vor zwei Uhr mitten in der Nacht auf, wirft den Ofen an.

Frau Andrea reicht von 6.30 bis 11 Uhr zum letzten Mal die beliebten „urigen Jungs“ (Vollkornbrötchen) über die Ladentheke.

"Wir schließen mit einem lachenden und weinenden Auge", sagt Andrea Schroth. "Die Stammkunden sind uns ans Herz gewachsen. Aber das Geschäft wurde in den letzten Jahren immer schwieriger."

Neben der Konkurrenz der Discounter mit Backstationen und billigeren Preisen macht dem Bäckermeister auch zunehmend die Gesundheit zu schaffen. Ein Dutzend Lehrlinge hat Bernhard Schroth ausgebildet.

Einen Nachfolger für seine Bäckerei hat er nicht gefunden.

Immer mehr kleine Betriebe geben auf

Laut Handwerkskammer gibt es 79 Bäckerei-Betriebe (ohne Filialen) in Dresden (2010: 84; 2003: 91). "Besonders betroffen von Schließungen sind kleine Familienbetriebe ohne Filialen", sagt Kammersprecherin Anke Richter (38).

"Grundsätzlich würden wir nicht von einem Bäckersterben sprechen, sondern von einem Strukturwandel. Denn die Anzahl der Betriebe sinkt, aber Umsatz und Beschäftigung sind konstant."

2015 begannen 15 Lehrlinge eine Bäckerausbildung (2000: 36).

Es gibt noch freie Stellen: www.hwk-dresden.de

1985 übernahm Bernhard Schroth den Backofen von Vater Johannes (F.).
1985 übernahm Bernhard Schroth den Backofen von Vater Johannes (F.).
Ein halbes Jahrhundert in der Backstube: Am Donnerstag macht Bäckermeister Bernhard Schroth den Ofen endgültig aus.
Ein halbes Jahrhundert in der Backstube: Am Donnerstag macht Bäckermeister Bernhard Schroth den Ofen endgültig aus.

Fotos: Ove Landgraf (4)


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