So gut ist der italienische Mafia-Kinofilm und "Oscar"-Kandidat "Dogman!"

Berlin - Krass! Mit diesem Wort lässt sich "Dogman" wohl am ehesten in der Kurzfassung beschreiben. Doch damit kratzt man nur an der Oberfläche. Denn der neue italienische Mafiafilm enthält sehr viele unterschiedliche Botschaften.

Marcello (Marcello Fonte) kommt mit seinem Gehalt als Hundefriseur nur gerade so über die Runden.
Marcello (Marcello Fonte) kommt mit seinem Gehalt als Hundefriseur nur gerade so über die Runden.  © PR/Alamode Film

Der Film beginnt mit einschüchterndem Hundegebell. Noch ist die Leinwand schwarz. Dann ist ein an einer Stahlkette angeleinter weißer Pitbull zu sehen, der alles andere als zahm ist, als der sanftmütige Hundefriseur Marcello (Marcello Fonte) in seinem Geschäft "Dogman" versucht, ihn vorsichtig zu säubern. Doch nach einiger Zeit fast der bedrohliche Hund Vertrauen und lässt Marcello machen.

Diese Szene steht sinnbildlich für den gesamten Film. Denn der Hund ist nicht die einzige "Bestie", mit der Marcello klarkommen muss.

Es gibt nämlich noch den bulligen Boxer Simone (Edoardo Pesce), der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und der die heruntergekommene süditalienische Küstenstadt aufgrund seiner gewalttätigen Ausbrüche und seiner einschüchternden Art komplett im Griff hat.

Der kokainsüchtige Mafioso terrorisiert die Ladenbesitzer und damit auch den herzensguten Marcello, der ihm immer wieder seine Drogen besorgen muss.

Körperlich hat der kleine Marcello gegen den großen und wuchtigen Simone, der immer wieder kriminelle Dinger dreht, keine Chance. Die Situation spitzt sich immer stärker zu. Wie wird es enden?

Marcello (Marcello Fonte) geht mit seinen Hunden in der heruntergekommenen süditalienischen Küstenstadt Gassi.
Marcello (Marcello Fonte) geht mit seinen Hunden in der heruntergekommenen süditalienischen Küstenstadt Gassi.  © PR/Alamode Film

Anhand der düsteren Atmosphäre dieses außergewöhnlichen Filmes erkennt man den Stil von Regisseur Matteo Garrone (Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra) wieder, der bekanntlich auch nicht an brutalen Sequenzen spart.

Die Gewalt - ob physisch oder psychisch - wird nicht verherrlicht, sondern immer nur zweckdienlich und fast schon nüchtern eingesetzt. Gerade deshalb erschüttern die teilweise ziemlich harten Sequenzen mitunter sehr - was natürlich genauso beabsichtigt ist.

Schließlich ist der gesamte Film eine kluge Parabel auf die desolate Lage im heutigen Italien und die Ausweglosigkeit, in die auch gute Menschen geraten und sich gegen die körperlich Stärkeren nicht wehren können. Bis sie selber zur Bestie werden.

Untermalt wird die ausweglose Situation, in der sich Marcello befindet, durch die ruhige Kameraführung, die in Verbindung mit den heruntergekommenen Landschaften und der realitätsnahen Inszenierung für eine bedrückende Stimmung sorgt.

Widerstand ist zwecklos: Gegen den ehemaligen Boxer Simone (Edoardo Pesce) hat der körperlich klar unterlegene und herzensgute Marcello (Marcello Fonte) keine Chance.
Widerstand ist zwecklos: Gegen den ehemaligen Boxer Simone (Edoardo Pesce) hat der körperlich klar unterlegene und herzensgute Marcello (Marcello Fonte) keine Chance.  © PR/Alamode Film

Diese wird immer wieder von Marcello und dessen angeborenem Optimismus durchbrochen. So gibt es auch einige witzige und hoffnungsspendende Sequenzen.

Wenn Marcello etwa mit seiner kleinen Tochter Alida (Alida Baldari Calabria) Urlaub in Kalabrien macht und mit ihr durch den Ozean taucht, entsteht eine kraftvolle Szene, was auch an den starken schauspielerischen Leistungen liegt.

Allen voran Fonte, der in seine Performance so viele Details einbaut und "Dogman" auf so überzeugende Art und Weise trägt, dass er den Preis für den besten Darsteller bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2018 gewann - eine riesengroße Auszeichnung!

Auch Pesce erweckt seine bedrohliche Figur Simone, die an einen tollwütigen, unkontrollierbaren Hund erinnert, stark zum Leben und spukt deshalb durchgehend in den Köpfen der Zuschauer herum.

"Dogman" ist ein starker und zurecht mit bereits zwölf Preisen ausgezeichneter, düsterer Film mit vielen Metaphern und intelligenten Anspielungen auf die Zustände im heutigen Italien.

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