Donald Trump will Begnadigung von Edward Snowden prüfen

Washington - 2013 sorgte Edward Snowden (37) mit seiner Flucht um die Welt für Schlagzeilen. Seine Enthüllungen waren für viele erschütternd, doch er zahlte dafür einen hohen Preis: ein Leben im Exil.

Laut US-Präsident Trump (74) seien "eine Menge Leute der Ansicht", dass mit Edward Snowden (37) nicht fair umgegangen wurde.
Laut US-Präsident Trump (74) seien "eine Menge Leute der Ansicht", dass mit Edward Snowden (37) nicht fair umgegangen wurde.  © Susan Walsh/AP/dpa und Jörg Carstensen/dpa

US-Präsident Donald Trump will nun eine Begnadigung des Whistleblowers prüfen, der vor sieben Jahren das ausufernde Überwachungssystem amerikanischer Geheimdienste enthüllte. 

Er sei zwar nicht besonders vertraut mit der Angelegenheit, "aber ich werde mir das ansehen", sagte Trump am Samstag (Ortszeit) auf eine entsprechende Frage von Reportern bei einer Pressekonferenz. Snowden bekam Asyl in Russland, wo er während seiner Flucht gestrandet war.

Die Frage an Trump kam auf, nachdem der Präsident der Zeitung "New York Post" gesagt hatte, eine Menge Leute seien der Ansicht, dass mit Snowden nicht fair umgegangen worden sei. 

Auch jetzt sagte Trump, es gebe unterschiedliche Meinungen zu Snowden: "Manche Leute denken, er sollte anders behandelt werden, andere denken er hat sehr schlimme Dinge getan."

Edward Snowden lebt aktuell im Asyl in Russland

Trotz der Verfahren gegen ihn trat Edward Snowden in den letzten Jahren immer wieder auf Konferenzen auf, meist per Video-Schalte.
Trotz der Verfahren gegen ihn trat Edward Snowden in den letzten Jahren immer wieder auf Konferenzen auf, meist per Video-Schalte.  © Wolfgang Kumm/dpa

Snowden hatte im Jahr 2013 mehreren Journalisten eine Vielzahl vertraulicher Dokumente des amerikanischen Abhördienstes NSA und seines britischen Partners GCHQ gegeben. 

Das Material offenbarte ein tief greifendes System der Internet- und Telekommunikationsüberwachung durch US-Geheimdienste und ihre britischen Verbündeten.

In den USA wurde Snowden der Spionage und des Diebstahls von Staatseigentum beschuldigt. Er floh zunächst nach Hongkong. Auf dem Weiterflug nach Ecuador strandete er auf einem Moskauer Flughafen, weil die US-Regierung seinen Reisepass annulliert hatte. 

Snowden bekam Asyl in Russland, nach einer Verlängerung aktuell bis 2020. Er versuchte vergeblich, in einem EU-Staat wie Deutschland oder Frankreich Asyl zu bekommen. 

Wegen der Veröffentlichung seiner Memoiren leitete die US-Regierung 2019 gegen ihn ein weiteres Verfahren wegen Verletzung seiner Schweigepflicht als ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter ein.

Enthüllungen von Edward Snowden haben die Welt verändert

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama wollte Snowden während seiner Amtszeit noch nicht begnadigen.
Der ehemalige US-Präsident Barack Obama wollte Snowden während seiner Amtszeit noch nicht begnadigen.  © Shafiq Hashim/BERNAMA/dpa

Snowden wurde für seine Enthüllungen international vielfach geehrt und ausgezeichnet. So erhielt er 2014 den Alternativen Nobelpreis "Right Livelihood Award". 

Auch in den USA hegen viele die Ansicht, dass Snowden der Gesellschaft mit der Aufdeckung der Überwachung einen Dienst erwiesen habe. Das Thema Datenschutz kam international verstärkt auf die Tagesordnung.

Die Folgen von Snowdens Enthüllungen wirken bis heute nach: Erst vor wenigen Wochen kassierte der Europäische Gerichtshof zum zweiten Mal eine Vereinbarung zur Übermittlung der Daten von Europäern in die USA, weil die Informationen dort nicht ausreichend geschützt seien.

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte eine Begnadigung Snowdens abgelehnt. "Ich kann niemanden begnadigen, der nicht von einem Gericht verurteilt wurde", sagte Obama 2016 dem "Spiegel" und der ARD. 

Barack Obama begnadigte 2017 Whistleblowerin Chelsea Manning

Die Whistleblowerin Chelsea Manning wurde 2017 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama begnadigt. (Archivbild)
Die Whistleblowerin Chelsea Manning wurde 2017 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama begnadigt. (Archivbild)  © Jens Kalaene/dpa

Allerdings haben US-Präsidenten bereits Personen begnadigt, die wegen der ihnen vorgeworfenen Taten nicht vor Gericht standen. 

Zum Ende seiner Amtszeit hatte Obama 2017 die verurteilte Whistleblowerin Chelsea Manning begnadigt. 

Manning hatte der Enthüllungs-Plattform Wikileaks diplomatische Korrespondenz und Militärunterlagen weitergegeben. Besonders bekannt wurde ein Video, in dem Zivilisten und Reporter im Irak von US-Truppen beschossen werden.

Titelfoto: Susan Walsh/AP/dpa und Jörg Carstensen/dpa

Mehr zum Thema Nachrichten:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0