Nach Razzia in Seefeld: Österreichische Radsportler gestehen Blutdoping

Wien/Erfurt - Der österreichische Radprofi Georg Preidler hat sich im Blutdopingskandal bei der Staatsanwaltschaft selbst angezeigt, kurz nachdem auch ein Tiroler Radfahrer Betrug zugegeben hat.

Georg Preidler bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.
Georg Preidler bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.  © DPA

Der 28-jährige Preidler gab seinen Schritt im Interviews mit der "Kronen Zeitung" und der "Kleinen Zeitung" bekannt. Preidler ist damit der bereits vierte österreichische Spitzensportler, der im Zusammenhang mit den Ermittlungen um das Netzwerk des Erfurter Sportmediziners Mark S. eine Verwicklung zugegeben hat.

"Ich hab‘ ein Doping-Geständnis abgelegt. Ich hab‘ mir Blut abnehmen lassen, es aber nie rückgeführt. Aber alleine der Gedanke und die betrügerische Absicht sind schon ein Delikt", sagte Preidler.

Für ihn seien die letzten Tage ein Alptraum gewesen, meinte der Österreicher. Sein französischer Groupama-FDJ-Rennstall gab am Montag bekannt, dass Preidler der Teamführung am Sonntag seinen sofortigen Rücktritt mitteilte. Zuvor war er fünf Jahre lang beim deutschen Team Sunweb (ehemals Giant-Alpecin) angestellt.

"Ich habe nicht mehr geschlafen, nicht mehr gegessen. Ich weiß nicht, ob ich überführt worden wäre. Ich weiß nicht, wie und ob dieser Doping-Arzt alles verschlüsselt hat. Aber ich konnte mit diesem Geheimnis nicht mehr leben", sagte Preidler.

"Diese Leute kommen auf einen zu, suchen dich aus. Alle meine Erfolge, etwa beim Giro, waren sauber. Ich war ohne Doping gut, habe nie etwas getrickst. Das macht einen interessant", sagte Preidler, der bei der Italien-Rundfahrt dreimal in die Top 30 gefahren ist.

Vor ihm hatte zudem der Tiroler Radprofi Stefan Denifl nach einer vorübergehenden Festnahme ein Geständnis abgelegt. "Gesellschaftlich bin ich unten durch. Die kommenden Wochen werden hart für mich. Ich weiß aber keine Namen von anderen Athleten. Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein internationales Erdbeben geben wird", meinte Preidler.

Kriminalbeamte sind sicher, dass es weitere Beschuldigte geben wird

Das österreichische Bundeskriminalamt erwartet, dass sich der Doping-Skandal rund um die Nordische Ski-WM im österreichischen Seefeld und den Erfurter Sportarzt Mark S. ausweitet. "Ich bin überzeugt davon, dass es noch weitere Beschuldigte geben wird", sagte der leitende Ermittler Dieter Csefan in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Weitere WM-Teilnehmer sind laut Csefan nicht betroffen: "Wir können ausschließen, dass es weitere Athleten in Seefeld gegeben hat, die von dieser Organisation bedient worden sind." Das gelte nach derzeitigem Ermittlungsstand auch für österreichische Betreuer.

Csefan zeigte sich erstaunt, mit welcher Dreistigkeit die mutmaßlichen Drahtzieher und die Sportler vorgegangen seien. "Das läuft schon seit Jahren, da gab es kein Unrechtsbewusstsein", sagte der Kriminalbeamte. Wie man aus den Vernehmungen wisse, bestehe der Kontakt der österreichischen Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf zu dem Arzt schon seit Jahren.

Die Ermittler werten derzeit unter anderem DNA-Spuren von mehreren in Seefeld beschlagnahmten Blutbeuteln aus. Die Vernehmung des Arztes und seiner mutmaßlichen Komplizen findet nach Csefans Angaben nächste Woche in München statt.

Titelfoto: DPA

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