Doping-Arzt aus Erfurt: ARD-Informant Johannes Dürr verurteilt

Erfurt - Im Fall des Dopings verdächtigtetn Sportarztes Mark S. aus Erfurt wartet die Thüringer Landesärztekammer erst den Ausgang des Strafprozesses gegen den Mann ab, bevor sie eine Entscheidung über den Entzug der Zulassung trifft. In der Zwischenzeit ist gegen Johannes Dürr das Urteil gefallen.

Mark S. bei seiner Festnahme in Erfurt.
Mark S. bei seiner Festnahme in Erfurt.

Das Strafrecht habe üblicherweise in einem solchen Fall Vorrang, sagte eine Kammersprecherin auf Anfrage.

Gegen den Mediziner, der im vergangenen Jahr festgenommen worden war, hat die Staatsanwaltschaft München im Dezember Anklage erhoben.

Ihm und vier mutmaßlichen Komplizen wird unter anderem die gewerbsmäßige und teilweise bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen.

Ein internationales Blutdoping-Netzwerk war im vergangenen Februar durch Ermittlungen und eine Razzia bei der Nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld aufgeflogen.

Die Spur führte zu dem Erfurter Mediziner. Der Prozess gegen den Arzt wird voraussichtlich erst in einigen Monaten stattfinden.

ARD-Informant wegen Dopings verurteilt

Johannes Dürr (re.) vor Beginn der Gerichtsverhandlung.
Johannes Dürr (re.) vor Beginn der Gerichtsverhandlung.  © DPA

Währenddessen wurde der ehemalige Langläufer Johannes Dürr am Montag wegen Dopings vom Landgericht Innsbruck zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Dem 32 Jahre alten Österreicher wurde neben dem eigenen Blutdoping auch vorgeworfen, zum Doping anderer Sportler beigetragen zu haben.

Letzteres sah das Gericht aber nur teilweise als erwiesen an. Dürr hatte sich zuvor teils schuldig bekannt und vor allem sein eigenes Blutdoping erneut eingestanden. Das Urteil ist rechtskräftig, da beide Seiten auf weitere Rechtsmittel verzichteten.

Dass er auch eine bedeutende Rolle als Vermittler und Helfer des Erfurter Sportmediziners Mark S. gespielt haben soll, bestritt Dürr in zentralen Punkten. Konkret wies er die Vorwürfe von sich, die ehemaligen Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf an Mark S. vermittelt zu haben, was diese behaupten.

Das Gericht folgte hier Dürrs Ansicht unter anderem aufgrund der Folgen, die Dürrs Äußerungen in einer ARD-Dokumentation für die beiden Sportler letztlich hatten. Hauke und Baldauf wurden in den vergangenen Wochen ebenfalls zu Bewährungsstrafen wegen Blutdopings verurteilt.

Dürr hatte mit seinen Aussagen in der Doku "Die Gier nach Gold" die Dopingermittlungen ausgelöst, die im Februar 2019 zur "Operation Aderlass" führten. 23 Sportlern wurden bei den Ermittlungen rund um das vermutete Netzwerk Blutdoping nachgewiesen.

Titelfoto: DPA

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