Nach Doping-Skandal in Seefeld: Haftbefehl gegen Erfurter Arzt erlassen

Erfurt - Es war DER Schock währende der Ski-WM in Seefeld am Mittwoch. Mehrere Sportler wurden teilweise auf frischer Tat beim Doping ertappt. Ein deutscher Arzt wurde in Erfurt festgenommen und der ist für die Ermittler kein Unbekannter.

Dr. Mark S. wurde am Mittwoch in Erfurt festgenommen.
Dr. Mark S. wurde am Mittwoch in Erfurt festgenommen.  © Jens Meyer/AP/dpa

Im Erfurter Stadtteil Rieth hat Dr. Mark S. seine Praxis, führt sie gemeinsam mit seiner Mutter und behandelt nicht nur normale Patienten, sondern auch über 50 Spitzensportler.

Fußballer, Schwimmer, Handballer und auch Radsportler sind darunter. Besonders dem Radsport und dessen Doping-Problem soll der Arzt schon länger nahe gestanden haben, so die Süddeutsche.

Früher sei er selber alpiner Skifahrer gewesen, kam nach seinem Studium als medizinischer Betreuer zum Radsport-Team Gerolsteiner. Das wurde nach immer mehr Doping-Fällen geschlossen, S. zog weiter zum Team Milram.

Wenige Jahre später konzentrierte er sich dann wieder auf seine Praxis, wird auch vom Landessportbund Thüringen für Sportler lizensiert. Der Skandal, der sich nun um den Mann dreht ist allerdings nichts das erste Mal, dass er mit verbotenen Substanzen in Verbindung gebracht wird.

Bereits vor zehn Jahren hatte Ex-Radprofi Bernhard Kohl ihn des Dopings beschuldigt. Kohl war für das Team Gerolsteiner gefahren, war des Blutdopings überführt worden. Laut seiner Aussage habe S. von den Machenschaften gewusst, der stritt alles ab.

2013 die nächsten Anschuldigungen eines Gerolsteiner-Fahrers. Stefan Schuhmacher belastete den Erfurter Arzt in seinem Prozess wieder schwer, doch nachweisen konnte man ihm nichts. Nun wurden S. und sein Vater, ein Anwalt, in Erfurt festgenommen.

Am Donnerstag soll er einem Richter vorgeführt werden, der darüber entscheiden muss, ob S. in Untersuchungshaft kommt. Kommt es zu einer Verurteilung, drohen dem Arzt bis zu zehn Jahre Haft. Zudem will die Ärztekammer hart gegen ihn vorgehen, was den Verlust seiner ärztlichen Zulassung bedeuten könnte.

Update 14.51 Uhr:

Der Landessportbund Thüringen hat nach der Festnahme eines Sportmediziners aus Erfurt der betroffenen Arzt-Praxis mit sofortiger Wirkung die Lizenz als "Sportmedizinische Untersuchungsstelle" in Thüringen entzogen. Dabei räumte der Verband eigene Versäumnisse ein. Denn bei der Fortschreibung der ursprünglich bis 2018 laufenden Lizenz um weitere vier Jahre entging dem LSB, dass in der Zwischenzeit der nun festgenommene Arzt in die Praxis eintrat.

"Diesen Umstand haben wir leider bei der Fortsetzung der Lizenz für die betroffene Arztpraxis nicht berücksichtigt. Wir haben an dieser Stelle nicht tiefgründig genug die bestehenden Dopingbelastungen im Prozess um die Anerkennung der Lizenzfortschreibung als sportmedizinische Untersuchungsstelle bewertet. Dies war falsch und wir müssen und wollen jetzt die Konsequenzen schnellstmöglich tragen und limitieren", sagte LSB-Präsident Stefan Hügel am Donnerstag.

Das Lizenzierungsverfahren werde auf den Prüfstand gestellt. Die Untersuchungsstellen führen in Thüringen die Feststellung der allgemeinen Sporttauglichkeit im Bereich der Landeskader D durch, sind aber nicht in die kontinuierliche sportmedizinische Betreuung von Spitzen- und Nachwuchssportlern eingebunden.

Update 15.21 Uhr:

Gegen den im Zusammenhang mit Doping-Razzien in Erfurt festgenommenen Sportmediziner ist ein Haftbefehl erlassen worden. Der Arzt werde nach einem Termin beim Ermittlungsrichter in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte ein Sprecher des Erfurter Amtsgerichtes am Donnerstag.

Titelfoto: Jens Meyer/AP/dpa

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