Doppelmord am Jungfernstieg: Angeklagter will nicht mehr vor Gericht

Hamburg - Der Angeklagte im Prozess um den Doppelmord an der Hamburger S-Bahnstation Jungfernstieg hat sich am Montag geweigert, den Gerichtssaal zu betreten.

Verteidiger Tim Burkert (rechts) hält den Ageklagten (Mitte) für verhandlungsunfähig (Archivbild).
Verteidiger Tim Burkert (rechts) hält den Ageklagten (Mitte) für verhandlungsunfähig (Archivbild).  © Martin Brinckmann/BILD/Pool/dpa

Da ein Schöffe erkrankt war und der Termin deshalb ohnehin ausfallen musste, verzichtete der Vorsitzende Richter auf Maßnahmen.

Der Prozess am Hamburger Landgericht soll am Freitag fortgesetzt werden.

Der 34-jährige Angeklagte aus dem westafrikanischen Niger hatte bei Prozessbeginn gestanden, seine Ex-Partnerin und die gemeinsame einjährige Tochter am 12. April 2018 vor den Augen zahlreicher Passanten mit einem Messer getötet zu haben (TAG24 berichtete).

Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit mit der ursprünglich aus Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) stammenden Frau sein.

Der Verteidiger betonte am Montag, er habe Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit seines Mandanten: "Es liegt ein massives Krankheitsbild vor."

Ein psychiatrischer Gutachter hatte in dem Verfahren ausgeschlossen, dass es sich um eine Affekttat handelte und sieht keine verminderte Schuldfähigkeit.

Deshalb hatte der Anwalt vergangene Woche erneut einen Befangenheitsantrag gegen den Experten gestellt und will einen anderen Sachverständigen hören (TAG24 berichtete). Die Entscheidung des Gerichts dazu steht noch aus.

Der Verteidiger betonte, das derzeitige Verhalten des Angeklagten sei keine "Prozess-Sabotage".

Der 34-Jährige sei nur auf einen Gedanken fixiert: Den Botschafter seines Heimatlandes sprechen zu wollen. Bis dahin wolle er nicht mehr am Prozess teilnehmen, sagte der Anwalt.

Titelfoto: Martin Brinckmann/BILD/Pool/dpa

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