Doppelmord am Jungfernstieg: Dieser wichtige Zeuge fehlt noch

Hamburg - Die Bluttat versetzte im April ganz Hamburg in einen Schockzustand: Mitten am Hamburger S-Bahnsteig Jungfernstieg wurden eine Frau und ihre einjährige Tochter brutal ermordet (TAG24 berichtete).

Der Angeklagte steht im Landgericht Hamburg neben seinem Anwalt Tim Burkert.
Der Angeklagte steht im Landgericht Hamburg neben seinem Anwalt Tim Burkert.  © DPA

Das Urteil im Prozess um den 34-jährigen Angeklagten könnte schon am 12. Dezember fallen. Doch eine Aussage fehlt noch. Die Beweisaufnahme sei noch nicht ganz abgeschlossen, sagte ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Doch sollten keine neuen Beweisanträge gestellt werden, könnten Staatsanwaltschaft und Nebenklage am Dienstag ihre Plädoyers halten, einen Tag später die Verteidigung.

Ein Urteil sei dann bereits am 12. Dezember möglich. Dem 34-jährigen Angeklagten wird der Mord an seiner Ex-Partnerin und der gemeinsamen Tochter (1) vorgeworfen. Die Tat hatte sich am 12. April auf einem belebten Bahnsteig in der Innenstadt ereignet.

Das Kind starb noch am Tatort, die Frau erlag ihren Verletzungen wenig später im Krankenhaus (TAG24 berichtete).

Der Angeklagte aus dem westafrikanischen Niger hatte die Tat gleich zu Verhandlungsbeginn eingeräumt. Was er ihnen angetan habe, sei "bei Gott eine Sünde" gewesen. Als im Gerichtssaal Notrufe vom Tattag abgespielt wurden, sackte der Mann schluchzend in sich zusammen (TAG24 berichtete).

Im Sommer 2017 hatten sich der Angeklagte und seine damalige Lebensgefährtin getrennt, es kam zum Sorgerechtsstreit. Immer wieder soll der 34-Jährige der Frau, die inzwischen einen neuen Freund hatte, gedroht haben. Er selbst bestreitet das.

Blumen liegen nach dem tödlichen Messerangriff auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg.
Blumen liegen nach dem tödlichen Messerangriff auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg.  © DPA

Am 11. April schließlich signalisiert ihm ein Familiengericht, dass sein Antrag auf ein gemeinsames Sorgerecht keine Aussicht auf Erfolg habe. Einen Tag darauf kam es zu der schrecklichen Tat.

Der Angeklagte habe sich mit einem orangenen Gegenstand in der Hand über den Buggy des Mädchens gebeugt, berichtete ein Zeuge im Prozess. "Ich hielt das für eine Mohrrübe."

Doch der Gegenstand sei nicht zum Mund, sondern mit einer Schnitt-Bewegung zur Kehle geführt worden, sagte der Ingenieur. Danach folgte die Attacke auf die Mutter.

Das sei keine Affekttat, er halte den Angeklagten für voll schuldfähig, sagte ein Psychiater bei einer Befragung durch die Richter.

Im Gespräch mit dem Psychiater hatte der Angeklagte erklärt, der neue Freund habe die Mutter verhext - deshalb habe sie ihm das Kind vorenthalten. Diese Annahme sei aber kein Zeichen für eine seelische Erkrankung, stellte der Psychiater nach Angaben eines Gerichtssprechers fest.

Den letzten Lebensgefährten der Mutter konnte das Gericht noch nicht verhören. Dabei befand auch er sich am Tatort und ist damit ein wichtiger Zeuge. Der ebenfalls aus Afrika stammende Mann war nicht erschienen, das Gericht konnte ihn nicht erreichen.

Titelfoto: DPA

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