Hier wird mit der Kettensäge aus Abfallholz Kunst gemacht

Tausende Schaulustige und Fans des Kettensägenschnitzens pilgern alljährlich im späten Frühjahr zum Huskycup.
Tausende Schaulustige und Fans des Kettensägenschnitzens pilgern alljährlich im späten Frühjahr zum Huskycup.  © Detlev Müller

Dorfchemnitz - Im sächsischen Wald in Blockhausen schnitzen Kettensägenkünstler wieder um den Weltcupsieg und ein Preisgeld von rund 10.000 Euro.

Blockhausen ist keine Siedlung. Es ist ein künstlicher Kultort. Tausende Schaulustige und Fans des Kettensägenschnitzens pilgern alljährlich im späten Frühjahr zum Huskycup auf der Lichtung hoch über der Straße zwischen Mulda und Dorfchemnitz. "Wir hatten hier schon 10.000 Besucher in den drei Tagen2, sagt Andreas Martin.

Zum 14. Mal veranstaltet der Gründer von Blockhausen bis Montag den dreitägigen Wettbewerb. In diesem Jahr messen sich 29 Teilnehmer aus zwölf Ländern. Bereits seit Montag der Vorwoche war ein Großteil der Künstler am Werk. Sie schnitzten an den sogenannten Hauptfiguren, die am Montag um 14.00 Uhr fertig sein sollten.

"Die großen Wildtiere Europas bei der Liebe oder im Kampf", lautete das diesjährige Motto. Im Vorjahr hieß das Thema "Wikinger überfallen ein Dorf".

Veranstalter Andreas Martin, der "Sauensäger".
Veranstalter Andreas Martin, der "Sauensäger".  © Detlev Müller

Ab Samstag standen auch die Schnellschnitz-Wettbewerbe (Speedcarving) auf dem Programm. Dabei misst sich ein deutsches Team mit einer gemischten Auswahl aus Tschechien und der Slowakei. Die Stücke aus dem Schnellschnitz-Wettbewerb werden versteigert - Sieger im Speedcarving wird, wer den höchsten Versteigerungserlös erzielt. In den beiden Jahren zuvor hatte der Gastgeber sowohl gegen Großbritannien als auch gegen die USA gewonnen.

Begonnen hat alles 1996. Andreas Martin, der mit Vorliebe wilde Schweine geschnitzt hat und deswegen den Spitznamen "Sauensäger" trägt, erwarb von der Treuhand Wald und lernte bei einem Kanadier in Bad Segeberg, wie man ein Blockhaus baut. Zwei Jahre später stand sein erstes Haus aus Stämmen. 2004 rief der 60-Jährige dann den Huskycup ins Leben - acht Schnitzer aus Deutschland waren bei der Premiere dabei. Sechs Jahre später gab der Europameister von 2007 seinen Job als Revierförster im Forstbezirk Marienberg auf, um sich hauptberuflich um den Huskycup und Blockhausen zu kümmern.

Michael Tamoszus (48) aus Herrenberg ist zum 4. Mal zum Wettbewerb in Blockhausen. Hier sägt er einen Bären mit zwei Wölfen im Kampf.
Michael Tamoszus (48) aus Herrenberg ist zum 4. Mal zum Wettbewerb in Blockhausen. Hier sägt er einen Bären mit zwei Wölfen im Kampf.  © Detlev Müller

Logistisch ist das Sägefestival eine Mammutaufgabe. Aus einem geschätzten Etat von 60.000 bis 70.000 Euro bekommt jeder Teilnehmer aus Übersee den Flug erstattet.

Kost und Logis für jeden Wettkämpfer und einen Assistenten werden übernommen. Über das ganze Jahr wird das Holz gesammelt: Stämme von 300 bis 400 Jahre alten Eichen im Wert von 15.000 bis 20.000 Euro. "Die weitesten Stücke kamen aus Eberswalde", erzählt Martin und betont, dass das Wettkampfholz Abfallholz ist. "Es werden für uns nicht extra Eichen gefällt."

Aufgereiht am Berghang stehen die Schnitzgärten, viele mit einem Pavillon als Unterstand. Je nach Feinheit der Arbeiten kommt eine andere Säge zum Einsatz. Jeder Künstler hat fünf bis sechs Geräte dabei - fast alle benzinbetrieben. 720 Liter Sprit hat Andreas Martin dafür gebunkert.

Nach der Abreise der Schnitzer zieht von Dienstag an wieder Ruhe ein in den Wald. Die Wanderer erobern die Wege zurück, 30.000 bis 40.000 kommen nach Angaben des "Sauensägers" jährlich durch Blockhausen.

Titelfoto: Detlev Müller


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