Hartz IV-Empfänger muss betteln, die Reaktion des Jobcenters macht sprachlos

Das Jobcenter in Dortmund zeigte sich knallhart und kürzte die Leistungen.
Das Jobcenter in Dortmund zeigte sich knallhart und kürzte die Leistungen.

Dortmund - Michael Hansen sitzt mit seinem Hund in der Fußgängerzone. Er sieht, wie gut gekleidete Passanten an ihm vorbeilaufen, der eine oder andere bleibt kurz stehen und wirft ein paar Münzen hinunter.

Manche sind auch nicht ganz so freundlich und beschimpfen ihn. Der 50-Jährige bettelt, weil seine Frau und er in einer Hartz IV-Bedarfsgemeinschaft leben, doch die 760 Euro, die beide vom Jobcenter zusammen bekommen, reichen gerade einmal bis Monatsmitte.

Zu faul zum Arbeiten sei er nicht, sagt er, doch er hat eine schwere Vergangenheit hinter sich, wie die Ruhrnachrichten berichten. Er wuchs in einem Heim auf, habe nach eigenen Angaben kein Glück gehabt und keine Ausbildung gefunden, dafür ist er mehrfach vorbestraft. Lediglich in Zeitarbeitsfirmen war er immer mal kurzfristig beschäftigt. Seit 2005 bekommt er Hartz IV, einige kleine Unterbrechungen waren dabei.

Michael Hansen muss betteln, weil Hartz IV nicht reicht. (Symbolbild)
Michael Hansen muss betteln, weil Hartz IV nicht reicht. (Symbolbild)  © DPA

Das mit dem Betteln funktionierte auch einige Zeit ganz gut, allerdings reichen die Einnahmen natürlich niemals, um zu Überleben, oder sich über einen halben Monat zu retten, bis das nächste Geld vom Jobcenter kommt. Das sieht die Institution jedoch völlig anders.

Denn im Januar 2017 sah eine Mitarbeiterin des Centers Hansen auf der Straße, wenig später flatterte ihm die Vorladung für einen Termin ins Haus. Konsequenz: Das Jobcenter stufte sein Betteln als selbständige Tätigkeit ein. Er wurde aufgefordert, die Einnahmen offenzulegen, ebenso die Ausgaben von ihm und seiner Frau anhand eines Buches.

Ab August wurden ihm dann 300 Euro abgezogen. Hansen nahm sich eine Rechtsanwältin, die legte Einspruch ein und erkämpfte immerhin, dass später 120 Euro abgezogen wurden, mittlerweile noch 90. Laut des Gesetzbuches hat das Jobcenter korrekt gehandelt, doch emotional ist diese Entscheidung nur schwer zu vermitteln.

Zudem wissen die Menschen, die etwas Gutes tun wollen und Hansen ein paar Münzen, oder im besten Fall mal einen 5-Euro-Schein in die Mütze werfen, sicher nichts von den Bestimmungen und somit auch nicht davon, dass sie nicht helfen, sondern Hansen in Schwierigkeiten bringen. Ein schwieriger Spagat, wenn man einem bedürftigen Menschen helfen möchte.

Wie der Jobcenter-Sprecher Michael Schneider den Ruhrnachrichten sagte, seien Menschen, die eine Grundsicherung bekommen, nicht aufs Betteln angewiesen. Ob er selbst schon einmal probiert hat, mit seiner Frau gemeinsam von 730 Euro im Monat zu leben, ist nicht überliefert.


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