Bürgermeister fordert Absetzung des Dortmunder Tatorts!

Dortmund – Vermittelt der "Tatort" aus Dortmund ein allzu klischeebeladenes Bild von der Stadt? Dieser Meinung ist Oberbürgermeister Ulrich Sierau (62), der seine harsche Kritik in einem offenen Brief an WDR-Chef Tom Buhrow geäußert hat.

Der Dortmunder Tatort "Zorn" veranlasste Oberbürgermeister Ulrich Sierau (62) zu einem offenen Brief an WDR-Chef Tom Buhrow.
Der Dortmunder Tatort "Zorn" veranlasste Oberbürgermeister Ulrich Sierau (62) zu einem offenen Brief an WDR-Chef Tom Buhrow.  © Bild-Montage dpa/dpa

Ausgerechnet der 13. Fall des Tatort-Teams mit dem Titel "Zorn" machte den Oberbürgermeister wütend. Dabei geht es Sirau weniger um den Krimi, sondern um die Darstellung "seiner" Stadt Dortmund.

In dem TV-Krimi wurden unter anderem die Folgen des früheren Bergbaus in der Region thematisiert, wobei einige der Darsteller ihren Frust mit Alkohol betäubten. Durchschnittlich 9,22 Millionen Zuschauer hatten die Folge am Sonntag im Ersten verfolgt.

Zu Beginn der "Tatort"-Folgen (2012) habe sich Sierau noch gefreut, dass Dortmund in den Kreis der Städte mit einem eigenen Tatort aufgenommen worden sei. Die Vorfreude sei allerdings schnell gewichen.

Sirau kritisiert: "Das Bild, das am Sonntag über die Orte der Handlung in Dortmund und Marl sowie über die gesamte Region zu bester Sendezeit bundesweit vermittelt wurde, ist an Klischeehaftigkeit nicht mehr zu überbieten."

Und der OB geht noch weiter mit seiner Abrechnung. Er wirft den Machern des Tatort "fortwährendes Mobbing gegenüber einer Stadt, einer Region sowie den dort lebenden Menschen" vor.

Harte Kritik am WDR

Zu plump? Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) befragen den betrunkenen Zeugen Stefan Kropp (Andreas Döhler).
Zu plump? Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon, M) befragen den betrunkenen Zeugen Stefan Kropp (Andreas Döhler).  © DPA

Ihm sei bewusst, dass ein TV-Krimi keine Dokumentation sei. Sierau findet aber, dass auch ein Krimi-Drehbuch "ein Mindestmaß an Bezug zur Realität" vorweisen sollte.

Um seine Sicht zu verdeutlichen, bringt er einen Vergleich: "Stecken Sie die Münchener Kommissare in Lederhosen und lassen Sie diese minutenlang Schuhplatteln - es wäre derselbe Effekt, es wäre genauso daneben."

Die Macher dieser Folge gäben "die Menschen einer Region der Lächerlichkeit preis, in dem sie diese Bier trinkend in Trainingsanzügen vor heruntergekommenen Häusern herumstehen lassen". Mehr Klischee gehe nicht.

Dann richtet OB Sierau seine Kritik direkt an den Sender: "Durch die Verbreitung dieser "Ruhrpott-Klischees" aus den 80ern disqualifiziere der WDR die Menschen und sich selbst als produzierender Sender." Die Darstellung sei "plump" und vernachlässige völlig den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Schließlich sei die letzte Zeche in Dortmund 1987 geschlossen worden.

Er schließt den offenen Brief mit einer der spitzen Bemerkung: "Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Dortmund-Tatort einstellen und Kommissar Faber und sein Team in den vorzeitigen Ruhestand schicken würden."

Ulrich Sierau ist seit fast zehn Jahren Oberbürgermeister in Dortmund. Der WDR wollte eine Stellungnahme prüfen.

Das sagt der WDR

Der WDR hat folgende Stellungnahme zum offenen Brief des Dortmunder Oberbürgermeisters veröffentlicht:

"Der WDR zeigt in seinen vielen Dortmunder Tatort-Folgen ein vielschichtiges Bild der Stadt, etwa durch diverse Milieus und Drehorte wie den Phoenixsee, den Westfalenpark oder das Dortmunder „U“.

Der Tatort ist Fiktion – aus dramaturgischen Gründen wird auch verdichtet und zugespitzt. Dadurch können einzelne Szenen von den einen als Klischees empfunden werden, von anderen als realitätsnahe Darstellungen. Das polarisiert, löst Debatten aus – das ist aus unserer Sicht nicht negativ, sondern bereichernd."

Die Publikumsreaktionen auf die Tatorte aus Dortmund seien im Übrigen überwiegend positiv, bei den letzten öffentlichen Vorführungen in Dortmund habe es sehr viel Applaus gegeben.

Titelfoto: Bild-Montage dpa/dpa


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