Der Drehorgel-Mann vom Theaterplatz ist tot!

Hier stand Jochen Schalk seit 1993 (!) immer: am Theaterplatz - im Durchgang zwischen Schloss und Hofkirche.
Hier stand Jochen Schalk seit 1993 (!) immer: am Theaterplatz - im Durchgang zwischen Schloss und Hofkirche.  © Thomas Türpe

Dresden - Das Dresdner Stadtbild ist um ein echtes Original ärmer. Jochen Schalk (77) alias Drehorgel Schalk ist (wie erst jetzt bekannt wurde) bereits vor einigen Tagen gestorben.

Der Orgelspieler, der Tag für Tag durch die Altstadt zog und mit seinen Liedern vor allem die Touristen erfreute, erlag einem Lungenkrebsleiden, an dem er seit Jahren litt.

Über die Zeit gelang es ihm immer wieder, Fotos mit den ganz Großen dieser Welt zu machen. Politiker, Prominente, Stars... wenn sie Dresden besuchten, versuchte Schalk in ihre Nähe zu kommen und ein Bild zu ergattern.

In den letzten Jahren fuhr das Leben des Jochen Schalk, der 1993 von Bad Salzuflen (NRW) nach Dresden gezogen war, allerdings Achterbahn. Erst die Diagnose Lungenkrebs, dann 2013 plötzlich ein unerwartetes Erbe.

Von der höheren sechsstelligen Summe kaufte sich Schalk zwei wunderschöne Oldtimer und versuchte sich mit einem Chauffeur-Dienst, stand mit seinen Wagen oft vor der Frauenkirche.

Fahren konnte er aber nicht mehr gut, denn eine Augenkrankheit und folgende OPs ließen ihn immer schlechter sehen. Als er es dennoch versucht, baute er Ende 2015 einen Unfall auf dem Neumarkt und verletzte dabei sechs Menschen leicht (TAG24 berichtete).

Am Ende funktionierte das Chauffeur-Geschäft nicht. Das Geld rann Schalk durch die Finger, ein Familienstreit um die Finanzen kam dazu.

Zuletzt zog sich Schalk, der lange auch direkt auf der Wilsdruffer Straße in der Dresdner Stadtmitte wohnte, aus der Öffentlichkeit zurück.

Am Sonnabend wird seine Urne auf einem Coswiger Friedhof beerdigt.

Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid mochten Jochen Schalk und plauderten hin und wieder miteinander.
Sachsens ehemaliger Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und seine Frau Ingrid mochten Jochen Schalk und plauderten hin und wieder miteinander.  © Jörn Haufe
Im September 2001 besuchte Russlands Präsident Putin die Stadt Dresden. Kurt Biedenkopf führte den Russen bei Schalk vorbei.
Im September 2001 besuchte Russlands Präsident Putin die Stadt Dresden. Kurt Biedenkopf führte den Russen bei Schalk vorbei.  © Jörn Haufe
Jochen Schalk (li.) zeigte im Januar 2014 stolz einen seiner Oldtimer.
Jochen Schalk (li.) zeigte im Januar 2014 stolz einen seiner Oldtimer.  © Thomas Türpe

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0