Dreister Kunst-Diebstahl! Gemälde aus Gericht geklaut!

Das Bild „Chummehorn, auch gut“ wurde geklaut und auf dem Flohmarkt verkauft.
Das Bild „Chummehorn, auch gut“ wurde geklaut und auf dem Flohmarkt verkauft.

Von Steffi Suhr

Dresden - Eigentlich verknacken seine Kollegen täglich Ganoven, die mit geklauter Ware handeln. Nun sucht aber Hans Strobl (59), Präsident des Amtsgerichtes Dresden, selbst händeringend nach Hehlerware!

Ein Bild das ausgerechnet bei der Justiz geklaut wurde.

Das war dreist: Gefilmt von einer Überwachungskamera klaute Mitte April ein Dieb auf dem Flur der 4. Etage (Familienabteilung) ein Original von Robert Schmiedel.

Der Künstler hatte, wie schon viele vor ihm, das Angebot des Präsidenten genutzt, seine Werke im Justiztempel auszustellen - zugänglich für alle.

„Beim Rausgehen wird ja niemand kontrolliert“, sagt Hans Strobl. So konnte der Dieb unbehelligt mit der getuschten Schweizer Berglandschaft „Chummehorn, auch gut“ (32 mal 22 Zentimeter) im antikem Rahmen davon schlendern.

Hans Strobl (59), Präsident des Dresdner Amtsgerichtes an der Stelle des geklauten Bildes.
Hans Strobl (59), Präsident des Dresdner Amtsgerichtes an der Stelle des geklauten Bildes.

Die Federzeichnung ist mit etwa 1200 Euro bewertet. „Aber für den Künstler ist es unverkäuflich, in dem Sinne also unbezahlbar“, erklärt Strobl.

Auch der Künstler ist schockiert: „Mit so viel Frechheit, ein Bild im Gericht zu stehlen, hätte ich nicht gerechnet“, sagt Robert Schmiedel (43).

Zum Glück wurde der Dieb, ein justizbekannter Ganove (56) auf dem Überwachungsvideo erkannt. Bei der Durchsuchung der Wohnung fand sich aber „nur“ ein geklautes Öl-Gemälde aus der Kirchgemeinde an der Reckestraße.

Das Bild aus dem Amtsgericht war weg, aber der Dieb gestand die Tat. „Angeblich hat er es auf dem Flohmarkt für 30 Euro verkauft“, sagt Strobl entsetzt. „Wir bitten nun sehr, dass sich der Käufer meldet und das Bild zurückgibt.“

Klar ist: Eigentümer wird der Käufer des „Flohmarkt“-Bildes nicht. „Es ist ein Bild aus einem Diebstahl. Also Hehlerware. Es gehört immer noch dem Künstler“, so der Gerichtspräsident.

„Es kann bei der Polizei oder bei uns abgegeben werden. Aber wir hätte es gern wieder, um es dem Künstler zurückzugeben“, bittet der Jurist.

Der Maler appelliert an den Käufer: „Das Bild bedeutet mir sehr viel. Es ist der Beginn meiner ‚Bergzeichnungen‘. Mit diesem Bild verbinde ich sehr viele Erinnerungen. Ich würde es für kein Geld der Welt verkaufen. Ich hoffe sehr, dass es zurückgegeben wird.“

Übrigens: Der Käufer hat - soweit er das Bild gutgläubig kaufte, kaum juristische Konsequenzen zu erwarten.

Wer die unersetzliche Kunst aber kaufte, im Wissen, was sie wert ist und woher sie stammt, ist wegen Hehlerei (Paragraf 259 StGB) dran. Dem drohen bis zu fünf Jahren Knast.

Fotos: Holm Helis, PR


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