Bittere Rückkehr! Hier verlor ich als Kind meinen Vater!

Ehefrau Silke (52) begleitete Gunter Baldauf (53) gestern an die Weixdorfer Rennstrecke.
Ehefrau Silke (52) begleitete Gunter Baldauf (53) gestern an die Weixdorfer Rennstrecke.

Von Uwe Blümel

Dresden - Gunter Baldauf (53) aus Ohorn brauchte 44 Jahren, um gegen das Trauma seines Lebens anzukämpfen: Am Samstag wagte er sich zum ersten Mal wieder auf die legendäre „Autobahnspinne“, auf der er fast einmal gestorben wäre.

Zuletzt war Baldauf am Sonntag, dem 5. September 1971, als Zehnjähriger mit seinem Vater auf der „Spinne“. Es sollte der letzte gemeinsame Ausflug von Vater und Sohn gewesen sein. Eine umgebaute „Wartburg-Zigarre“ mit 1000-cm3-Motor erfasste plötzlich seinen Vater Wolfgang († 32), brach ihm das Rückgrat - tot.

Sohn Gunter überlebte wie durch ein Wunder: „Ich wurde sechs Meter durch die Luft geschleudert, meine Schädeldecke weggesprengt. Ich lag drei Monate in der Uniklinik im künstlichen Koma.“ Es dauerte zehn Jahre, bis das handgroße Loch in seinem Kopf durch Knorpelwuchs verschlossen war. „Ich durfte keinen Fußball spielen, nicht radeln, keine Kopfsprünge machen.“ Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus.

Der damals 41-jährige Manfred Lesche verlor in einer Spitzkehre die Beherrschung über seinen Rennwagen.
Der damals 41-jährige Manfred Lesche verlor in einer Spitzkehre die Beherrschung über seinen Rennwagen.

Nie wieder traute sich Gunter zu einem Rennen an die „Spinne“, die jetzt wieder aller zwei Jahre stattfinden. Er hasste Rennfahrer, weil sie ihm seinen Vater genommen hatten.

Bis jetzt. Denn gemeinsam mit seiner Ehefrau Silke (52) machte er sich auf den schwersten Weg seines Lebens.

Nach 44 Jahren besuchte er erstmals wieder den Unglücksort während eines „Spinne“-Rennens. Aus den Lautsprechern hörte er noch einmal die Namen der Rennfahrer von damals, sah die Renn-Oldtimer herumkurven.

„Sogar die Strohballen, die die Strecke absicherten, sehen aus wie am Unfalltag“, sagte er. Dann reichte er sogar einem Rennfahrer die Hand. „Das war wie eine Befreiung.“

Der Hass war weg. So kehrte am Samstag ausgerechnet am Unglücksort seines tragischen Schicksals der letzte Rest Normalität in Baldaufs Leben zurück.

Baldauf ließ sich von Toni Zeiler (39) aus Ottendorf-Okrilla seinen Original-„Wartburg Super Sport“ erklären. Dann reichten sich Unfallopfer und Rennfahrer spontan die Hände.
Baldauf ließ sich von Toni Zeiler (39) aus Ottendorf-Okrilla seinen Original-„Wartburg Super Sport“ erklären. Dann reichten sich Unfallopfer und Rennfahrer spontan die Hände.
„Kein Kopfsprung, kein Radfahren“: Zehn Jahre lang musste Gunter Baldauf als Kind diese Mütze als Kopfschutz tragen.
„Kein Kopfsprung, kein Radfahren“: Zehn Jahre lang musste Gunter Baldauf als Kind diese Mütze als Kopfschutz tragen.
Ein solcher umgebauter Formel-III-Wartburg (Spitzengeschwindigkeit: 235 km/h) raste damals in das Vater-Sohn-Pärchen an der „Spinne“.
Ein solcher umgebauter Formel-III-Wartburg (Spitzengeschwindigkeit: 235 km/h) raste damals in das Vater-Sohn-Pärchen an der „Spinne“.

Fotos und Repro: Steffen Füssel


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