Hitze, Bakterien, Krankheiten: So schlimm steht es um unsere Bäume

Dresden - Hitze, Trockenheit und Schädlinge setzen den Stadtbäumen zu. Nach zwei extremen Jahren ist jetzt klar: Mindestens 700 Bäume im Stadtgebiet sind tot und müssen gefällt werden. Das Rathaus steuert mit neuen Arten gegen.

Die große Buche am Albertplatz ist mittlerweile abgestorben.
Die große Buche am Albertplatz ist mittlerweile abgestorben.  © Thomas Türpe

Aktuell hat die Verwaltung 300 abgestorbene Straßenbäume und 400 tote Bäume im Stadtwald registriert, darunter alleine 250 Kiefern im Waldpark Blasewitz.

200 Bäume wurden bereits gefällt, die Stürme der letzten Jahre haben 300 weitere Bäume auf dem Gewissen. Extremes Beispiel sind die gigantischen Rotbuchen auf dem Albertplatz.

"Die Bäume stammen aus der Zeit, als der Platz angelegt wurde. Einer ist bereits tot, der andere hat nicht mehr lange", so Steffen Löbel (53), Sachgebietsleiter Stadtbäume im Rathaus.

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Die Gründe sind vielfältig. Teils sind die Bäume alt, teils befallen sie Krankheiten. "Trockenheit und Hitze tragen zum Aussterben bei", so Baumchef Löbel weiter. Die Stadt pflanzt jetzt neue Arten, die im Mittelmeerraum oder in Asien heimisch sind. So kommen vermehrt Italienischer Ahorn, Französischer Burgenahorn, aber auch Linden und der Woll-Apfel zum Einsatz.

Andere Bäume haben den Kampf mit dem neuen Klima oder aktuell aggressiven Schädlingen verloren. "Wir werden keinen Bergahorn mehr pflanzen. Die Dohnaer Straße steht voll davon, dieses Bild wird sich ändern", so Steffen Löbel weiter. Auch Kastanien werden nicht mehr gepflanzt. Bakterien, übertragen durch Luft und Niederschlag, führen zum Absterben vor allem von Jungbäumen.

Aktuell schafft es die Stadt, im gleichen Maße nachzupflanzen wie gefällt werden muss. Das wird jedoch immer schwerer. Die Preise für neue Bäume werden um 20 Prozent steigen. Ein Tribut an die Hitze: Knapp 8000 Bäume werden in Dresden gewässert, 3500 davon durch externe Firmen, 2000 Jungbäume von der Feuerwehr.

Giftbäume von der Cockerwiese werden Sondermüll

Dresdens Baumchef Steffen Löbel (53) sorgt sich um den Zustand der Bäume am Straßenrand.
Dresdens Baumchef Steffen Löbel (53) sorgt sich um den Zustand der Bäume am Straßenrand.  © Thomas Türpe

Nein, diese Herren sind keine Kosmonauten! Unter extremen Sicherheitsvorkehrungen werden derzeit an der Lennéstraße (Höhe Cockerwiese) von der Rußrindenkrankheit befallene Bergahornbäume gefällt.

Neben der extremen Bruchgefahr kann der Kontakt mit den Bäumen auch krank machen. Pilzsporen können eingeatmet werden und allergische Reaktionen auslösen.

Weil beim Fällen der Bäume besonders viele Partikel aufgewirbelt werden, rückten Arbeiter ausschließlich mit Mundschutz und kompletter Schutzbekleidung an.

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Auf ausgelegten Planen wurden die Stämme dann nochmals in Folie eingewickelt. Der Container zum Abtransport der als Sondermüll deklarierten Bäume wurde mit einer weiteren Schutzschicht bedeckt.

Unglaublich: "Es gab dennoch Anfragen von Bürgern, ob sie das Holz zum Verfeuern bekommen können. Wir haben abgelehnt", so Dresdens Baumchef Steffen Löbel (53).

Ruft die Stadt den Klima-Notstand aus?

Gilt in Dresden bald der Klima-Notstand? Eine Petition, mit der sich demnächst der Stadtrat auseinandersetzen muss, fordert genau das. Konkret müsste Dresden dann die "Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit bei jeglichen Entscheidungen berücksichtigen".

Als erste Stadt in Deutschland erklärte Koblenz im Mai 2019 den "Klima-Notstand". Grundsätzlich handelt es sich um eine symbolische Selbstverpflichtung einer Stadt, künftig noch mehr auf die Öko-Bilanz des eigenen Handelns zu achten.

Die enorme Trockenheit setzt den Bäumen in der Stadt enorm zu.
Die enorme Trockenheit setzt den Bäumen in der Stadt enorm zu.  © Thomas Türpe
Schlimm: 700 Bäume im Stadtgebiet sind bereits abgestorben.
Schlimm: 700 Bäume im Stadtgebiet sind bereits abgestorben.  © Thomas Türpe
Nur mit Schutzkleidung trauen sich Experten an die giftigen Ahornbäume heran.
Nur mit Schutzkleidung trauen sich Experten an die giftigen Ahornbäume heran.  © Thomas Türpe
Ein Mitarbeiter der Firma Cityforest in Schutzkleidung zeigt einen bruchgefährdeten Stamm.
Ein Mitarbeiter der Firma Cityforest in Schutzkleidung zeigt einen bruchgefährdeten Stamm.  © Thomas Türpe

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