Justizposse um falschen Fuffziger in Tanzbar

Dresden - Ein falscher Fuffziger beschäftigt derzeit das Amtsgericht Dresden. Taha B. (28) orderte im "Danceclub Blue" Getränke. Allerdings zahlte er mit einem falschen Fünfzig-Euro-Schein. Laut Gesetz ist das vorsätzliches Inverkehrbringen von Falschgeld. Nun der Prozess. Unfassbare drei Jahre nach dem Vorfall!

Im "Danceclub Blue" tauchte eine "Blüte" auf. Jetzt ist Prozess am Amtsgericht.
Im "Danceclub Blue" tauchte eine "Blüte" auf. Jetzt ist Prozess am Amtsgericht.  © Steffen Schulze

Taha sagte: "Ich hatte mein Auto verkauft und deshalb einen großen Schein. Den habe ich Tage vorher in einer anderen Disko gewechselt, als ich Getränke holte. Nur so kann ich mir erklären, wie ich ans Falschgeld kam."

Diskotheker Tom Z. (32): "So eine gute Fälschung fällt nur auf, wenn man, wie unser Barkeeper, ständig Geldscheine in der Hand hat. Herr B. war sehr kooperativ und war wirklich erstaunt." Polizist Michael B. (42): "Die Fälschung hätte man als Laie nicht mal bei Tageslicht erkannt."

Vorsatz konnte Taha so schwerlich nachgewiesen werden. Aber Freispruch beantragte der Staatsanwalt nicht.

Den zu beantragen wäre "nicht so günstig" für den Kollegen, der die Anklage verfasste! Will heißen, wenn die Behörde anklagt, will sie auf Biegen und Brechen ein Urteil. So wird weiter verhandelt. Beim nächsten Mal sollen sich alle die Scheine noch einmal ansehen ...

Taha B. will nur eins: "Alles schnell hinter mich bringen." Der Mann spricht perfekt deutsch, hat inzwischen eine kleine Familie, geht kellnern, kämpfte lange für die Anerkennung seines Abiturs aus Tunesien und kann demnächst ein duales Studium anfangen.

"Dafür muss ich extra nochmal nach Chemnitz, zur Deutschprüfung", sagt er. Kurz: Er hat eigentlich ganz andere Probleme ...

Taha B. (28) erklärte dem Richter, wie er vermutlich ans Falschgeld kam.
Taha B. (28) erklärte dem Richter, wie er vermutlich ans Falschgeld kam.  © Steffen Schulze

Schein- Justiz

Von Steffi Suhr

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Nicht schlimm, solange alle damit umgehen können, das Fehler passieren.

Aber die Staatsanwaltschaft hält sich im Fall um einen falschen Fünfzig-Euro-Schein für völlig fehlerfrei.

Immer wieder warnt die Polizei vor Falschgeld, vor allem in Bars und Diskos. Klar, dass jeder Fall ernst genommen wird. Per se jedem zu unterstellen, die Blüten absichtlich in Umlauf gebracht zu haben, ist recht gewagt. Aber so steht es im Gesetz.

Fahrlässigkeit sieht der Paragraf gar nicht vor. Heißt aber: Wenn der Vorsatz - spätestens im Prozess - nicht nachgewiesen werden kann, bleibt nur der Freispruch. Und das soll jetzt im Fall Taha B. nicht wahr sein, weil es für den "Kollegen (der die Anklage verfasste) nicht so günstig wäre, einen Freispruch zu beantragen"?! Der Kollege?

Es geht im deutschen Strafgericht immer noch um die Angeklagten. Maximal noch um ihre Opfer. Opfer? Hier? Das war in dem Fall auch Taha B., der hat nämlich den Schaden. Die Verbissenheit, wie hier um die Verurteilung eines Falls der ohnehin drei Jahre zurückliegt und der vergleichsweise milde ist, gekämpft wird, lässt einen verwundert zurück.

In der Staatsanwaltschaft liegen Fälle mit Millionenschaden, die Zeit fressen, Zeit, die bei derlei Prozessen verschleudert wird. In Gerichten liegen Anklagen gegen Großbetrüger, die nicht terminiert werden können, weil Richter - und die Staatsanwälte - kaum Termine für Prozesse frei haben.

Klar: Wenn man einem 50-Euro-Schein so vehement nachjagt, müssen die großen Fische halt warten. Verstehen muss man das nicht.

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