Zug-Chaos: Sachsens Feuerwehr-Chef gibt Bahn eine Mitschuld

Dresden - Sachsens Bahn-Strecken stehen in der Kritik: Während sich die Städtebahn über umstürzende Bäume vor ihren Zügen beschwert, sieht nun auch die Feuerwehr ein Risiko im Wildwuchs neben den Schienen.

Die Städtebahn hat immer wieder mit stürzenden Bäumen auf ihren Strecken zu kämpfen.
Die Städtebahn hat immer wieder mit stürzenden Bäumen auf ihren Strecken zu kämpfen.  © Egbert Kamprath

Fünf der 16 Züge der Städtebahn Sachsen stehen aktuell in der Werkstatt. Die Reparaturen werden noch Monate in Anspruch nehmen. Schuld daran sind Zusammenstöße mit umgestürzten Bäumen.

„Faktisch zerstört die DB Netz AG zunehmend unsere Fahrzeugflotte, sodass der bestellte Personennahverkehr mangels Fahrzeuge nicht mehr mit den gewünschten Platzkapazitäten gewährleistet werden kann“, schimpft Städtebahn-Chef Torsten Sewerin.

„Und dafür müssen wir auch noch jährlich 10 Millionen Euro Infrastrukturkosten bezahlen. Da stellt sich die Frage, wofür das Geld verwendet wird? Jedenfalls nicht für die Wartung und den Rückschnitt hiesiger Strecken.“

Nun machen sich auch Sachsens Feuerwehren Sorgen um die Trassen: "Bundesweit steuern die Zahl der Böschungsbrände auf einen Rekordwert zu", sagt Andreas Rümpel (60), Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes.

Stockt die Bahn ihre finanziellen Mittel jetzt auf?

Zuletzt entgleiste ein Zug zwischen Pulsnitz und Kamenz bei einem Baumsturz.
Zuletzt entgleiste ein Zug zwischen Pulsnitz und Kamenz bei einem Baumsturz.

"Bei der aktuellen Witterung ist es nötig, das Brandrisiko zu minimieren. Es ist ärgerlich, wenn zu den zahlreichen Fällen auch noch solche vermeidbaren Brände dazukommen."

Ausgetrocknete Gewächse können etwa durch Funkenflug, aber auch weggeschmissenes Glas oder Zigaretten schnell entfacht werden.

Der Bahn ist das Problem bewusst: "Trotz kontinuierlichen Rückschnitts und regelmäßiger Böschungspflege kommt es in diesem Jahr in unmittelbarer Nähe von Gleisen aufgrund der langanhaltenden Hitzeperiode und der damit verbundenen extremen Trockenheit auch zu Bränden in Gleisnähe, die den Zugverkehr beeinträchtigen können", sagt ein Sprecher.

Bundesweit kümmerten sich Ende 2017 über 1000 Mitarbeiter um die Pflanzen am Gleis, über 100 Millionen zahlte der Konzern dafür. Ob jetzt aufgestockt wird, wollte die Bahn nicht verraten.

Andreas Rümpel (60), Vorsitzender des Landesfeuerwehrvervbandes, sieht im Wildwuchs an den Gleisen ein Brandrisiko.
Andreas Rümpel (60), Vorsitzender des Landesfeuerwehrvervbandes, sieht im Wildwuchs an den Gleisen ein Brandrisiko.  © Thomas Türpe
Ein zweistündiger Großeinsatz der Feuerwehr war die Folge des gekippten Baumes bei Pulsnitz.
Ein zweistündiger Großeinsatz der Feuerwehr war die Folge des gekippten Baumes bei Pulsnitz.  © Jonny Linke

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