Weil er nicht "demonstrieren" darf: Erster Straßenmusiker verklagt Rathaus

Dresden - Seit Jahren tut sich Dresden mit vernünftigen Regelungen für Straßenmusiker schwer. Anwohner und Händler fühlen sich vom Lärm gestört. Künstler hingegen sehen sich durch die Regelungen immer noch gegängelt. Jetzt verklagt der erste Straßenmusiker die Stadt.

Straßenmusiker Arne Schmitt (47) verklagt die Stadt.
Straßenmusiker Arne Schmitt (47) verklagt die Stadt.  © Lutz Hentschel

Arne Schmitt (47) ist einer der bekanntesten Straßenkünstler Deutschlands. Touren führen den Pianisten durch ganz Europa und bis nach China. Um Dresden macht er seit Monaten einen Bogen.

Hier darf maximal eine halbe Stunde pro Ort gespielt werden, danach muss gewechselt werden. Mit Schmitts knapp 400 Kilo schwerem Piano unmöglich.

Um dennoch spielen zu können, meldete Schmitt Demonstrationen an, protestierte gegen den Eingriff in seine Kunstfreiheit. Das untersagte die Stadt per Feststellungsbescheid, gegen den der Musiker jetzt vor das Verwaltungsgericht zieht.

"Ich will auch zukünftig in Dresden demonstrieren können, dafür nehme ich die hohen Anwaltskosten auf mich", so der Künstler.

Auch in Dresden ist kaum jemand mit den aktuellen Regelungen zufrieden, jedoch aus anderen Gründen. Aktuell gibt es erneut eine Petition gegen nervige Straßenmusik.

Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne) scheiterte im Stadtrat

Konnte sich mit seinen Plänen zur Straßenmusik nicht durchsetzen: Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne).
Konnte sich mit seinen Plänen zur Straßenmusik nicht durchsetzen: Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne).  © Holm Helis

Ein Anwohner der Prager Straße schreibt dort: "Ich höre bei geöffnetem Fenster in meiner Wohnung gleichzeitig unterschiedliche Musik. Ich fühle mich in meiner Lebensqualität beeinflusst."

Zudem häufen sich weitere Beschwerden und Verstöße. 55-mal schritt die Stadt ein, weil ohne Erlaubnis gespielt wurde. 54-mal wurden Musiker erwischt, die außerhalb der Spielbereiche auftraten, 48-mal, als außerhalb der Spielzeiten gespielt wurde. Geldbuße dafür: bis zu 500 Euro.

Obendrauf kommen reichlich Beschwerden. 25 von Anwohnern, 16 von Händlern, 39 weitere waren "nicht zuordenbar". Meist steht dabei überlaute Musik durch Verstärker im Fokus.

Ein Verbot durch Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (42, Grüne) scheiterte jedoch im Stadtrat.

Immer wieder wurde der Künstler bei seinen Demos kontrolliert. Zuletzt verbot die Stadt die Auftritte.
Immer wieder wurde der Künstler bei seinen Demos kontrolliert. Zuletzt verbot die Stadt die Auftritte.  © Matthias Rietschel

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