OB Hilbert stellt sich Asylheim-Blockierern

Anwohner vom Asylheim in der Thäterstraße bilden eine Traube um Dirk Hilbert.
Anwohner vom Asylheim in der Thäterstraße bilden eine Traube um Dirk Hilbert.

Von Anneke Müller

Dresden - Die Stadt Dresden soll in den nächsten Tagen wieder rund 500 neue Asylbewerber aufnehmen. Mehrere Turnhallen werden dafür hergerichtet (MOPO24 berichtete).

Das sehen einige Anwohner kritisch und protestieren dagegen - vor allem in der Thäterstraße im Stadtteil Übigau.

Dort tauchte am Donnerstagmittag überraschend und unangekündigt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (43, FDP) auf. Er wollte sich den Fragen der rund 60 Menschen stellen.

Diese hatten seit Mittwoch die Zufahrt der Sporthalle blockiert und stellten Parkplatz-Einfahrten mit ihren Autos zu. Feuerwehren und das DRK kamen nicht mehr durch. Am Abend brüllten einige Parolen, die Stimmung wurde sehr aggressiv.

Hilbert im Gespräch mit den Bürgern.
Hilbert im Gespräch mit den Bürgern.

Dirk Hilbert kam vorbei, um sich die Sorgen anzuhören. Doch es war ein schwerer Gang. In den 60 Minuten schaffte er es kaum, einen Satz vernünftig zu Ende zu bringen. Immer wieder wurde er durch gebrüllte Fragen und Statements unterbrochen. Der gesamte Unmut brach über ihn herein.

Unter die Fragenden hatte sich auch PEGIDA-Frontfrau Tatjana Festerling (51) gemischt. Mit einem Schreibblock in der Hand stellte sie ihm all die Fragen, die eher ein Bundesinnenminister beantworten könnte.

  • Was ist das Sicherheitskonzept?
  • Werden die Asylbewerber nach Religionen getrennt?
  • Wie stellen Sie sicher, dass keine Salafisten kommen?
Auch Tatjana Festerling (mit Block) tauchte an der Thäterstraße auf.
Auch Tatjana Festerling (mit Block) tauchte an der Thäterstraße auf.

Die Menschen wollten auch wissen, wie man Schulkinder vor "kriminellen Asylbewerbern" schützt... Wer sie entschädigt, wenn Eigentumswohnungen in direkter Nachbarschaft an Wert verlieren... Und ob jetzt mehr Polizei eingesetzt wird...

Hilbert erklärte: "Wir haben pro Tag 750 bis 800 Asylbewerber, die neu nach Sachsen kommen. Noch am Anfang des Sommers waren es insgesamt 2500, jetzt sind es schon 12.500. Und allein Dresden muss in den nächsten Tagen 498 aufnehmen. Das ist nicht leicht...! Bislang waren Turnhallen ausgeschlossen, weil Schulsport Prioriät hatte. Aber jetzt haben wir eine Notsituation!"

Hilbert redete sehr leise, wurde immer wieder unterbrochen und im Wort geschnitten. Er war gekommen, um an das Verständnis der Menschen zu appellieren. Im Fazit ist er damit gescheitert.

Turnhalle Thäterstraße: Hier sollen ab Freitag die ersten Asylbewerber einziehen.
Turnhalle Thäterstraße: Hier sollen ab Freitag die ersten Asylbewerber einziehen.

OB Hilbert beim 2. Ortstermin

Nach den Anfeindungen besuchte Hilbert noch die Turnhalle an der Schleiermacherstraße in Plauen.

Hier sollen ab heute 70 Flüchtlinge eines Geschlechts untergebracht werden. Nach den vorangegangenen Wortgefechten sagte er dort: „Es gibt berechtigte und unberechtigte Ängste, eine sachliche Diskussion sollte jedoch das Mindeste sein.“

Hilbert betonte erneut: „Wir benötigen für die Flüchtlinge eine menschenwürdige Unterbringung, deshalb die Turnhallen.“ In Plauen unterstützt die Aktion „Miteinander“ Ankunft und Versorgung der Flüchtlinge. Derzeit kommen täglich etwa 800 Flüchtlinge nach Sachsen.


Wie lange schaut das Rathaus der Blockade in Übigau noch zu? Rathaus-Sprecher Kai Schulz (41): „Wir wissen noch nicht, wann uns die 59 Asylbewerber zugewiesen werden. Erst dann werden wir über weitere Schritte entscheiden.“

Die Polizei steht bereit: „Wenn Unterstützungsbedarf seitens der Stadt besteht, werden wir tätig“, so Sprecherin Jana Ulbricht (38).

Fotos: Ove Landgraf


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0