Aufstand gegen Sperrstunde: Gastronomen und Clubbetreiber wollen rund um die Uhr öffnen

Dresden - Um 5 Uhr früh gehen die Lichter aus. Noch immer gibt es in Dresden eine Sperrstunde. Vor allem Club-Betreiber sind genervt, viele Gäste wollen deutlich länger feiern, lassen sich nur ungern vertreiben. Nachdem die Uralt-Regelung in Leipzig gekippt wurde, legt jetzt die Dresdner Politik nach.

Die Neustädter Partygänger wünschen sich ein Ende der Sperrstunde.
Die Neustädter Partygänger wünschen sich ein Ende der Sperrstunde.  © Eric Münch

Seit dem Mittelalter gibt es die Sperrstunde. Über Jahrhunderte sollte so die Arbeitsfähigkeit der Bürger gesichert sowie Ordnung und Sicherheit aufrechterhalten werden.

"Doch das passt nicht mehr in unsere Zeit. Es gibt ein Bedürfnis, bis in den Morgen hinein zu feiern. Viele Club-Konzepte funktionieren nur, wenn sich weit über neun Stunden lang Künstler entfalten können", so Steffen Kache (45).

Er ist ein Urgestein der Szene, gründete vor über 25 Jahren den Technoclub "Distillery" in Leipzig und ist einer der Gründe dafür, warum die Regelung dort vergangenes Jahr durch Politik und Szene-Fans gekippt wurde.

"In diesem Fall kann Dresden mal von Leipzig lernen", sagt Grünen-Stadtrat Torsten Schulze (49).

Per Ratsbeschluss will seine Partei durchsetzen, dass die "Putzstunde" zwischen 5 und 6 Uhr am Morgen auch in Dresden wegfällt. Stimmt der Rat im Frühjahr zu, könnte im Laufe des Jahres die bisherige Rechtsverordnung abgelöst werden.

Betroffen von der aktuellen Regelung ist auch Ferenc Weidel (55), Chef vom Café Europa in der Neustadt. Er kann nur mit Sondergenehmigung rund um die Uhr öffnen. Jahr für Jahr kostet ihn das etwa 3 500 Euro.

Stadtweit stellen übrigens zehn Gastronomen und acht Spielhallen Anträge auf Aufhebung der Putzstunde. Alle zusammen kaufen sich momentan für über 38.000 Euro pro Jahr von der Sperrstunde frei.

Johannes Gerstengarbe (36, "Wir gestalten Dresden"), TBA-Betreiber Christoph Töpfer (43), Steffen Kache (45, Distillery) und Stadtrat Torsten Schulze (49, v.l.) kämpfen für das Ende der Sperrstunde.
Johannes Gerstengarbe (36, "Wir gestalten Dresden"), TBA-Betreiber Christoph Töpfer (43), Steffen Kache (45, Distillery) und Stadtrat Torsten Schulze (49, v.l.) kämpfen für das Ende der Sperrstunde.  © Petra Hornig
Das Café Europa zahlt pro Jahr etwa 3500 Euro, um rund um die Uhr öffnen zu dürfen.
Das Café Europa zahlt pro Jahr etwa 3500 Euro, um rund um die Uhr öffnen zu dürfen.  © Eric Münch
Die Sperrstunde soll helfen, Anwohner vor Lärm zu schützen. Gegner bezweifeln das.
Die Sperrstunde soll helfen, Anwohner vor Lärm zu schützen. Gegner bezweifeln das.  © Petra Hornig

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