Auto-Unfälle, krankes Herz, Krebs: Immer mehr Suff-Tote!

Dresden - Wie schädlich Alkohol für die Gesundheit sein kann, ist bereits seit Jahren bekannt. Und dennoch wird weltweit immer mehr getrunken, so das Ergebnis einer internationalen Studie im Fachblatt "The Lancet".

Etliche Krankheiten, darunter etwa Herz- und Kreislauferkrankungen, sind eine Todesfolge von zu viel Alkoholkonsum
Etliche Krankheiten, darunter etwa Herz- und Kreislauferkrankungen, sind eine Todesfolge von zu viel Alkoholkonsum  © 123rf.com/Axel Bueckert

Die Auswertung von Daten aus 189 Ländern ergab, dass der Alkoholkonsum der Weltbevölkerung von 1990 bis 2017 um 70 Prozent gestiegen ist. Ursachen sind vor allem der Bevölkerungszuwachs und der stärkere Konsum pro Kopf.

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Während er beispielsweise in China, Indien und Vietnam stark wuchs, ist er in osteuropäischen Ländern von hohem Niveau herab deutlich gesunken. In Deutschland beobachteten die Wissenschaftler eine Stagnation mit leicht sinkendem Trend.

Verkehrsunfälle, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Krebs sind nur ein Teil der Todesursachen, die direkt oder indirekt mit Alkohol in Verbindung gebracht werden.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ging 2016 jeder 20. Todesfall weltweit darauf zurück.

Entsprechend sollte Alkoholmissbrauch von 2018 bis 2025 um zehn Prozent gesenkt werden – ein Ziel, das den Studienautoren zufolge wohl verfehlt wird.

"Stattdessen wird Alkohol einer der Hauptrisikofaktoren für vorhersehbare Krankheiten bleiben", erklärt Jakob Manthey vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie (IKPP) der TU Dresden in einer zur Studie veröffentlichten Mitteilung.

"Und seine Auswirkungen werden sich wahrscheinlich relativ zu anderen Risikofaktoren erhöhen."

TU Dresden an Studie beteiligt

An der TU Dresden wird zum Alkohol-Trinkverhalten geforscht.
An der TU Dresden wird zum Alkohol-Trinkverhalten geforscht.  © Monika Skolimowska/ZB/dpa

Für die Untersuchung analysierte das Forscherteam Daten zum Alkoholkonsum von Menschen von 15 bis 99 Jahren aus 189 Ländern für die Jahre 1990, 2010 und 2017 und prognostizierte daraus zudem die Entwicklung für das Jahr 2030.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass 2017 in nordafrikanischen Ländern sowie Ländern des Nahen Ostens am wenigsten getrunken wurde, während es in Zentral- und Osteuropa am meisten war. Der höchste Anstieg seit 2010 aber wurde mit 34 Prozent im wirtschaftlich aufstrebenden Südostasien beobachtet.

Im Detail hatte das osteuropäische Moldawien 2017 den höchsten Konsum (15 Liter reiner Alkohol pro Mensch von 15 bis 99 Jahren) und das überwiegend muslimische Kuwait den geringsten (weniger als 0,005 Liter).

Als Ursachen für die unterschiedlichen Zahlen sehen die Wissenschaftler Faktoren wie Religion, Gesundheitspolitik und Wirtschaftswachstum.

Vor allem das ökonomische Wachstum scheint sich hierbei auszuwirken, wie die Beispiele China und Indien zeigen, wo sich der Alkoholkonsum zwischen 1990 und 2017 jeweils fast oder mehr als verdoppelt hat.

Tendenz steigend: Es wird weiterhin viel Alkohol getrunken

Global trank jeder Mensch 2017 im Schnitt 6,5 Liter reinen Alkohol.
Global trank jeder Mensch 2017 im Schnitt 6,5 Liter reinen Alkohol.  © 123rf.com/Karel Miragaya

Global trank 1990 jeder Mensch von 15 bis 99 Jahren im Schnitt umgerechnet 5,9 Liter reinen Alkohol. Bis 2017 stieg dieser Konsum auf 6,5 Liter. Zur Einordnung: Ein halber Liter Bier enthält etwa 20 Gramm reinen Alkohols.

In Deutschland und anderen Ländern mit hohem Einkommen stagnierten oder sanken die Zahlen indes: 1990 wurden hierzulande noch 16,32 Liter reinen Alkohols getrunken, 2010 waren es 12,95 Liter. 2017 folgte eine leichte Steigerung auf 13,05 Liter. Für 2030 prognostizieren die Wissenschaftler jedoch einen Konsum von 11,63 Litern.

"Unsere Studie bietet einen umfassenden Überblick über die sich verändernde Landschaft des weltweiten Alkoholkonsums", fasst Psychologe Manthey zusammen. "Vor 1990 wurde der meiste Alkohol in Ländern mit hohem Einkommen konsumiert mit den höchsten Leveln in Europa. Dieses Muster hat sich jedoch deutlich verändert mit starken Reduzierungen in Osteuropa und gewaltigen Zuwächsen in mehreren Ländern mit mittlerem Einkommen wie China, Indien und Vietnam."

Dieser Trend werde sich voraussichtlich bis 2030 fortsetzen, so dass Europa dann nicht mehr den höchsten Alkoholkonsum haben werde, so Manthey weiter.

Eine weitere Beobachtung: Die Zahl der lebenslangen Abstinenzler blieb global ungefähr stabil (1990: 46 Prozent, 2017: 43 Prozent), ebenso wie die der heftigen Trinker (1990: 18,5 Prozent, 2017: 20 Prozent). Die Forscher schätzen, dass die Menge des konsumierten Alkohols stärker als die Zahl der Trinker wachsen wird – mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen.

Titelfoto: 123rf.com/Axel Bueckert

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