Kein Brötchen ohne Kassenbon! Bäcker verärgert über neue Verordnung

Dresden - Ein Brötchen oder Stück Kuchen ging beim Bäcker bisher ohne große Zettelei über die Theke. Doch ab 2020 ist damit Schluss. Dann muss immer ein Kassenbon ausgehändigt werden. Beim sächsischen Bäckerhandwerk würde dadurch eine Papierschlange von Leipzig bis Dresden entstehen - täglich!

Noch darf Roland Ermer (55), Bäckermeister in Bernsdorf und Landesobermeister der Bäckerinnung Saxonia, den Kuchen ohne Bon über den Tresen reichen.
Noch darf Roland Ermer (55), Bäckermeister in Bernsdorf und Landesobermeister der Bäckerinnung Saxonia, den Kuchen ohne Bon über den Tresen reichen.  © Sven Ellger

"Das Bürokratiemonster schlägt wieder zu", ärgert sich Roland Ermer (55), Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen. "Kassensicherungsverordnung" heißt das Ärgernis offiziell.

Ermer fühlt sich und seine Branche unter Generalverdacht gestellt: "Als ob wir alle Verbrecher wären und Steuern hinterziehen."

Er sieht eine neue Stufe der Gängelei erreicht.

"Zuerst mussten wir neue Kassensysteme kaufen, damit jeder Vorgang gespeichert wird, dann ein zusätzliches Verschlüsselungssystem anschaffen und jetzt der nächste Irrsinn", ist der Bäckermeister genervt. Das koste Zeit und Geld.

In der neuen Verordnung sieht Roland Ermer aber vor allem eine sinnlose Belastung für die Umwelt.

Seine Rechnung: Bei durchschnittlich 585 Kunden am Tag pro Bäcker (ca. 1 000 in Sachsen) und 20 Zentimeter Bon entsteht Müll von zirka 117 Kilometern am Tag.

"Und das ist Thermopapier", bemerkt der Verbandschef. "Ich bin keine Greta, aber da geht's mir um die Umwelt."

Zumal 90 Prozent den Bon direkt wegwerfen würden. Der Verband versucht nun eine Ausnahmegenehmigung fürs Bäckerhandwerk zu bekommen.

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